Zufalls-Zitat

"Ich bin deines Wunsches wegen hier." erklang die sanfte Stimme, die aus der Ewigkeit ins Leben kam.
Eine feine Hand berührte seine Wange, zog sein Herz aus seiner Brust, legte es offen.
Dort lag es nun, zitternd im Mondlicht, tanzend in seine Brust, frierend weil es so allein war.
Das Sternenwesen betrachtete es voller Mitleid.

[Greif dir einen fernen Stern - Nika]

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So ein Theater! - Kapitel 4

Regen, Rudern und rote Haare

Shaw hatte das erste Treffen der Theatergruppe, noch ohne die Mädchen, für den Sonntag einberufen, damit er am Samstag Zeit zum Rudern hatte. Wie ein Omen für den Tag hatte es sich schon morgens gut eingeregnet. Als er schließlich seine Rudergruppe traf, standen alle in den Bootshäusern uns blickten deprimiert hinaus in den Regen.
"Was machen wir jetzt?", erkundigte sich Thomas Chisholm, der anscheinend der einzige war, der sich durch ein wenig Wasser von Oben nicht beeindrucken ließ. Shaw blickte den Leiter des Ruderclubs, Everard Willams an.
"Wir sind hierher gekommen um zu rudern, und das werden wir auch tun", beschloss der, auch wenn der Jubel bei dieser Entscheidung eher bescheiden war. Die Jungs trugen die Boote zum und begannen die ersten Versuche, einen Rhythmus und ein Gefühl für die neue Besetzung des Bootes zu etablieren.
Schon nach einigen Minuten waren sie nass, nach einer Stunde gab es keinen Millimeter an Shaws Körper mehr, der noch trocken war. Sogar seine Unterwäsche fühlte sich an, als ob er darin gebadet hätte.
Zu allem Überfluss tauchten ein paar Gestalten am Ufer auf, die keiner der Ruderer zuerst erkannte, weil sie unter Schirmen oder Kappuzen versteckt waren, aber als jemand: "Vielleicht hilft es ja, wenn ihr anfangt im Boot mit den Armen zu rudern!", rief, wurde Shaw klar, dass es Clive Sproul mitsamt seinem Anhang war.
Brian, der hinter Shaw saß, legte gleich eine Hand auf die Schulter seines Freundes, damit Shaw nicht das Temperament durchging. Auf Clive Sproul war er einfach allergisch.
"Zumindest sind wir keine Zuckerpüppchen, die sich zu fein sind zu Rudern, weil sie Angst haben, sie könnten sich im Regen auflösen", erwiderte Everard Willams ruhig.
"Williams!", zischte Brian warnend. Er war immer eher dafür, Probleme friedlich oder sportlich zu regeln. Shaw holte tief Luft, fühlte wie ihm Wasser von der Nase und den Wimpern tropfte. Er wollte sich nicht provozieren lassen, vor allem wollte er nicht, das Brian ihm hinterher stundenlang Vorhaltungen machte. Er konzentrierte sich also auf die kleinen Wasserbäche, die ihm am Körper herabrannen und versuchte so, Clive Sproul und seine Gang aus seinem Kopf zu tilgen.
"Wir brauchen nur nicht im Regen zu Rudern, da wir sehr viel besser sind als Maddox", stellte Sproul höhnisch fest. So etwas war wirklich schwer aus dem Kopf auszusperren.
"Bleib ruhig, Williams", hörte Shaw seinen Freund zischen, er hoffte das Gleiche. Provokation würde ihnen nicht weiterhelfen. Leider war Everard Williams nicht der Meinung.
"Testen wir es aus, Sproul!", rief er zum Ufer. "Bei den Läufen am ersten November."
Die Meute am Ufer grölte los. "Aber gern doch, Williams! Wir sind jederzeit zu einem Wettrudern bereit, falls ihr also vorher den Wunsch verspürt euch zu blamieren, dann gebt uns einfach Bescheid." Clive Sproul hob seinen Schirm in eine Art verächtlichem Gruß und dann verschwanden die Archer-Ruderer.
Schweigen senkte sich auf das Boot nur unterbrochen durch das Plätschern des Regens. Everard Williams rief plötzlich: "Also los, wir fangen mit Synchronisation an!" und das taten sie.

Zwei Stunden später kehrten die Ruderer in ihr Haus zurück - durchweicht, eiskalt und zitternd. Brian und Shaw verschwanden sofort unter einer heißen Dusche, danach fielen sie unisono auf ihr jeweiliges Bett.
"Ich bin erledigt", stöhnte Shaw und merkte nicht, dass die Tür geöffnet wurde. Erst ein leises Lachen, geradezu abfällig, ließ ihn aufhorchen. In der Tür stand Des und betrachtete seine beiden besten Freunde amüsiert. "Wenn ich euch so ansehe, dann muss ich unbedingt dem Ruderclub beitreten." Desmonds grüne Augen funkelten bösartig.
"Halt die Klappe", murmelte Brian in sein Kissen, ohne aufzuschauen. "Das ist alles nur die Schuld von Sproul. Er musste Williams unbedingt provozieren."
"Ja! Und nun ist unser Rennen gegen Archer schon am ersten November!", fügte Shaw unglücklich hinzu.
Das Funkeln in den grünen Augen erlosch und Des nahm eine nachdenklichere Haltung ein, bevor er sich auf Brians Bettkante setzte. Der Besitzer des Bettes schenkte dem Blonden einen seltsamen Blick, aber das schien Des nicht zu tangieren.
Nach einer Weile, in der Shaw einfach nur jeden Muskel, den er gerade missbraucht hatte, versuchte zu beruhigen, schien Des noch zu keiner Lösung gekommen zu sein.
"Was genau hat Sproul gemacht, damit seine Mannschaft so viel besser ist? Und habt ihr überhaupt schon gesehen, wie schnell und gut die Archers jetzt sind?"
Als weder Brian noch Shaw etwas antworteten, schnaubte Des verächtlich. "Ihr könnt euch doch nicht nur auf Gerüchte oder reines Hörensagen verlassen. Vielleicht machen die Jungs auch nur ein Riesenelefanten aus diese ganzen Sache um euch abzuschrecken, schon mal daran gedacht?"
Nun schauten ihn Brian und Shaw groß an.
"Des hat recht", stimmte Brian zu. "Wir sollten versuchen ihre Ruderkünste selbst in Augenschein zu nehmen, bevor wir uns auf eine Strategie festlegen."
"Sicher werden sie aufpassen, dass keiner vom Maddox Boot in der Nähe ist, wenn sie trainieren." Desmond entfernte gelangweilt ein paar Fussel von seinem Pullunder, während Shaw versuchte zu durchschauen, worauf der Blonde hinaus wollte. Musste Des denn immer alles unnötig verkomplizieren? Genervt brummte er: "Natürlich wollen sie keinen von uns dabei haben. Was soll das Ganze?"
"Sie würden aber sicher keinen Verdacht schöpfen, wenn es einer von der Archer Gruppe wäre, oder?" Die Fussel auf Des Pullover waren definitiv alle abgezupft.
Brians Stimme war voller Unglauben, als er nachfragte. "Wir sollen einen von Archer zum Spionieren bringen?"
Des hob genüsslich die Schultern. "Das, oder ihr könntet einfach mal ein paar Leute fragen..."
Jedem Maddoxler sollte eigentlich klar sein, dass das ein Ding der Unmöglichkeit war. Ein Maddox der einen Archer aushorchte und ein Archer, der antwortete, eher würde die Queen eine Geschlechtsumwandlung über sich ergehen lassen. Na gut, in dem Klassen unterhielt man sich mal über den Stoff, aber niemals über Gruppenbelange...
"Das Boot ist der Stolz der Archers - da würde niemand etwas verraten", mäkelte Brian.
In Shaws müdem Gehirn begann es zu arbeiten, was selten ein gutes Ende hatte. Er überdachte Brians Bemerkung und vor ihm erschien ein Gesicht, länglich, ein wenig traurig mit Sommersprossen und Taubenaugen. Henry March, ein Mittelstufenschüler aus Nottingham, der nicht auf dem Gelände wohnte. Aber er war gut befreundet mit einem der Archer-Ruderer und, Shaws Gesicht hellte sich auf, er war komplett gefesselt von einem gewissen unterkühlten Blondschopf mit grünen Augen.
Er hatte von einem seiner Theaterleute gehört, dass Henry nur wegen Desmond dem Debattierclub beigetreten war. Ebenso hatte er jedes von Desmonds Duellen im Fechten angesehen, sowie die Bogenschützenturniere. Nachdem er diese Information als 'nützlich' eingestuft hatte, war Shaw aufgefallen, dass besagter Henry tatsächlich so manch schmachtenden Blick in ihre Richtung, vor allem in die von Des, warf. Nicht, dass Henry der einzige Verehrer von Desmond gewesen wäre. Gerade seine Unnahbarkeit und seine herablassende Art schienen ihn für Anhimmeleien zu prädestinieren. Spontan fielen Shaw noch weitere vier Jungs ein, von denen er definitiv wusste, dass sie bereit waren, sich von Desmond benutzen zu lassen, aber nur Henry war in Archer.
Mit neuer Energie setzte Shaw sich auf. "Ich wüsste da vielleicht jemanden."
"Wen?", erkundigte sich Desmond, diesmal schien sogar er überrascht.
"Das verrate ich noch nicht, sondern erst, wenn ich mit ihm geredet habe. Habe ich dabei eure volle Unterstützung, Jungs?"
Seine Freunde sahen alle beide ein wenig skeptisch aus. So eine vage Aussage, gerade von Shaw, dem Chaoshirn schlechthin, konnte auf Ärger hinauslaufen.
"Was bedeutet 'volle Unterstützung' genau?", fragte Brian deshalb noch einmal scharf nach.
"Das bedeutet, ihr beide steht hinter mir und helft mir." Shaw lächelte zuckersüß und seine blauen Augen funkelten.
Nachdem Desmond ihn einige Minuten versonnen angesehen hatte, gähnte er zierlich. "Zumindest wird es nicht langweilig." Er stand auf, steckte seine Hände in die Taschen, so dass er wieder vollkommen desinteressiert wirkte. "Wir sehen uns nachher. Soll ich euch zum Essen abholen?"
Die anderen beiden nickten, doch schliefen, als Des an ihre Tür klopfte.
Mit einem schmalen Grinsen ging er alleine Essen. Er setzte ein freundliches Gesicht auf, um ein paar Sandwiches für seine Freunde zu ergattern. Natürlich schaffte er es, so dass Shaw und Brian später auf ihren Schreibtischen eine kleine Mahlzeit vorfanden, auch wenn von Desmond nichts mehr zu sehen war.

Der Plan, einen Spion bei den Archer zu gewinnen, nahm Shaws Aufmerksamkeit so in Anspruch, dass er mehr als erstaunt war, als James O'Hara in seinen Unterrichtsraum kam und sagte: "Unten wartet ein Mädchen auf dich, Perryman."
Alle anderen Schüler im Raum begannen zu wispern, während Shaw schluckte, einen Dank murmelte und schnell in die Vorhalle eilte. Tatsächlich wartete dort das rothaarige Mädchen. Sie trug ihre Schuluniform, den dunkelblauen Faltenrock, die weiße Bluse und die Strickjacke um die Hüfte gebunden, aber ihre leuchtenden Haare unterschieden sie von den anderen Schülern so sehr, dass sie geradezu wie ein Lichtpunkt wirkte. In seinem Kopf verwirrten sich Höflichkeit, Fragen und Verwunderung so sehr, dass er nicht mehr wusste, wie er sie ansprechen sollte.
"Hallo Shaw", begrüßte sie ihn und nahm ihm damit die Entscheidung ab.
"Äh... Hi Quinn." Er räusperte sich schnell.
"Ich dachte schon, du wolltest unseren Termin mit deinem Direktor verpassen!" Sie lachte leise, was Shaw nicht verstand. Er fand das alles gar nicht so lustig.
"Termin?", fragte er verdattert.
"Ja, gleich in einer halben Stunde. Hast du es etwa vergessen?"
Shaw sah sie verblüfft an. "Ich wusste nichts von einem Termin heute." In seinem Kopf hörte er plötzlich Desmonds Stimme. 'Hicks wird sicher zustimmen, also um den würde ich mir weniger Sorgen als um Barnes machen'.Sicher war es Barnes, der ihm den Termin nicht mitgeteilt hatte. "Scheiße!", murmelte er, dann sah er Quinn an.
"Ich glaube, da ist irgendetwas im Bogen gelaufen. Ich müsste mal eben meinem Lehrer Bescheid geben, dass ich zu Hicks gehe."
Quinn schien sich zu freuen. "Ich komme mit! Dann kann ich endlich mal das berühmte Harris von innen sehen."
Shaw erstarrte. "Was?"
"Ich begleite dich. Nun geh schon, sonst kommen wir noch zu spät."
Shaws klappte seinen Mund wieder zu und drehte sich um. "Okay, aber versuche nicht zuviel Aufmerksamkeit zu erregen."
Quinn lachte. "Ich wollte immer schon mal an einem Ort sein, wo lauter Jungs sind." Dazu konnte Shaw nur die Augen verdrehen.

Sie lief knapp hinter ihm, Köpfe drehten sich, um ihr hinterher zu schauen, wohin sie auch gingen. Schließlich waren sie vor den Musikräumen angekommen, wo Shaw nach seinem Musiklehrer Ausschau hielt. Statt des Deutschen entdeckte er Desmond am Klavier, der ihm einen fragenden Blick schenkte.
"Des, wo ist Wollschläger?", fragte Shaw, doch sein Freund hob nur die Schultern, doch erhob sich vom Klavierhocker, um sich die weibliche Begleitung anzusehen. Und nicht nur er, sondern auch die anderen Jungs im Raum näherten sich neugierig Shaw und Quinn, die anscheinend die Aufmerksamkeit von fast dreißig jungen Männern genoss. Schnell stellte er Quinn allen vor, dabei merkte er, das Desmonds Blick auf die Rothaarige nicht gerade freundlich war, eher als ob er ihre Haut mit den Augen abziehen wollte.
"Soll ich Wolli etwas ausrichten?", fragte Des betont neutral.
"Ühm, ja. Dass ich zu Hicks musste und dass ich das Intro nachher vorspielen werde."
"Verstanden."
"Danke Des! Du bist klasse."
Wieder hob Des seine mageren Schultern und erntete ein dankbares, warmes Lächeln, bevor Shaw wieder hinauslief.
"Auf zu Hicks", rief er dem Mädchen zu, das grinsend hinter ihm her eilte.
Vor dem Büro seines Direktors hielt Shaw ein und wartete, dass er und seine Begleitung ein wenig zu Atem kommen konnten.
"Hicks ist ganz in Ordnung", erklärte er noch atemlos. "Wir können ihn sicher überzeugen. Leider habe ich überhaupt nichts vorbereitet, weil mein Lehrer mir diesen Termin nicht genannt hat."
"Der war sauer auf dich, was?"
Shaw nickte nur.
"Keine Sorge." Quinn lächelte, so dass Shaw ihre hübschen Grübchen und ebenmäßigen Zähne sehen könnte. Er starrte sie an, als könnte er die Worte von ihren Lippen in etwas sichtbares verwandeln. /Verdammt, die ist hübsch!/, schoss es ihm durch den Kopf, was ihn sehr verwirrte. Hatte er nicht seinen Freunden gesagt, dass sie nicht sein Typ wäre? Sein Typ war anders - blonder, graziöser, natürlicher...was auch immer. Dennoch war sein Mund trocken und er musste sich die Lippen kurz befeuchten, bevor er an die Tür klopfte.

Hicks bat sie herein und lächelte freundlich. "Wie ich höre, Mr. Perryman, haben Sie bereits mit Ihrer Theateraufführung für Aufregung gesorgt."
Diese Begrüßung brachte ein gequältes Grinsen auf Shaws Gesicht. "Es tut mir Leid, Sir", sagte er zerknirscht.
"Eigentlich ist es meine Schuld, Sir", warf Quinn leise ein. "Ein anderes Stück zu spielen, war mein Vorschlag."
Hicks studierte die betretenen Gesichter der beiden jungen Leute und begann herzhaft zu lachen. "Gute Güte, sie sehen aus, als hätten sie etwas angestellt. ES geht doch nur um ein Theaterstück, oder nicht?"
Shaw räusperte sich, bevor er murmelte: "Mr Barnes hat das etwas anders gesehen, fürchte ich."
Wieder hallte das warme Lachen durch das gemütliche Zimmer. "Er kann den Sommernachtstraum im Schlaf sprechen. Außerdem hat er einmal den Puck auf einer Londoner Bühne gegeben und seitdem ist er wohl ein wenig fixiert auf dieses Stück. Machen sie sich keine Sorgen um Mr Barnes, er wird schon damit klarkommen. An welches Stück haben sie denn gedacht, Ms..."
"Yolen", ergänzte Quinn schnell. "Meine Gruppe und ich wir dachten an Was ihr wollt, Sir. Wir haben auch schon ein Vorfassung des Drehbuchs fertig, die ich für Sie und Mr Perryman mitgebracht habe." Sie kramte in ihrer Schultasche herum, zog zwei Ordner heraus und reichte sie weiter. Verwirrt starrte Shaw auf den Titel, der mit sauberer Handschrift darauf gekritzelt war.
"Was ihr wollt?", fragte Mr Hicks.
"Ja, es schien uns ideal. Immerhin ist das hier eine Jungenschule, so dass man sich als Junge verkleiden müsste, wenn man an die Lehrangebote des Harris heranwollte. Zudem ist es ebenfalls eine Komödie und es ist Shakespeare. Wir wollten nicht mit allen Traditionen brechen, verstehen Sie?"
Hicks schmunzelte amüsiert. Das Mädchen gefiel ihm, zudem hatte sie anscheinend genug Schneid, dem Maddox-Gruppenleiter Paroli zu bieten, was ideal für eine fruchtbare Zusammenarbeit war. "Es gefällt mir und Sie haben meine Erlaubnis. Bitte berichten Sie mir Zwischendurch über Ihre Fortschritte, Mr Perryman. Und nun an die Arbeit."
"Ja, Sir", murmelte Shaw, überwältigt von der Abfolge der Ereignisse.

Als sie vor der Tür waren, donnerte er los. "Du hast ein Drehbuch geschrieben?!"
Quinn hob die Schultern. "Warum nicht?"
"Ich hatte keine Ahnung!" maulte Shaw und ließ seine blauen Augen funkeln.
"Du hast mich nicht angerufen", stellte Quinn ruhig richtig, was wahr war.
"Okay, ich werde es lesen und dich dann anrufen. Unsere Theatergruppe trifft sich Dienstags, Mittwochs und Sonntags zum Proben, da sollte eure Gruppe dieses Mal besser mit dabei sein."
"Sonntags?" Nun war es an Quinn geschockt zu sein.
"Ja, da haben wir die meiste Zeit, auch wenn da abends häufig Konzerte sind."
Fragend blickte Quinn ihn an.
"Ich bin auch noch im Orchester und im Chor", erklärte Shaw mit einem Schulterheben.
"Gibt es irgendetwas, was du nicht machst?" Quinn wahr wirklich beeindruckt, sie verbarg es nicht.
"Viele Dinge!" Shaw lachte und sah sich um. "Das ist hier am Harris so. Die Nachmittage sind hier sonst sehr langweilig." Er blickte auf den Ordner in seiner Hand und legte den Kopf schräg. "Ich lad' dich auf einen Tee in der Cafeteria ein und du erzählst mir schon mal, was an deinem Drehbuch anders ist, als am Originalstück, was hältst du davon?" Shaw hoffte, dass sie zusagen würde, denn er wollte lieber gleich wissen, woran er war.
"Klar", stimmte sie zu, sehr zu seiner Zufriedenheit. Er grinste sie dankbar an, zog die Augenbrauen hoch und ließ seinen gesamten Charme spielen. "Dann lass uns gehen!"

In der Cafeteria erregten sie genauso viel Aufmerksamkeit wie auf den Fluren des Hauptgebäudes. Kaum ein Mädchen kam je hierher, höchstens Mütter und selten eine Schwester der Schüler. Nachdem Shaw für sie beide einen Tee und ein paar Muffins besorgt hatte, setzte er sich neben Quinn und schaute sie erwartungsvoll an. "Nun, was ist an deinem Drehbuch so besonders?"
Mit einem tiefen Atemzug begann Quinn zu erklären: "Wir haben die Handlung nicht in zwei verfeindeten Ländern, sondern in zwei Firmen angesiedelt, deren Chefs Orsino und Olivia sind, die jeweiligen Diener gehören zur Belegschaft. Viola versucht ihren Bruder in der Firma Orsinos zu finden, aber muss sich als Mann verkleiden. Daher dachten wir an moderne Geschäftskleidung, was meinst du?"
Shaw nippte abwesend an seinem Tee. "Zumindest ist es noch weiter von der Harris Tradition entfernt, als nur ein anderes Shakespeare Stück zu spielen...", dachte er laut.
"Das stimmt zwar, aber es könnte gut werden, glaubst du nicht?" Sie war so begeistert, dass sie fast glühte. Shaw wog alles ab: Seinen seltsamen Lehrer, die Eltern, das Publikum und dann seine zukünftige Lebensplanung. Doch ein langgezogenes "Äääähm...", war alles, was er äußerte, bevor eine Stimme ihm die Antwort erst einmal ersparte.
"Shaw?" Es war Brian, der mit einem wissenden Grinsen zu seinem Tisch kam. Als er angekommen war, reichte er Quinn die Hand und stellte sich vor. "Ich bin Brian McTierney, wohne bei Shaw mit im Zimmer. Mit wem habe ich das Vergnügen?" Shaw seufzte. Ja, auch Brian hatte Ahnung, wie man charmant sein konnte.
"Ich bin Quinn Yolen." Sie lächelte angetan, dabei blickte sie Brians warmen Augen. Auch Brian gefiel ihr. In einer reinen Jungenschule zu sein, war ein bisschen so, als hätte man die freie Auswahl in einem Preisausschreiben.
"Ah, die Theaterlady", stellte Brian fest, während er Shaw anzüglich angrinste. "Die junge Dame, die nicht Shaws Typ ist."
"Bri!", protestierte Shaw und Quinn lachte. "Dann weiß ich wenigstens Bescheid."
"Worüber redet ihr?", erkundigte Brian, dabei ignorierte er Shaws vorwurfsvolles Gesicht.
Quinn erklärte es ihm kurz und Brian gefiel die neue Interpretation sehr. "Das gäbe sicher auch einen netten Artikel in der Schülerzeitung. Wie bist du auf die Idee gekommen?"
"Einfach durch die Tatsache, dass Männer beruflich und in der Politik immer noch mehr erreichen können als Frauen." Quinn hob die Schultern, während die beiden jungen Männer sie betreten ansahen.
"Ist das hier ne Beerdigung, oder warum seht ihr aus, als ob eure Omas gestorben wären?" mischte sich Des ein, der sein Tablett mit einem absichtlichen Klirren neben Brians abstellte. Er begutachtete das Mädchen in ihrer trauten Dreisamkeit noch einmal mit einem kalten, scharfen Blick. "Ich weiß wer du bist, ich bin Desmond Doyle Stainthorpe-Pickering, Shaws anderer. Wie war es bei Hicks?"
"Er hat grünes Licht gegeben, wir spielen 'Was ihr wollt' ", sagte Shaw, dann klaute er sich einen der Äpfel von Des' Tablett.
"Gut, nun solltest Mrs. Foster an deine Seite bekommen und Barnes abschieben. Es könnte sogar sein, dass ich mir dieses Jahr das Theaterstück freiwillig ansehe, wenn du das schaffst." Desmond kreuzte seine Arme vor der Brust und blickte seinen ältesten Freund herausfordernd mit grün blitzenden Augen an. Die Jahre zuvor hatte Shaw ihn immer mit Mints oder anderen Dingen erpressen müssen, damit er dem Schauspiel beiwohnte. Dabei brauchte Shaw seinen Freund, denn Des war sein härtester, aber auch gerechtester Kritiker.
"Das wäre ja mal was, Mr. Schlechte-Laune persönlich geht freiwillig zu einer Liebeskomödie". scherzte Brian, einer der wenigen, der es wagen durfte, Desmond auf den Arm zu nehmen. "Vielleicht vollbringst du ja noch mehr Wunder, Quinn."
Quinn, welche die Neckereien zwischen den Dreien mit einem kleinen Schmunzeln verfolgt hatte, errötete. Doch Des ließ sich nichts anmerken, sondern trank würdevoll von seinem Tee. Brian lachte und schubste Des freundschaftlich.
Danach erklärte ihr Brian, wie er sich eine Artikelserie über das Theaterstück vorstellen konnte, Shaw moserte, dass er noch nicht einmal hundertprozentig wusste, ob sie 'Was ihr wollt' spielen würden und Des schwieg die meiste Zeit.
Um eins piepte Desmonds Armbanduhr. "Wir müssen zum Fechten, Brian", erinnerte er kühl und erhob sich. Mit einer winzigen Verbeugung in Richtung Quinn verabschiedete er sich.
"Verdammt, stimmt ja! Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder, Quinn", sagte Brian, winkte ihr kurz zu und hastete hinterher. Shaw runzelte seine Stirn, wenn die beiden Fechten hatten, dann war für ihn ja Zeit für...
"Die Orchesterprobe!", rief er und sprang auf. "Tut mir leid, Quinn, aber ich muss mich beeilen."
Sie lächelte. "Du versetzt gerade deinen Lehrer, oder?" Das entlockte Shaw ein gequältes Stöhnen. Gerade mit Wolli wollte er es sich eigentlich nicht verderben, denn er mochte den Deutschen.
"Leider hast du Recht, verdammt! Ich hätte gern noch weiter über das Stück geredet."
"Macht nichts, vielleicht bringt dich das dazu, mich anzurufen."
"Werde ich, versprochen." Shaw sah zu seiner Uhr. Die Zeit lief ihm davon.
"Lauf schon, ich finde allein zum Bus", lachte Quinn. Shaw folgte ihrem Rat mit einem kurzen "Danke und bis dann!"
Wolli war etwas angesäuert, als Shaw endlich an den Musikräumen auftauchte, keuchend und mit zur Schau gestelltem, schlechtem Gewissen. "Wurde aber auch Zeit, Perryman, Nun zeigen Sie mir Ihr Cello Solo, aber hopp!"
"Ja, Sir", murmelte Shaw gehorsam, setzte sich und begann sein Cello zu stimmen, während in seinem Kopf Quinn noch einmal lächelte.

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