Schreibtipps - Perspektiven
4. Das Auge des Schreibers - Die Perspektive
Was ist das eigentlich, die Perspektive?
Das ist die Position, die der Schreiber ergreift um seine Geschichte zu erzählen. Aber es ist auch die die Summe der Sichtweisen, Meinungen und Urteile seiner Charaktere.
Wenn ich schreibe:
Das Wärmste in seiner Wohnung war die kleine graue Katze, die eingerollt auf dem grünen Samtsofa beim Fenster mit den schon lange nach Wasser lechzenden Grünpflanzen, lag. Das Zweitwärmste war Nick selbst, der sich in seinem Schlafzimmer so tief unter seiner Federdecke verkrochen hatte, dass nur seine karamellfarbenen Haare herauslugten.
Dann ist dies schon eine Perspektive, eine übergeordnete. Hier ist keine Figur da, die dir erzählt, dass es so war, ich selbst bin es, die Schreiberin, die diese Situation schildert. Ich bin ein übergeordneter Beobachter, der das feststellen kann.
4.1. Perspektivenmöglichkeiten
An drei kann man sofort denken: Ich, du und er/sie/es.
Ich persönlich finde die Du Variante ebenso interessant wie kompliziert. Wenn man so schreibt, klingt das so:
Eines Tages wachst du auf und stellst fest, dass ein Gewehrlauf auf deine Stirn gerichtet ist. Und was tust du? Grummelst natürlich: "Schieß doch!".
Etwas gewöhnungsbedürftig, allein daher, weil man so etwas nicht sehr häufig liest. Eher vertraut ist man mit Ich.
Yan in Unheimlicher Gefährte ist ein Ich-Erzähler. Warum? Weil er die Identifikationsfigur der Geschichte ist, da er keinerlei Kräfte hat und einen trockenen Humor hat,der mir gelegen kommt:
Sarah errötete mehr. Nun, der alte Yannik Charme funktionierte zumindest teilweise noch. Ich seufzte und warf einen Blick auf den immer noch erschöpft wirkenden Tris. Sein Gesicht war nun entspannter, aber ich sah deutlich dunkle Schatten unter seinen Augen, als ob er ausgezehrt würde von den Erinnerungen an den heutigen Tag oder von denen an sein Leben. Und seinen Kräften.
Ich kannte den Preis nicht, den er zahlen musste, aber er war definitiv zu hoch. Manchmal tat mir Tristan mehr leid, als jeder andere auf der Welt. Manchmal wollte ich ihn bloß noch erwürgen.
Auch wenn die Ich-Perspektive sicher sehr verlockend ist - sie schränkt auch ein. Wie soll der Charakter von Dingen erzählen können, bei denen er nicht anwesend ist? So können manche Sachen vielleicht nicht geschrieben werden und der Plot ist hin.
Dafür eignet sich am besten die Neutrale Perspektive, bei der man von Figur zu Figur springen kann. Man kann alles erwähnen und keiner kommt zu kurz.
Im Endeffekt kommt es darauf an, wie die Geschichte wirken soll, wer alles mitspielt und wie wohl du dich mit der gewählten Perspektive fühlst.
4.2. Perspektiven Mischmasch
Kann man Ich-Perspektive und Neutrale Perspektive zusammenbringen?
Ja, sicher.
Manchmal ist es sogar ein Stilmittel, dass man von der Ich-Perspektive der einen Figur in eine Neutrale wechselt. Manchmal reicht es auch schon, wenn man die Gedanken des Handelnden einfach mit aufschreibt.
Manchmal kann man auch ein Tagebuch einbauen, dass eine Figur liest oder führt.
Es gibt viele Möglichkeiten.
ACHTUNG!
Innerhalb einer Geschichte sollte dann aber konsequent der eingeschlagene Weg eingehalten werden. Ich finde das immer ganz gräßlich, wenn jemand plötzlich, nach über 100 Seiten, aus der Ich-Perspektive in die übergeordnete rutscht.
4.3.Zeitliche Perspektive
Meine Güte, die habe ich glatt vergessen! Aber die ist natürlich auch wichtig, vor allem wenn man sich nicht daran hält. Dann sträuben sich mir die Haare auf den Zähnen.
Beispiel für ein völlig unübersichtliches Zeitgefüge:
Wenn das Essen von dem Röllchenband genommen wurden ist und es deswegen stehen blieb, dann hat man noch ca. 10 Sekunden etwas in die Luke zu stellen, bevor die Klappe sich erneut unaufhaltsam schloß.
[Genommen aus "Rapunzel", eine F/F Keyfiction, ungebetat, von Mabel]
Es ist als wichtig, dass man in einer Zeit bleibt. Am einfachsten ist natürlich die Vergangenheit, weil wir meistens in dieser Zeitform erzählen.
Gestern war ich in der Disco und hab nen süßen Typen kennen gelernt.
Klar?
Gegenwart kann ein starkes Gefühl von Aktualität vermitteln. Auch gut mit der Ich-Perspektive zusammen zu benutzen.
Ich bin in der Disco und da drüben, an der Theke stehen zwei hübsche Männer, die ich kennen lernen möchte.
Wirkt als wär man dabei, irgendwie.
Dann noch die Zukunft. Ich kenne eigentlich keine Geschichte, die in dieser Zeitform geschrieben ist, aber es ist sicherlich möglich. In Geschichten begegnet mir häufig diese Zeitform in Prophezeiungen oder Androhungen.
[Achtung, jetzt kommt Schwachsinn!]
Und er wird in der Disco erscheinen und deinem Auge wohlgefällig sein.
Oder
Er wird bestimmt in der Disco auftauchen und dich verführen. Wenn ich den erwische, dann prügel ich ihn grün und blau!
Äh, ja... Genug davon, oder?
Ich denke, es ist einfach wichtig, dass man in der nicht-wörtlichen Rede eine Zeit konsequent durchhält. So, das war es auch schon.
Der Plot und die gefürchtete Prämisse
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Aktualisiert (Freitag, den 31. Juli 2009 um 19:22 Uhr)


