Man Eater - Kapitel 1
Die Masse von Leuten war in Bewegung.
Laute Musik und die Ekstase der Menschen erzeugte eine Masseneuphorie, die mit dem harten Beats und den Drogen der Nacht durch die Venen der Lebenden raste.
Schweiß und Ekstase waren eng miteinander verschlungen, wie leidenschaftlich liebende.
Die Menschen verloren Ihre Identität und fanden sie scheinbar wieder in der Masse und deren Bewegung.
Hier wurde nur ein einziger Götze zum Gott erhoben: der Rausch um jeden Preis.
Rausch in jeder Abstufung...
Zwischen den Tanzenden, flirtenden, verlorenen Seelen lauerte eine auf ein weiteres Opfer.
An einem Glas mit Caipirhna nippend erforschte dieser junge Mann die Wirkung von Alkohol zusammen mit Extasy. Es war geil.
Vielleicht noch ein wenig Sex dazu, dann war der Gott der Nacht wieder besänftigt.
Nur noch den richtigen Körper für das Opfer an diesen Gott finden.
Mal schauen, was für annehmbare Körper in der Nähe waren, ideal um sich darin für einen verschwindend kurzen Moment mit der vollkommenen Hingabe zu vereinen.
Nur um dann seinen Egoismus stärker und mächtiger zu fühlen als je zuvor.
Einen Körper also, vielleicht noch mit einem Gesicht dran...vielleicht gepierct?
Er stand auf Intimpiercing...das brachte die Frauen zum Kreischen. Schneller heißer Sex, schneller verbrennender Sex... dann mehr Extasy.
Er sah von seinem Drink auf...in ein paar helle eisblaue Augen.
Die vollen, seltsam sinnlich geformten Lippen bestellten ein Wasser. Eine weiche Kinn und Wangenlinie formten ein anziehendes Gesicht, wobei ihn die leichte Mandelform der Augen nicht irritierte. Es verlieh diesem Gesicht etwas besonderes, reizvolles.
Er wußte, das hier mußte der Körper sein, mit dem er dem Gott Rausch huldigen wollte.
Die Stimme machte ihm klar....das war ein Mann.
Keine Frau, wie er für diesen verwirrenden Moment gedacht hatte, warum eigentlich...sah er nicht männlich aus...?
Das Bild des Wesens mit den langen, grazilen Beinen und den seltsam verlockenden Bewegungen...fließend wie Wasser oder Quecksilber.
Gier stieg in ihm auf, diesen Körper zu besitzen.
Sie nahm schneller überhand über seine Selbstkontrolle, als das Extasy oder die treibenden Beats.
Die Augen, diese unglaubliche Farbe, verfingen sich in seinen und hielten sich ihn einfach fest.
Das geringste aller Lächeln umspielte die Lippen, kaum merklich, wunderschön.
Das schoß durch seinen Körper direkt in seine Libido. Was für eine Droge, dieser Körper...diese Lippen.
Ja, das würde gut werden, schnell heftig, heiß und geil.
Das Telefon klingelte geduldig und ohne Unterlaß, als sich eine schlaffe Gestalt zum Urheber des Lärms schleppte und mit schlaffen Bewegungen den Hörer abnahm.
"Hallo?" entkam ihm müde und gleichzeitig unfreundlich.
Wer wagte es am Wochenende um 7.00 Morgen anzurufen? Konnte sich denn nicht jeder normale Mensch denken, daß er auch mal schlafen mußte?
"Christian?" kam ihm eine bekannte tiefe Stimme entgegen.
"Paps? Was is'n? Warum rufst Du so früh an?"
Was er dann hörte, verstand er nicht.
"...was...?" hauchte er schwach.
Er konnte die Tränen in der Stimme seines Vaters hören.
"Robert ist tot..." wiederholte der ältere Mann geduldig.
Der Telefonhörer fiel zu Boden und der Mann taumelte nach hinten um lehnte sich an eine Wand.
Schlaff rutschte er in eine sitzende Position, leer auf den Hörer starrend, aus dem eine besorgte Stimme "Christian?" rief.
Das Bild seines "kleinen" Bruders tauchte vor seinem inneren Auge auf.
"Robert...." flüsterte er matt.
Eine halbe Stunde später stand er angezogen, aber ungewaschen vor der Tür der Wohnung seines jüngeren Bruders.
Die Tür war nur angelehnt, innen war Stimmengemurmel zu vernehmen.
Er öffnete die häßliche Laminattür, durchdrungen von schlechten Gefühlen und unerträglichem Verlust.
Alles Gemurmel verstummte und die Anwesenden starrten ihn an.
"Ich...bin Christian Grothe..." brachte er halb flüsternd, halb heiser krächzend hervor.
Sofort zeichnete sich Mitleid auf den Gesichtern der Umstehenden ab.
"Wo ist...mein Vater?" schloß Christian an.
Jemand zeigte auf die Tür, die zu Roberts Schlafzimmer führte.
Betäubt nickte Christian und trat ein.
Ein süßlicher, erotischer, verlockender Duft übermannte ihn, als er das Zimmer betrat. Gar nicht zu dem Bild passend, das sich ihm bot.
Ein großer hagerer Mann von ungefähr 60 Jahren stand vor dem Bett, dem einzigen Möbelstück in diesem Zimmer. Auf dem Bett war ein weißes Laken ausgebreitet, unter diesem zeichneten sich die Konturen eines menschlichen Körpers ab. Alles wirkte seltsam ruhig und beinahe wie ein Stilleben. Als wäre es nicht echt.
Nur dieser Duft, der seine Sinne kitzelte.
Etwas unwirsch fuhr er sich über die Nase, wollte diesen Geruch nicht.
"Paps...?" begann er ruhig, aber seine Stimme versagte.
Der hagere Mann drehte sich um. In seinem Gesicht waren vierundzwanzig Jahre mehr zu erkennen, als noch am Tag zuvor. Die vierundzwanzig Jahre, die Robert gerade verloren hatte.
"Christian..."
Stille breitete sich wie ein Grabtuch über den beiden aus.
Plötzlich, wie unter Zwang, nahm der große Mann das Laken über der Gestalt weg...
Christian konnte nur starren, auch wenn er sich wünschte, die Augen zu schließen.
War Robert wirklich tot?
Er wirkte so zufrieden wie eine Katze, die Sahne geleckt hatte.
Halb aufgedeckt...
Moment mal...war Robert nackt?
Voller Widerwillen trat er näher heran.
Die Augen waren nur halb geschlossen.
Blau? Seit wann denn das?
Wahrscheinlich Kontaktlinsen.
"Wie?" erkundigte sich Christian.
Robert war 24 Jahre alt, verdammt. Da stirbt es sich nicht so einfach.
"Wir wissen nicht sehr viel." plötzlich wurde aus dem Vater wieder der erfahrene Kommissar.
"Wir vermuten in seinem Blut Drogen und Alkohol...und er hatte im Augenblick seines Todes höchstwahrscheinlich Sex."
Christian starrte seinen Vater an, wie konnte er das nur so gefühllos sagen?
Sein kleiner Bruder...blond gefärbt, mit strahlend blauen Kontaktlinsen... Beim Sex gestorben.
Er hatte schon lange nicht mehr mit Robert gesprochen, wie er sich eingestehen mußte.
Eine Träne rollte über seine Wange.
Nun gab es ihn plötzlich nicht mehr. Nie mehr.
Nie wieder Robert, mit dem er sich früher um Spielzeug geprügelt hatte.
"Es gibt kaum äußerliche Wunden...ein paar Kratzer von Fingernägeln und ein Biß in die Schulter... Nichts, was nicht beim Sex passiert sein könnte. Alles weitere erfahren wir bei der Obduktion."
"Obduktion?" Christian schreckte auf.
"Ein Gewaltverbrechen ist nicht auszuschließen. Außerdem fehlt von seinem ... Sexualkontakt...jede Spur."
Christian merkte, daß sein Vater zitterte.
Wie mußte der arme Mann leiden?
Die beiden waren seine ganze Familie gewesen, nachdem Christians Mutter nach Brasilien durchgebrannt war.
Er legte dem hageren Mann eine Hand auf die Schulter.
"Laß uns gehen, Paps. Ich glaub, du brauchst einen Kaffee."
Er blickte noch einen langen Augenblick auf seinen Bruder, nach dem der ältere Mann das Zimmer bereits verlassen hatte.
Die Spurensicherung war abgeschlossen...
Er streckte eine Hand aus und berührte die bleiche Wange seines jüngeren Bruders.
So kalt...
"Ich werde herausfinden, was passiert ist, Robert. Verlaß dich drauf. Ich jage Drogendealer und was auch immer dazu nötig ist. Ich werde herausfinden, was geschehen ist und ich werde sie bestrafen."
Dann verließ er das Zimmer so leise, als ob sein Bruder nur schliefe.
Christian kehrte in die Wohnung seines Bruders zurück, als alle gegangen waren und die Leiche abtransportiert war.
Jedes Geräusch, daß er machte, schien ihm selbst einen Schrecken einzujagen.
Als ob er angesprungen werden könnte. Er war angespannt bis aufs Äußerste, als die Schubladen seines Bruders noch einmal durchsuchte.
Er fand nichts, was einen Hinweis auf den "Sexualkontakt" gab.
Seinen Vater hatte er dazu gebracht einen starken Kognak zu trinken und dann hatte er den niedergeschmetterten Mann ins Bett geschickt.
Dann war er zu Roberts Wohnung zurückgekehrt in der Hoffnung, daß er als Bruder etwas sehen konnte, was andere übersehen hatten, aber bis jetzt war die Suche erfolglos.
Und immer hatte er das Gefühl, Robert würde gleich in eines der Zimmer kommen und ihn anmotzen.
"Ach, wenn das nicht mein großer Bruder ist... Schön, daß du dich auch mal wieder blicken läßt."
Aber er kam nicht und Christian beschlich das Gefühl, daß die Schatten immer näher an ihn heran krochen, um ihm in ihre Dunkelheit zu ziehen.
Und noch immer wurde seine Nase von diesem süßlichen Duft gekitzelt, der ihm irgendwie eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ.
Aber er wurde diesen Duft einfach nicht los. In jedem Moment wurde ihm mulmiger...als ob auch das Leben der Wohnung langsam verlöschte.
Überall schien es kälter zu werden, mit jeder verstrichenen Sekunde. Christian zog seine leichte Jacke enger um sich und erschauerte wieder.
Eigentlich wollte er nur weg, doch das fühlte sich so an, als ob er seinen Bruder wieder im Stich ließ. Und sein Gewissen zeigte ihm deutlich, daß er seinen Bruder einmal zu viel im Stich gelassen hatte.
Er lehnte sich auf das Sideboard in Roberts Flur und starrte in den Spiegel darüber in sein eigenes Gesicht. Ein normales Gesicht, man konnte nicht sehen, daß er noch an Tag davor einen Bruder gehabt hatte, der nun nicht mehr war. Er wünschte plötzlich, man könnte es sehen, so wie bei seinem Vater. Eine Art Zeichen für seine Schuld.
Ein leises plitschendes Geräusch machte ihm bewußt, daß er weinte.
Und als er sein Gesicht betrachtete und die glitzernden Tränen, wurde er wütend. Er hatte kein Recht zu weinen.
Laute Musik und die Ekstase der Menschen erzeugte eine Masseneuphorie, die mit dem harten Beats und den Drogen der Nacht durch die Venen der Lebenden raste.
Schweiß und Ekstase waren eng miteinander verschlungen, wie leidenschaftlich liebende.
Die Menschen verloren Ihre Identität und fanden sie scheinbar wieder in der Masse und deren Bewegung.
Hier wurde nur ein einziger Götze zum Gott erhoben: der Rausch um jeden Preis.
Rausch in jeder Abstufung...
Zwischen den Tanzenden, flirtenden, verlorenen Seelen lauerte eine auf ein weiteres Opfer.
An einem Glas mit Caipirhna nippend erforschte dieser junge Mann die Wirkung von Alkohol zusammen mit Extasy. Es war geil.
Vielleicht noch ein wenig Sex dazu, dann war der Gott der Nacht wieder besänftigt.
Nur noch den richtigen Körper für das Opfer an diesen Gott finden.
Mal schauen, was für annehmbare Körper in der Nähe waren, ideal um sich darin für einen verschwindend kurzen Moment mit der vollkommenen Hingabe zu vereinen.
Nur um dann seinen Egoismus stärker und mächtiger zu fühlen als je zuvor.
Einen Körper also, vielleicht noch mit einem Gesicht dran...vielleicht gepierct?
Er stand auf Intimpiercing...das brachte die Frauen zum Kreischen. Schneller heißer Sex, schneller verbrennender Sex... dann mehr Extasy.
Er sah von seinem Drink auf...in ein paar helle eisblaue Augen.
Die vollen, seltsam sinnlich geformten Lippen bestellten ein Wasser. Eine weiche Kinn und Wangenlinie formten ein anziehendes Gesicht, wobei ihn die leichte Mandelform der Augen nicht irritierte. Es verlieh diesem Gesicht etwas besonderes, reizvolles.
Er wußte, das hier mußte der Körper sein, mit dem er dem Gott Rausch huldigen wollte.
Die Stimme machte ihm klar....das war ein Mann.
Keine Frau, wie er für diesen verwirrenden Moment gedacht hatte, warum eigentlich...sah er nicht männlich aus...?
Das Bild des Wesens mit den langen, grazilen Beinen und den seltsam verlockenden Bewegungen...fließend wie Wasser oder Quecksilber.
Gier stieg in ihm auf, diesen Körper zu besitzen.
Sie nahm schneller überhand über seine Selbstkontrolle, als das Extasy oder die treibenden Beats.
Die Augen, diese unglaubliche Farbe, verfingen sich in seinen und hielten sich ihn einfach fest.
Das geringste aller Lächeln umspielte die Lippen, kaum merklich, wunderschön.
Das schoß durch seinen Körper direkt in seine Libido. Was für eine Droge, dieser Körper...diese Lippen.
Ja, das würde gut werden, schnell heftig, heiß und geil.
Das Telefon klingelte geduldig und ohne Unterlaß, als sich eine schlaffe Gestalt zum Urheber des Lärms schleppte und mit schlaffen Bewegungen den Hörer abnahm.
"Hallo?" entkam ihm müde und gleichzeitig unfreundlich.
Wer wagte es am Wochenende um 7.00 Morgen anzurufen? Konnte sich denn nicht jeder normale Mensch denken, daß er auch mal schlafen mußte?
"Christian?" kam ihm eine bekannte tiefe Stimme entgegen.
"Paps? Was is'n? Warum rufst Du so früh an?"
Was er dann hörte, verstand er nicht.
"...was...?" hauchte er schwach.
Er konnte die Tränen in der Stimme seines Vaters hören.
"Robert ist tot..." wiederholte der ältere Mann geduldig.
Der Telefonhörer fiel zu Boden und der Mann taumelte nach hinten um lehnte sich an eine Wand.
Schlaff rutschte er in eine sitzende Position, leer auf den Hörer starrend, aus dem eine besorgte Stimme "Christian?" rief.
Das Bild seines "kleinen" Bruders tauchte vor seinem inneren Auge auf.
"Robert...." flüsterte er matt.
Eine halbe Stunde später stand er angezogen, aber ungewaschen vor der Tür der Wohnung seines jüngeren Bruders.
Die Tür war nur angelehnt, innen war Stimmengemurmel zu vernehmen.
Er öffnete die häßliche Laminattür, durchdrungen von schlechten Gefühlen und unerträglichem Verlust.
Alles Gemurmel verstummte und die Anwesenden starrten ihn an.
"Ich...bin Christian Grothe..." brachte er halb flüsternd, halb heiser krächzend hervor.
Sofort zeichnete sich Mitleid auf den Gesichtern der Umstehenden ab.
"Wo ist...mein Vater?" schloß Christian an.
Jemand zeigte auf die Tür, die zu Roberts Schlafzimmer führte.
Betäubt nickte Christian und trat ein.
Ein süßlicher, erotischer, verlockender Duft übermannte ihn, als er das Zimmer betrat. Gar nicht zu dem Bild passend, das sich ihm bot.
Ein großer hagerer Mann von ungefähr 60 Jahren stand vor dem Bett, dem einzigen Möbelstück in diesem Zimmer. Auf dem Bett war ein weißes Laken ausgebreitet, unter diesem zeichneten sich die Konturen eines menschlichen Körpers ab. Alles wirkte seltsam ruhig und beinahe wie ein Stilleben. Als wäre es nicht echt.
Nur dieser Duft, der seine Sinne kitzelte.
Etwas unwirsch fuhr er sich über die Nase, wollte diesen Geruch nicht.
"Paps...?" begann er ruhig, aber seine Stimme versagte.
Der hagere Mann drehte sich um. In seinem Gesicht waren vierundzwanzig Jahre mehr zu erkennen, als noch am Tag zuvor. Die vierundzwanzig Jahre, die Robert gerade verloren hatte.
"Christian..."
Stille breitete sich wie ein Grabtuch über den beiden aus.
Plötzlich, wie unter Zwang, nahm der große Mann das Laken über der Gestalt weg...
Christian konnte nur starren, auch wenn er sich wünschte, die Augen zu schließen.
War Robert wirklich tot?
Er wirkte so zufrieden wie eine Katze, die Sahne geleckt hatte.
Halb aufgedeckt...
Moment mal...war Robert nackt?
Voller Widerwillen trat er näher heran.
Die Augen waren nur halb geschlossen.
Blau? Seit wann denn das?
Wahrscheinlich Kontaktlinsen.
"Wie?" erkundigte sich Christian.
Robert war 24 Jahre alt, verdammt. Da stirbt es sich nicht so einfach.
"Wir wissen nicht sehr viel." plötzlich wurde aus dem Vater wieder der erfahrene Kommissar.
"Wir vermuten in seinem Blut Drogen und Alkohol...und er hatte im Augenblick seines Todes höchstwahrscheinlich Sex."
Christian starrte seinen Vater an, wie konnte er das nur so gefühllos sagen?
Sein kleiner Bruder...blond gefärbt, mit strahlend blauen Kontaktlinsen... Beim Sex gestorben.
Er hatte schon lange nicht mehr mit Robert gesprochen, wie er sich eingestehen mußte.
Eine Träne rollte über seine Wange.
Nun gab es ihn plötzlich nicht mehr. Nie mehr.
Nie wieder Robert, mit dem er sich früher um Spielzeug geprügelt hatte.
"Es gibt kaum äußerliche Wunden...ein paar Kratzer von Fingernägeln und ein Biß in die Schulter... Nichts, was nicht beim Sex passiert sein könnte. Alles weitere erfahren wir bei der Obduktion."
"Obduktion?" Christian schreckte auf.
"Ein Gewaltverbrechen ist nicht auszuschließen. Außerdem fehlt von seinem ... Sexualkontakt...jede Spur."
Christian merkte, daß sein Vater zitterte.
Wie mußte der arme Mann leiden?
Die beiden waren seine ganze Familie gewesen, nachdem Christians Mutter nach Brasilien durchgebrannt war.
Er legte dem hageren Mann eine Hand auf die Schulter.
"Laß uns gehen, Paps. Ich glaub, du brauchst einen Kaffee."
Er blickte noch einen langen Augenblick auf seinen Bruder, nach dem der ältere Mann das Zimmer bereits verlassen hatte.
Die Spurensicherung war abgeschlossen...
Er streckte eine Hand aus und berührte die bleiche Wange seines jüngeren Bruders.
So kalt...
"Ich werde herausfinden, was passiert ist, Robert. Verlaß dich drauf. Ich jage Drogendealer und was auch immer dazu nötig ist. Ich werde herausfinden, was geschehen ist und ich werde sie bestrafen."
Dann verließ er das Zimmer so leise, als ob sein Bruder nur schliefe.
Christian kehrte in die Wohnung seines Bruders zurück, als alle gegangen waren und die Leiche abtransportiert war.
Jedes Geräusch, daß er machte, schien ihm selbst einen Schrecken einzujagen.
Als ob er angesprungen werden könnte. Er war angespannt bis aufs Äußerste, als die Schubladen seines Bruders noch einmal durchsuchte.
Er fand nichts, was einen Hinweis auf den "Sexualkontakt" gab.
Seinen Vater hatte er dazu gebracht einen starken Kognak zu trinken und dann hatte er den niedergeschmetterten Mann ins Bett geschickt.
Dann war er zu Roberts Wohnung zurückgekehrt in der Hoffnung, daß er als Bruder etwas sehen konnte, was andere übersehen hatten, aber bis jetzt war die Suche erfolglos.
Und immer hatte er das Gefühl, Robert würde gleich in eines der Zimmer kommen und ihn anmotzen.
"Ach, wenn das nicht mein großer Bruder ist... Schön, daß du dich auch mal wieder blicken läßt."
Aber er kam nicht und Christian beschlich das Gefühl, daß die Schatten immer näher an ihn heran krochen, um ihm in ihre Dunkelheit zu ziehen.
Und noch immer wurde seine Nase von diesem süßlichen Duft gekitzelt, der ihm irgendwie eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ.
Aber er wurde diesen Duft einfach nicht los. In jedem Moment wurde ihm mulmiger...als ob auch das Leben der Wohnung langsam verlöschte.
Überall schien es kälter zu werden, mit jeder verstrichenen Sekunde. Christian zog seine leichte Jacke enger um sich und erschauerte wieder.
Eigentlich wollte er nur weg, doch das fühlte sich so an, als ob er seinen Bruder wieder im Stich ließ. Und sein Gewissen zeigte ihm deutlich, daß er seinen Bruder einmal zu viel im Stich gelassen hatte.
Er lehnte sich auf das Sideboard in Roberts Flur und starrte in den Spiegel darüber in sein eigenes Gesicht. Ein normales Gesicht, man konnte nicht sehen, daß er noch an Tag davor einen Bruder gehabt hatte, der nun nicht mehr war. Er wünschte plötzlich, man könnte es sehen, so wie bei seinem Vater. Eine Art Zeichen für seine Schuld.
Ein leises plitschendes Geräusch machte ihm bewußt, daß er weinte.
Und als er sein Gesicht betrachtete und die glitzernden Tränen, wurde er wütend. Er hatte kein Recht zu weinen.
| Kommentare |
|
Powered by !JoomlaComment 4.0alpha3
!joomlacomment 4.0 Copyright (C) 2009 Compojoom.com . All rights reserved."
| < Zurück | Weiter > |
|---|


