Schreibtipps - Der Plot
Ich lege hier mal eine winzige Denkminute für uns alle ein.
Der Plot, die Rahmenhandlung - was ist das?
Das ist das Gewebe, dass alle Charaktere zusammenhält und lenkt. Er bestimmt, wo alles beginnt und wie es endet. Der Autor ist wie ein Weber, der das farbenprächtige Muster langsam erstellt.
Nun darf man aber nicht denken, dass der Plot wie ein Panzer ist, der alles beinhaltet und übersteht, aber total unflexibel ist. Der Plot lebt.
Aber damit er sich nicht wie ein wildgewordenes Knäul aus Bindfäden verheddert oder am Ende völlig verliert, sollte man ihn doch ein wenig unter Kontrolle halten. Ich benutze dazu folgende Arbeitsvorschläge:
5.1. Grobe Auflistung
Da kommen wir wieder zum Anfang und zu der abgeklopften Idee.
Durch das Abklopfen an sich, sollten sich schon einige Gedanken die Handlung betreffend gebildet haben. Ich hoffe, die sind irgendwo schriftlich oder gedächtnistechnisch niedergelegt.
Nun schaut man sich diese kleine Übersicht noch einmal an, überprüft, ob die Charaktere zu den vorgegebenen Rollen und Aufgaben wirklich passen.
Nun kann man anfangen, die einzelnen Ideen ein wenig auszuführen, mit etwas Inhalt zu versehen, das kann helfen wenn die Geschichte nicht gerade in drei Tagen fertig geschrieben ist. Da kann man auch einbauen, was zu dieser Szene passt - Dialogfetzen, wenn man welche hat oder genaue Beschreibungen.
Meistens hat man ja einen Haufen Gedanken, die alle im Kopf herumdödeln, aber noch nicht dran sind, weil die Handlung erst später zu diesen Ideen führt. Alles aufschreiben!
5.2. Nachprüfen während des Schreibens
Während des eigentlichen Schreibens kann man anhand seiner Ideen-Liste immer mal wieder nachprüfen:
- Wo bin ich gerade?
- Wo muss ich von hier aus hin?
- Bin ich noch auf dem Weg, den ich vorgedacht habe?
Wenn die Antwort zur letzten Frage Nein lautet, dann kann die Prämisse weiterhelfen.
5.3. Die Prämisse
Dieses dumme Ding hat mir ja nur Verdruss bereitet, bis ich versucht habe, sie so zu verstehen.
Sie ist ein Kompass, der den Plot auf Kurs halten kann
Was soll das? Also, wenn man anfängt zu schreiben, hat man meist eine vage Vorstellung davon, wie das ganze dann auch enden soll.
Aber die Frage, welche die Prämisse beantwortet, ist: Was will ich vermitteln? Was ist meine Botschaft?
Ein wenig wie die Moral von der Geschichte, aber dennoch viel flexibler. Man versucht die Quintessenz, also warum das alles geschehen ist und was es vermitteln soll, in einem Satz zusammenzufassen.
Ich könnte eine Prämisse für "Kalte Hunde" wie folgt geben:
Die Sehnsucht nach Liebe und Nähe kann in einer kalten Welt wie die der Yakuza nur im Tod erfüllt werden.
Gut , das ist die Prämisse.
Allerdings nutze ich dieses Ding noch ganz anders, nämlich bei den Charakteren. Ich mache eine Prämisse für einen Charakter und lege damit fest, was er in meiner Geschichte lernen soll.
Ich finde das viel einfacher und es hilft mir sehr, wenn ich versuche festzustellen, was noch offen ist für die Entwicklung des Charakters.
Wie geht das nun wieder?
Man stellt einfach fest, was ist das für ein Mensch [oder andere Kreatur] am Anfang und wie verändert er sich zum Ende hin.
- Was lernt er?
- Was wird aus ihm?
- Welche Verluste erleidet er?
- Was gewinnt er?
- Wie stark verändert er sich im Vergleich zum Ausgangscharakter?
Sagen wir mal Tristan Tellanvor in "Im Licht der Sonne"
Er lernt, dass trotz seines Versuches sich zu öffnen, er doch keine Liebe findet, weil sein Herz vergeben ist.
Das lernt er zumindest im Zusammenhang mit Yan und Marc.
Zum anderen ist eine Prämisse, die seine Kollegen angeht:
Tristan kann wie ein normaler Mensch arbeiten und Freundschaften schließen.
Okay?
Zudem ist es auch noch möglich, dass innerhalb einer Geschichte gleich mehrere Prämissen Wirkung haben. Nehmen wir mal an, es handelt sich um die Unendliche Geschichte. Jedes von Bastians Abenteuern hat eine eigene Prämisse, einen eigenen kleinen Plot, der in einen großen eingebettet ist.
Einen Versuch ist die Prämisse wert, aber wenn du nichts damit anfangen kannst, mach dir nichts draus.
Nun, vielleicht steckt man dennoch orientierungslos fest und die Prämisse ist Müll. Was dann?
5.4. Geschichts-Treppe
Den Weg einer Geschichte kann man sich wie eine Treppe vorstellen. Oben ist das Ende, der Schluß und ganz untern fängt man mühsam an, herumzukrebsen.
Man kann seine Notizen als kleine Stufen ansehen, die anzeigen, auf welcher Höhe man ist.
Nun, wenn man verirrt ist, kann man auch noch einmal überprüfen:
- Warum habe ich das Ziel aus den Augen verloren?
- Hat sich die Gewichtung meiner Rahmenhandlung verändert?
- Ist mein ursprüngliches Ziel noch realisierbar?
5.4.1. Warum habe ich das Ziel aus den Augen verloren?
Nun, bei mir liegt das meistens daran:
Figuren-Chemie!
Was ist das?
Die Figuren haben ihren eigenen Kopf. Sie machen manchmal Dinge, die ich mir nicht erklären kann, aber sie sind im Rahmen ihrer Charakterisierung völlig in Ordnung. Manchmal treffen zwei Figuren aufeinander und - peng! es knallt. Ob nun Liebe, Hass oder anderes, zumindest hatte man als Schreiber diesen beiden Figuren das nicht so zugetraut.
Diese neuen Gefühle der Figuren sind dann zu bewerten und das Plotgerüst kann einfach umgebaut werden.
Oder man ändert die Charaktere so, dass der ursprüngliche Plot wieder hergestellt werden kann.
5.4.2. Hat sich die Gewichtung meiner Rahmenhandlung verändert? Ist mein ursprüngliches Ziel noch realisierbar?
Auch das kann passieren. Man dachte eigentlich, och, das wird ne prima Sexgeschichte und auf einmal enthält sie doch Plotelemente, die interessant sind und die du gerne ausbauen möchtest. Oder in einem Krimi kommt ein Vorfall, der gleichzeitig auch zu einer Soap werden könnte oder so.
Das alles kann passieren.
Ist man bereit, alles zu überdenken, sollte man wieder neue Notizen machen und so lansam die Treppe zum neuen Ziel aufbauen. Es sind immer wieder die gleichen Arbeitsschritte. Man kann auch einfach die Hauptbegriffe, die einen nicht weiterkommen lassen, Clustern, so findet man seine Gedanken dazu auch heraus.
Man muss sich auf jeden Fall selbst erforschen:
- Was will ich schreiben?
- Was macht mir Spaß?
- Was liegt mir eher?
- Was ist mir wichtiger?
Natürlich kann man trotz aller Wiederstände den ersten Plotentwurf durchziehen. Damit beraubt man sich aber der wundervollen Erfahrung, wieviel mehr Spaß schreiben machen kann, wenn der Plot lebt. Und die Figuren ebenfalls.
So, nun habe ich gelabert und gelabert. Auf geht's zum richtigen Schreiben! Und damit zum Anfang der Geschichte.
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Aktualisiert (Freitag, den 31. Juli 2009 um 19:26 Uhr)


