So ein Theater! - Kapitel 7
Morgendliche Reue und späte Erkenntnisse
Die Nacht brachte Shaw kaum Schlaf, so dass er morgens wie betrunken in die Dusche und danach zum Frühstück torkelte. Als er sich umsah, erkannte er, dass Brian ebenfalls allein saß und müde seinen Tee schlürfte, aber von Des keine Spur. Unsicher starte er auf seinen Freund, dabei war er sich ziemlich sicher, dass er kein Recht hatte, sich neben Brian zu setzen, so wie er es sonst immer tat.
Etwas deprimiert setzte er sich an einen Tisch, an dem andere Maddoxler saßen und konzentrierte sich auf das Frühstück. Um ihn herum gingen die morgendlichen Gespräche weiter. Ein Thema riss ihn aus seiner Lethargie.
"Habt ihr gehört? Ein Archer soll tatsächlich ein Date mit Deedee haben."
"Was?! Mit dem Eiszapfen?"
"Bist du dir sicher, dass es ein Archer ist?"
Die drei wandten sich an Shaw. "Stimmt das?"
"Hm." Shaw zog sie Schultern hoch und wünschte sich weit weg. Seine Augen verließen nie den Inhalt seines Teebechers.
"Es stimmt also?! Wow."
"Ihr solltet besser für die Prüfungen lernen, als euch um solchen Kleinigkeiten zu kümmern", hörte Shaw sich selbst sagen und konnte nicht fassen, dass so etwas aus seinem Mund kam. Vor den staunenden Augen der anderen Maddoxler nahm er sein Tablett und verließ den Tisch. Der Appetit war ihm vergangen, als er dann aber im Unterricht saß, begann sich sein Magen zu melden. Hungrig, verschlafen und mit schlechtem Gewissen lümmelte er sich auf seinem Stuhl, während die Schulstunden kein Ende zu nehmen schienen. Immer wieder wanderten seine Gedanken zu Brian und wie verletzt der Schotte gewesen war. Er mochte es nicht, ohne Brian schlafen zu müssen. Er mochte es ebenso wenig, nicht mit Des und Bri frühstücken zu können. Kurzum, er fühlte sich mies ohne seine Freunde.
Dazu kam auch noch, dass nicht nur die Maddoxler, sondern auch der Rest des Harris anscheinend Wind von diesem spektakulären Archer/Maddox Date bekommen hatten und überall wurden Vermutungen angestellt, wer die beiden Jungs waren, die da Romeo und Julia spielten. Immer wieder kamen Neugierige zu Shaw und fragten ihn, ob er genaueres über die Identität der Turteltauben wüsste, aber er scheuchte alle mit einem tiefen Grollen davon.
Zumindest während der Mittagspause hielten die anderen Schüler einen respektvollen Abstand zu ihm, aber er fühlte sich entsetzlich allein. Trotz der Einsamkeit stopfte er die Lasagne in sich hinein, da er ja morgens das Frühstück ausgelassen hatte.
Nach dem Nachmittagskursen stapfte er verdrossen zum Theater, denn seine Gruppe traf sich ja auch Dienstags. Er konnte nicht fassen, dass Des nun wirklich ausgehen mit diesem Jungen würde und dass deshalb sein gesamtes Leben nun ein Trümmerhaufen war.
/Verdammt, es ist doch nur ein bescheuertes Date! Und ich bezahl auch noch dafür. Fein Essen gehen und nen Film ansehen ist doch nun wirklich nichts Schlimmes./ Aber Brian meinte da etwas anderes. Aber, seit wann war Brian denn der große Desmond-Versteher? Immerhin kannte Shaw Des schon seit fast sieben Jahren und damit um einiges besser, als Bri.
Was war nur mit den beiden los? Sonst waren sie doch auch für jeden Blödsinn zu haben.
Shaw war so vertieft in seine Gedanken, dass er nicht bemerkte, wie eine Gestalt sich zu ihm gesellte und ihn anstuppste. "Hey!"
Aus seinen Gedanken auffahrend, blickte Shaw sich um. "Quinn?"
"Höchstpersönlich. Vielen Dank für die Blumen und den Brief. Ich habe lange darüber nachgedacht, weißt du..." Sie legte den Kopf schief. "Du hast recht, als Regisseur musstest du ein Entscheidung treffen, die nicht von deinen persönlichen Gefühlen beeinträchtigt wurde. Nun, vielleicht kann ich ja eine andere Aufgabe in der Gruppe übernehmen?"
Die ganze Zeit hatte Shaw sie fassungslos angesehen, doch nun begann er zu grinsen. Brians Brief und die Blumen hatten gewirkt. Ein Hoch auf seinen Freund... Falls er denn noch sein Freund war. Ein weiterer Stich fuhr durch seinen Unterbauch. Er sah Quinn leidend an. "Sicher! Du hast das Drehbuch geschrieben, das war klasse, und ich wäre froh, wenn du mich weiter unterstützt."
"Und warum siehst du dann aus, als hätte dir jemand Rohreiniger in den Tee geschüttet?"
Shaw wich einen Schritt zurück und schaute sie hilflos an. Normalerweise waren Brian und Des für seine Problem die Löser und die Hörer seiner Bekümmernisse, nun aber waren sie die Ursache. Er seufzte und senkte den Kopf. "Ich denke, ich habe Schieße gebaut", gab er schließlich zu und erzählte Quinn in knappen Worten ,was passiert war.
Das erste, was sie dazu sagte, war: "Du bist ein echtes Arschloch."
"Warum sagt das jeder?", nölte Shaw.
"Weil es wahr ist, so wie du verhalten sich nur egozentrische Arschlöcher." Quinn wirkte zwar erbost, aber wenigstens versuchte sie nicht, Shaw zu erwürgen, wie Brian es getan hatte.
"Okay. Und jetzt?"
"Machst du dir keine Sorgen um Desmond?", fragte Quinn zuckersüß.
"Warum sollte ich? Er kann prima auf sich selbst aufpassen."
"Immerhin muss er ein Date abliefern, das er nicht will. Und vielleicht will sein 'Kunde' ja mehr als nur Konversation." Der verwirrte Blick von Shaw reichte ihr für weitere Erklärungen. "Ich meine, das Wort Date lässt ja auf etwas schließen, das mit Körperkontakt und Sex zu tun hat."
"Das stand aber nicht im Vertrag", wehrte sich Shaw. "Da stand nur Kino und Essen."
"Das ist der bezahlte Teil, aber die anderen Sachen könnten ja im Service inbegriffen sein. Zumindest, ich würde irgendetwas in der Art erwarten, wenn ich schon ein Date kaufe."
In Shaws Kopf wollte die Vorstellung von Des und Henry und Sex nicht so recht zusammenpassen. "Wirklich?"
Quinn nickte "Hm-hm! Wozu sonst sollte man sonst die eigene Mannschaft verraten, wenn nicht etwas wirklich exklusives dabei herausspringt?"
Sehr wahr. Und wenn Des nicht nachgab, konnte Henry ja immer noch damit drohen, die ganze Sache auffliegen lassen. Shaw vergrub sein Gesicht in den Händen und seufzte. Er musste versuchen, dieses Date unter Krontrolle zu bringen. Nur - es war Probe. Die erste Probe mit den Schauspielern und da konnte er als Regisseur ja kaum einfach abhauen und seinem blonden Freund nachjagen. Er musterte Quinn, lange und gründlich. Er versuchte, ihre charmanten Grübchen und das eigenwillige Kinn zu ignorieren, aber es gelang ihm nicht. Schließlich schluckte er einmal und grinste sie schüchtern an. "Wie wäre es, wenn du die Co-Regisseurin wirst? Du kennst das Drehbuch, weißt, wie wir es geplant haben und hast ein gutes Gespür für Rhythmus und Textfluss."
Das ließ Quinn den Atem anhalten. "Wa-Was?!"
Shaw ließ ihr keine Zeit, ihr Gestammel fortzusetzen. Er ergriff ihre Hand und zog sie in das Theater, wo der Rest der Gruppe schon auf sie wartete und sie deshalb neugierig ansah.
Shaw grinste und verkündete: "Hört mal. Ab heute teilt Quinn mit mir die Regie. Sie wird heute die ersten Proben abnehmen und mir berichten."
Die überraschten und schockierten Ausrufe wiegelte er mit einer erhobenen Hand ab. "Dieses hier ja ein Gemeinschaftsprojekt der St Anthony Schule und des Harris College, oder nicht? Jetzt ist es das."
Die Mitglieder der Gruppe murrten, aber beruhigten sich wieder.
Shaw wandte sich an Quinn und blickte ernst in ihre Augen. "Ich bin überzeugt, dass du das schaffst, okay?" Immer noch reichlich baff, stimmte das Mädchen stumm zu.
Das reichte Shaw und er winkte in die Runde, bevor er das Theater wieder verließ. Mit langen Schritten kehrte er zum Byron Haus zurück, wo er in Desmonds Zimmer stürmte.
Eigentlich hatte er es schon erwartet, aber er war schon deprimiert, dass Des nicht dort war. Allerdings war Mikola mal wieder dort und schrieb in einem Heft. Er sah Shaw eher mitleidig an.
"Ich dachte mir schon, dass du es bist, Shaw." Er wirkte amüsiert. "Weder Desmond noch Brian sind hier."
Brian? wunderte sich Shaw. "Hast du ne Ahnung, wohin Des gegangen ist? Hat er irgendetwas gesagt?"
"Er hat sich umgezogen und wollte in die Stadt. Man, sah der cool aus, gar nicht so nach seinem üblichen Stil."
"Hn?"
Mikola hob die Schultern. "Wohin er geht, solltest du doch viel besser wissen."
Fieberhaft durchforstete Shaw sein Gehirn nach Orten, an die Des gerne ging. Das war ein Oxymoron, denn es gab keinen Ort, wo Des gern hinging, er hasste alles.
Plötzlich fiel ihm ein Pub ein, wo Brian ihn und Des einmal hingeschleppt hatte. "Ein netter Ort für ein Date", hatte der Schotte erklärt und es war wahr gewesen. Gute Küche und kleine, abgeschlossene Sitzecken. Wie hatte der noch geheißen? Horse&Broom? Horse&Arms, erinnerte er sich. Erfreut beschloss er, dort zuerst zu suchen.
Bevor er gehen konnte, hielt ihn Mikola noch mit einer Frage zurück. "Sag mal, haben Brian und du sich wieder versöhnt? Oder schläft er heute Nacht wieder hier."
Das war ein weiterer Schock. "Ich...ich weiß es nicht", stotterte Shaw überrascht und flüchtete.
Brian hatte bei den beiden geschlafen? Und wo? Auf dem Boden? Wohl kaum. Blieb eigentlich nur Des' Bett. Der Gedanke gefiel Shaw nicht, absolut nicht. Früher, als er noch Desmonds Zimmergenosse gewesen war, hatten sie manchmal das Bett geteilt, wenn die Einsamkeit sogar unter Shaws Decke gekrochen kam. Klar und deutlich erinnerte er sich an den zierlichen, warmen Körper und an Des frischen Duft, immer ein wenig wie Minze. Das war sein Platz, sein Reich, Brian hatte dort nichts zu suchen.
Er schüttelte diesen Gedanken ab und zog sich schnell um, weil es verboten war, in Schuluniform Gaststätten zu betreten. Er schmiss sich in Jeans und einen Pullover, dazu zog er seine Lederjacke an und hastete zum Bus. Vage erinnerte er sich daran, wo das Horse&Arms war, aber er hatte sein Handy dabei und ließ sich die Adresse geben.
Als er den Bus verließ, ging die Sonne bereits unter und der Pub wirkte anheimelnd. Durch die Scheibe konnte er nichts erkennen, aber als er eintrat, entdeckte er an einem der hintersten Tische, sehr versteckt, den hellen blonden Schopf von seinem Freund. Des saß mit dem Rücken zu ihm und war leicht vorgebeugt. Shaw wuselte außer Sicht, doch eigentlich brauchte er sich nicht zu bemühen. Henry bemerkte nichts von dem, was um ihn herum geschah, er war vollkommen auf Desmond konzentriert, wie Shaw nach einem zweiten Blick feststellte. Also kaufte sich Shaw einen Cider, mit dem er sich an einen Tisch setzte, von dem aus er die beiden beobachten konnte, aber nicht so sehr auffiel.
Erstaunlicherweise erschien das Date nicht so gekünstelt, wie Shaw es erhofft hatte. Desmond schien Henry wunderbar zu unterhalten, denn der Junge lachte unbeschwert und war fasziniert von seinem Gesprächspartner. Sicher, Desmond war intelligent, konnte interessant erzählen und dann war da noch ihr gemeinsamer Club, der sicher auch Thema war. Das Essen war bei diesem Treffen Nebensache, denn Henry weidete sich anscheinend lieber an seinem Gegenüber. Grimmig nahm Shaw einige Schlucke von seinem Cider und blickte sich um, weil er das Geturtel nicht mehr sehen wollte.
Während seine Augen schweiften, fiel ihm ein vertrautes Gesicht auf: Brian.
Auch er war Des gefolgt? Oder, hatte Des ihn gebeten zu kommen, als seelischer Beistand, sozusagen?
Shaws Neugier und schlechtes Gewissen kämpften miteinander. Allerdings nahm ihm der Zufall die Entscheidung ab, denn der Schotte entdeckte ihn und kam an seinen Tisch. "Was machst du denn hier?" Verachtung und unterdrückte Wut klangen immer noch in Brians Ton mit.
"Äh...na ja. Ich hab mir Sorgen um Des gemacht." Shaw wand sich innerlich aufgrund der kläglichen Antwort.
"Wow, zu solchen Gefühlen habe ich dich gar nicht mehr fähig gehalten."
Das traf Shaw tief. "Ich war ein Arschloch, ich weiß. Ich hoffe nur, du kannst mir verzeihen."
Brian zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben Shaw. "Nun, das klingt nachgeplappert. Verstehst du überhaupt, warum wir dich alle ein Arschloch nennen?"
Shaw starrte in seinen Cider, nachdenklich. "Weil ich... Des zu einem Date mit einem Archer gezwungen und dabei nicht an seine Gefühle gedacht habe?"
Brian rollte die Augen. "Nein, weil du nicht den geringsten Respekt vor deinen Freunden hast. Du weißt genau, dass Des alles für dich tun würde und nutzt das aus, anstatt ihm dafür zu danken. Du weißt, dass ich dir immer helfen würde und nimmst meine Hilfe einfach an, aber gibst keine zurück. Du respektierst weder mich, Des noch sonst einen, der Gefühle offenbart und sich damit verletzlich macht. March hast du auch einfach ausgenutzt."
"Er war der Schlüssel zum Archer Boot", erklärte Shaw noch einmal, empört.
"Kein Sieg ist es wert, dass man dafür vorher Leute emotional erniedrigt und seine Freunde vergrault. Außerdem tust du nie etwas für uns, sondern alles nur für Shaw Perryman." Brian verkreuzt seine Arme vor der Brust und wirkte unnahbar.
"Es tut mir wirklich leid, was ich alles getan habe. Ich vermisse euch und das nach nur ein paar Stunden. Bitte, verzeih mir. Ich bin bereit alles zu tun, um es wieder gut zu machen."
Das ließ Brian aufhorchen. "Alles?"
"Alles."
Nachdem Brian darüber etwas nachgedacht hatte, grinste er etwas hinterhältig, was eigentlich nicht zu seiner geduldigen, warmen Art passte. "Okay, ich gebe dir ne Bewährungsfrist, in der du dich ändern kannst. Und wenn ich dir etwas als Wiedergutmachung auftrage, musst du es erfüllen. Verstanden?"
"Egal was?" Bilder von Erniedrigung und Nacktheit schossen durch Shaws Kopf.
"Es wird schon nicht gegen die Genfer Konventionen verstoßen, keine Sorge. Es wird nicht schlimmer werden, als das, was du Des und March heute angetan hast."
Was ja in Brians Augen schon sehr unangenehm gewesen war, wie sich Shaw in Gedächtnis rief. "Oh, gut." Er räusperte sich. "Dann sind wir wieder Freunde?"
"Fürs erste schon, aber mein Vertrauen in dich ist ganz schon erschüttert, das musst du erst wieder aufbauen." Die Körperhaltung des Schotten wurde weniger unnahbar und er lehnte sich zu seinem Bewährungsfreund. "Was machst du eigentlich hier, hast du nicht Probe?"
Schnell fasste Shaw zusammen, wie er Quinn zu seiner Co-Regisseurin gemacht hatte und dann herausgefunden hatte, wo Des sein könnte. "So bin ich hier hergekommen. Die beiden sehen gar nicht so unglücklich aus..."
"Ne, wirklich nicht", stimmte Brian irgendwie müde zu.
"Und du? Was machst du hier?", erkundigte sich Shaw. Innerlich merkte er, wie das schwere Gefühl in seinem Unterbauch wieder etwas verschwand. Brian war der erste Schritt.
"Hm." War alles was der Schotte von sich gab, bevor er von seinem eigenen Guinness trank. Da Shaw die Freundschaft zwischen ihnen noch als wackelig wahrnahm, fragte er lieber nicht weiter nach. Statt dessen sah er auf seine Uhr und erkannte, dass es schon viertel nach Acht war.
"Ziemlich spät schon..." bemerkte er. "Fürs Kino wird es knapp."
Allerdings schienen ihre Studienobjekte nicht ans Aufbrechen zu denken, sondern unterhielten sich weiter angeregt. Brian und Shaw leerten jeder noch ein zweites Glas ihres Getränkes, bevor die Verabredeten zahlten und aufstanden,
"Verdammt - Des darf mich nicht sehen!" Shaw wurde panisch, doch Brian blieb ruhig. Er zog Shaw einfach hinter eine Gruppe von wild diskutierenden Fußballfans. Erleichtert atmete Shaw auf, hier würden sie sicher nicht auffallen. Durch fuchtelnde Arme und Biergläser hindurch, versuchten die beiden zu sehen, wie Des und Henry ihre Jacken holten. Shaw erkannte, dass Mikola recht gehabt hatte: Des sah gut aus. Er trug einen dunkelgrauen, enganliegenden Pullunder, darunter ein weißes Hemd, dass unten über den Hosenbund hing. Seine Hose war schwarz. Sein Outfit war lässig, klassisch und ließ seine hellen Haare und die blasse Haut leuchten. Statt der Brille trug er Kontaktlinsen. Brian hmpfte neben Shaw, als Henry Des' Hand ergriff und den Blonden hinauszog. Nach einigen Atemzügen Abstand, folgten sie ihnen.
Langsam wurde es abends frischer, so dass kleine Hauchwolken ihren Mündern entkamen, als sie den Turteltauben folgten. Anscheinend verzichteten die beiden aufs Kino, statt dessen spazierten sie herum, bis sie schließlich an der Bushaltestelle ankamen.
Brian und Shaw blieben verdeckt hinter einer Werbetafel, konnten aber alles hören, was gesagt wurde.
"Das war ein super Abend", bedankte sich Henry. "Ich habe nie geglaubt, dass ich wirklich mal mit dir ausgehen würde."
"Hör zu, Henry, lass dich nie wieder so unter Druck setzen, um an eine Verabredung zu kommen. Geh einfach hin und frag die Person deines Interesses, ob sie nicht ausgehen will."
"Du...du hättest niemals ja gesagt." Henry klang betrübt und jung.
"Das kann ich nun nicht mehr sagen, weil ich keine Chance hatte von dir gefragt zu werden. Ich wurde zu diesem Treffen gezwungen, also wird es niemals so sein, wie es hätte sein können."
Das Schweigen deutete an, dass Des einen Punkt getroffen hatte.
"Es hat mir gefallen mit dir auszugehen, Henry, trotz der unglücklichen Umstände."
"Dann können wir das wiederholen?"
"Ich glaube nicht."
"Ich mö-möchte dich aber wiedersehen." Henry klang den Tränen nahe. Shaw lehnte sich langsam vor, um zu sehen, was vor sich ging, doch Brian zog ihn zurück.
"Das tun wir doch, immer im Debattierclub."
"Da redest du nicht mit mir", schmollte Henry.
"Dann ändere ich das eben jetzt." Desmonds Stimme war freundlich und beruhigend, auch etwas, das Shaw selten zu hören bekam.
"Der Bus kommt gleich", erkannte Des und Henry wimmerte leise. "Ich will aber nicht, dass dieser Abend zu Ende geht."
"Ändern können wir es nicht. So, nun küss mich und beende das Date, wie es sich gehört."
Shaw und Brian zuckten beide zusammen.
"Di-dich kü-kü-küssen?" Vor lauter Aufregung überschlug sich Henrys Stimme, so dass sie mit einem Quietschen endete. Nun konnten Brian und Shaw sich beide nicht mehr zurückhalten, sie lehnten sich vor uns beobachteten, was vor sich ging.
Des nickte aufmunternd und nach einigem Räuspern presste Henry entschlossen seine Lippen gegen die seines Dates. Zuerst war es nur Lippenkontakt, aber Des öffnete vorsichtig seinen Mund und ermutigte den anderen Jungen, den Kuss zu vertiefen. Schließlich klammerte Henry sich an Des, leise seufzend, während der Kuss immer leidenschaftlicher wurde.
Durch Shaws gesamten Körper fuhr ein eiskalter Blitz und in seinem Kopf ertönte 'Des gehört mir! Kein anderer darf ihn anfassen!'. Er wagte es nicht einmal zu blinzeln, sondern quälte sich mit jeder Sekunde des Zungenduells. Der einfahrende Bus löste die beiden von einander.
"Ich muss jetzt gehen", erklärte Des, nachdem er seine Lippen von Henry gelöst hatte. Der Junge nickte betäubt. "Danke für alles", wisperte er dann und drückte einen letzten kleinen Schmatzer auf Des Lippen, bevor er weglief, anscheinend immer noch den Tränen nah.
Des betrat die geöffnete Tür des Busses, blieb aber stehen und sah über seine Schulter zurück zu dem Werbeplakat, hinter dem sich Shaw und Brian versteckt hatten.
"Ihr könnt jetzt herauskommen", erklärte er, "sonst verpasst ihr noch den Bus."
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