Zufalls-Zitat
"Will our kiss mean the end of this?"
"If you want it to."
Akira contemplated that a short second. "It would be a fitting end."
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So ein Theater! - Kapitel 9

Gefühlsverwirrungen

"Meine Herren, verhalten sich so Schüler des Harris?", fragte Raymond Hopkins die sechs Streithähne, die nun wesentlich ruhiger, aber sehr betreten, vor seinem Schreibtisch standen. "Und dazu noch Sie, Mr. Sproul und Mr. Perryman. Sie sind doch Gruppenleiter und damit die Vorbilder für andere Schüler. Fanden Sie Ihr Verhalten heute besonders vorbildlich?"
Alle schüttelten vorsichtig den Kopf, ihre Blicke weiter unbewegt auf die Oberfläche von Hopkins Schreibtisch gerichtet.
Mr. Hopkins seufzte. "Nun gut. Ich werde Mr. Darcy verständigen und dann können Sie uns die ganze Geschichte aus jedem Blickwinkel erklären."
Sein Blick fiel auf Clive Sproul. "Und keine Lügen, verstanden? Fast die gesamte Schule war Zeuge bei Ihrem Streit."
Nun, unter den Maddoxlern war es kein Geheimnis, dass Raymond Hopkins den Archer-Gruppenleiter nicht sonderlich mochte, vor allem, weil Sproul versucht hatte, ihn als Trainer für die Boote abzusägen. Immerhin hatte der Sproul erreicht, dass zumindest ein neuer Betreuer für Archer gefunden wurde. Danach hatten die anderen Boote immer sehr viel motivierter gegen Archer gerudert, was am Ende die Feindlichkeiten zwischen Maddox und Archer nur noch bestärkte.
Clive Sproul schnaubte verächtlich über die Randbemerkung des Lehrers, der schnell seinen Kollegen Darcy anrief und ihn bat, herüber zu kommen. Wieder kehrte dichtes Schweigen in den kleinen Raum ein, wobei Shaw bemerkte, das Brian neben ihm anscheinend nervös wurde. Der Schotte spielte unruhige mit seinen Fingern und atmete hörbar. Leider konnte Shaw sich nicht erkundigen, was seinen Freund so beunruhigte, aber er legte ihm tröstend eine Hand auf den Unterarm.

Die Tür öffnete sich und während Tyler Darcy eintrat, murmelte er: "Was gibt es denn dieses Mal, Raymond?" Allerdings verstummte er, als er die sechs Schüler erblickte. Seinen Lippen entkam ein Ächzen. "Schon wieder Archer/Maddox Scherereien?"
Raymond Hopkins nickte und hob die Schultern. "Ich weiß auch nicht, ob es am Essen oder den Hormonen liegt, Ty."
"Was ist passiert?"
"Als ich kam, wurde Stainthorpe-Pickering gerade von Henry March ein Kinnhaken verpasst."
Brian widersprach höflich. "So war es nicht, Sir. Der Schwinger galt eigentlich Mr. Sproul, doch Desmond hat etwas gegen Gewalt und..."
Darcy hob die Hand. "Moment mal! Henry, Sie haben versucht, Ihren eigenen Gruppenleiter zu schlagen?" Unglauben zeichnete sich deutlich auf dem Gesicht des Lehrers ab.
Verschämt nickte Henry. "Es tut mir Leid, Mr. Darcy."
"Warum?"
"Na ja, Clive hat Des als... er hat ihn beschimpft. Dabei war Des mir nur zur Hilfe gekommen."
Darcy und Hopkins wechselten verwunderte Blicke. Eigentlich hatten sie damit gerechnet, dass sie eine ähnliche Situation wie die vom Tag zuvor vorfinden würden- Archer gegen Maddox oder umgekehrt. Allerdings, diese Geschichte klang anders.
"Warum musste Ihnen Stainthorpe-Pickering helfen?", wunderte sich Hopkins laut.
"Weil er ein dreckiger Verräter ist, der seine Mitschüler für diesen Pickering preisgibt!", grollte Clive Sproul, dabei schoss seine Hand vor und packte Henry an der Krawatte, noch bevor einer ihn hindern konnte.
"Mr. Sproul! Benehmen Sie sich, oder ich muss heftigere Disziplinarmaßnahmen einleiten! Ich habe Sie gestern schon verwarnt", ermahnte Tyler Darcy scharf, was keiner der Maddoxler je von dem eher sensiblen Kunstlehrer erwartet hatten. Mit einem vernichtenden Blick ließ Sproul den jüngeren Henry los, der sich schnell zu Brian und Shaw flüchtete. Etwas unbehaglich trat Shaw einen Schritt zurück- immerhin hatte Henry am Abend zuvor Desmond geküsst und konnte immer noch den Vertrag mit dem Rendezvous erwähnen.
Tyler Darcy fuhr sich einmal erschöpft mit der Hand über das Gesicht, dann fixierte er Henry March. "Stimmt das?"
Shaw schluckte und machte sich darauf gefasst, dass die ganze Geschichte ans Licht kommen würde, während Henry erstarrte.
"Ich...ich...", begann er, dabei wurde er im Wechsel rot und wieder blass. Es klopfte an der Tür und Henry atmete auf, als alle Aufmerksamkeit auf den Neuankömmling gerichtet war.
"Herein!", rief Hopkins. Dann waren alle erstaunt, dass es Desmond war. Er hatte einen Eisbeutel, den er an seine Wange hielt und Blut war auf sein weißes Hemd getropft, dazu kam, dass er irgendwie knitterig aussah, ein Anblick, den sogar seine Freunde nicht gewöhnt waren. Shaw hörte, wie Brian und Henry beide "Des!", murmelten, allerdings so leise, dass es sonst keiner vernehmen konnte.
"Entschuldigen Sie, Mr. Hopkins", sagte Des, neutral.
"Was machen Sie denn hier?" Raymond Hopkins sprang auf und ergriff Desmonds Ellbogen. "Sie gehören ins Medizinische Zentrum."
"Die haben gesagt, ich könnte gehen." Des legte seinen Kopf schief, als ob das Eis sonst wegrutschen würde. "Überdies sollte ich ebenfalls für den Vorfall gerade stehen."
Seufzend nickte Hopkins, dabei wirkte er fast genauso erschöpft wie sein Kollege. Einen Haufen heranwachsender, hormongeladener Männer zu verständigen, intelligenten und kritischen Mitgliedern der Gesellschaft zu erzeihen, war wirklich harte Arbeit.
"Okay, Stainthorpe-Pickering, sie können bleiben", bestätigte Raymond Hopkins und Des gesellte sich zu seinen Freunden. Auf jeden Fall wollte Shaw nach Des Befinden fragen, aber die aufmerksamen Blicke der Lehrer hielten ihn davon ab.
"Nun, wir hatten gerade gehört, dass March Ihretwegen zum Verräter geworden ist. Was können Sie dazu sagen?", erkundigte sich Darcy, dabei wurde seine Stimme milder als gegenüber Sproul.
"Wir hatten ein Rendezvous, das ist wahr", gab Des frei zu. "Allerdings, das Thema Archer kam nicht zur Sprache. Dass die Gruppenzugehörigkeit bei einem gesellschaftlichen Beisammensein eine so große Rolle spielt, haben wir beide nicht bedacht."
Raymond Hopkins Augen fanden die seines Kollegen und in ihrem Blick vibrierte etwas wie liebevolle Nostalgie, so als würden sie sagen wollen: 'Hat sich seit unseren Zeiten ja kaum was geändert.'
"Das ist doch eine Lüge!", polterte Clive Sproul los. "Kein Archer, der etwas auf sich hält, trifft sich mit einem Maddoxler. Das weiß jeder, auch du March!"
"Nun lass March doch endlich in Ruhe", forderte Des erneut, dabei ignorierte er Lehrer und Mitschüler. "Wovor hast du soviel Angst? Dass deine Gruppe entehrt wird? Das tut allein dein jetziges Verhalten schon. Dass ihr im Rudern schlechter als Maddox abschneidet? Wenn ihr wirklich so gut trainiert seid, wie du behauptet hast, brauchst du nichts zu fürchten. Und wenn nicht, dann verliert Archer eben - es ist nicht dein Lebensende und auch nicht das Ende von Archer."
Auch wenn die Worte ruhig gesprochen waren, Clive Sproul gefielen sie nicht. Auch seine Kumpanen schienen nicht angetan von der Aussicht auf eine Ruderniederlage. Allerdings wagte keiner von ihnen wieder zugreiflich zu werden und somit einen Rausschmiss zu riskieren.
"Sehr weise Worte", lobte Tyler Darcy, woraufhin er von Desmond einen skeptischen Blick erntete. Er lächelte die drei Maddoxler und Henry freundlich an. "Sei dem wie es mag, aber Sie sind immer noch verletzt, Stainthorpe-Pickering."
Lakonisch hob Des die Schultern, als ob das alles eine Lappalie gewesen wäre. "March hat unüberlegt gehandelt. Allerdings erst, nachdem er vorher unnötig provoziert worden war und ich wollte eine Schlägerei verhindern."
"Tut mir wirklich leid", wisperte Henry noch einmal, dabei senkte er den Blick.
Hopkins verschränkte seine Arme vor der Brust und nickte leicht. " March, denken Sie in Zukunft nach, bevor sie handeln, verstanden? Und die anderen sollten sich auch noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass Gewalt keine Lösung für Ihre Konflikte ist. Mr. Darcy und ich werden noch einmal über Ihre Teilnahmen an Ruderwettbewerben nachdenken und Ihnen unsere Entscheidung mitteilen. Sie können gehen, meine Herren."
Shaw schluckte. Entscheidung?


Er trottete mit den anderen aus dem Büro, hörte noch, wie Sproul sie alle Vier laut beschimpfte, war aber nicht sicher, was genau der Archer sagte.
"Hey Shaw, das klingt verdammt danach, dass wir am Ruderwettbewerb nicht teilnehmen werden, was?", seufzte Brian, nachdem die Archer abgezogen waren.
"Und das ist alles meine Schuld", murmelte der Maddox-Gruppenleiter.
"Yep, das war eine wirkliche Meisterleistung - sogar für dich", bestätigte Des, der sich offensichtlich amüsierte, was Shaw dazu veranlasste, ihm einen bösen Blick zu schenken. Da bemerkten sie, dass Henry immer noch bei ihnen war und mit ihnen Schritt hielt.
"Tut mir leid, dass es so ein Chaos geworden ist", entschuldigte er sich.
"So bin ich immerhin in meinem letzten Jahr noch einmal in den Genuss der Erfahrung von körperlicher Gewalt gekommen", beruhigte ihn Des. "Und falls die Idioten dir wieder Schwierigkeiten machen, sag mir Bescheid. Ich bin mir sicher, mir fällt etwas ein, um ihnen das Leben zu erschweren..."
Auf Henrys vorher ziemlich niedergeschlagenem Gesicht breitete sich ein strahlendes Grinsen aus. "Ehrlich?"
"Ehrlich."
"Des, du bist wirklich cool." Damit umarmte Henry ihn einfach und küsste ihn auf die unverletzte Wange. "Ich hab dich gern."
Diese öffentliche Zuschaustellung von Zuneigung ließ Shaw und Brian einhalten, was Henry nicht einmal auffiel. Er ließ Des nur los, grinste den Maddoxler noch einmal glücklich an und lief dann winkend davon.
Nach einigen Augenblicken, in denen Des dem Jungen nachsah, drehte er sich zu seinen Freunden um. "Kommt ihr?"

Zusammen verließen die Drei das Hauptgebäude und traten hinaus in einen sonnigen Tag Anfang Oktober. Erleichtert atmete Shaw auf.
"Hast du nicht Theaterprobe?", fragte Brian leise.
"Ja, ich gehe gleich hin. Nach dieser Sache heute kommt mir das allerdings ein wenig komisch vor."
"Mehr als 'n Tag solltest du als Regisseur nicht abwesend sein", fand Brian. "Du kannst aber deinen Hauptdarstellern mitteilen, dass ich plane, sie für die Schülerzeitung zu interviewen."
"Werde ich. Deren Egos werden sicher auf Deckenhöhe anschwellen, vor allem das von dieser Melanie."
"Die, die du als Viola ausgewählt hast?"
"Ja. Stellt euch vor, sie meint wir hätten was am Laufen! Was für 'ne eingebildete Kuh."
Des und Brian lachten alle beide, dabei schmollte Shaw etwas. "Ich finde das gar nicht so lustig."
"Die Nachteile des Starregisseurrummels...", witzelte Brian.
"Außerdem hast du uns nie erzählt, warum genau du sie ausgewählt hast. Vielleicht hattet ihr vorher ein kleines Privatcasting auf der Besetzungscouch?", fragte Des spitz.
"Igitt! Ganz sicher nicht!", wehrte sich Shaw, dem ungeachtet grinste er. "Aber Bri hat recht, ich muss da auf jeden Fall heute auftauchen, sonst kann ich das Stück gleich abschreiben."
Seine Freunde nickten und Shaw spürte, wie er sich in ihrer Gegenwart das erste Mal wieder völlig entspannte. Als er seitwärts blickte, blieb sein Blick an Des geschwollener Wange hängen.
"Ich hätte nie erwartet, dass du dich für einen Archer so einsetzen würdest...", gab er zu.
"Archer, Maddox - pah! Dieses Gruppensystem ist doch wirklich archaisch!" Des schüttelte den Kopf und bereute es sofort. Er sog die Luft zwischen den Zähnen ein, ein Ausdruck des Schmerzes. "Es wird nur versucht, uns zu Gegnern und Konkurrenten zu machen. Kapitalismus und unser Gesellschaftssystem ist nun mal auf diesem Denken aufgebaut. Wäre Henry March ein Maddox, hättet ihr ihm auch beigestanden... Warum soll der Titel der Gruppe darüber entscheiden, ob wir einander helfen oder uns gegenseitig behindern?"
Nach ein paar Schritte, brummte Brian etwas zustimmendes. "Du hast recht, Des."
"Wann hatte ich mal nicht recht?", erkundigte der sich spitz, was seine Freunde zum Lachen brachte. Die Drei sahen auf, als sie eine Gruppe Mädchen ihnen auf dem Weg entgegenkommen sahen - es waren die St. Anthony Schülerinnen, die zur Probe ins Harris gekommen waren. Manche trugen Kleidersäcke , in denen wohl die Kostüme waren.
Unter ihnen war auch Quinn, die fröhlich winkte, aber einen erstaunten Laut ausstieß, als sie Des ansah. "Was ist passiert?!"
Des' Augen wurden erheblich kühler, bevor er antwortete: "Eine Faust stand mir im Weg."
Die Mädchen stießen Laute aus, die zum Teil entsetzt, zum anderen Teil aber durchaus anerkennend klangen, so als sähen sie eine Prügelei als besondere Feuerprobe.
"Hast du gewonnen?", fragte Melanie gespannt.
"Hm", machte Des und trat einfach einen Schritt zur Seite, ohne weiteren Kommentar.
"Anscheinend nicht", schloss Mel daraus, woraufhin die meisten Mädchen lachten.
"Eigentlich hat er gewonnen...zumindest von einem moralischen Standpunkt aus, außerdem war es keine Prügelei", grumpfte Shaw. "Vielleicht solltet ihr schon mal vorgehen und alles vorbereiten?"
Es war mehr als deutlich, dass er den Lachenden damit eine Warnung erteilte, woraufhin die Mädchen schnell und kommentarlos in Richtung Theater losgingen.
"Mach dir nichts aus denen...", sagte Shaw schließlich zu Des.
"Tu ich nicht."
"Die wissen nicht, was wirklich passiert ist."
"Ich weiß."
"Hm, okay. Ich werd' dann mal diesen Haufen dazu bringen, das Shakespeare Stück nicht völlig zu verhunzen." Shaw wollte sich abwenden um, als ihm einfiel, dass Mittwochsnachmittags ja auch Fechten war. "Auf keinen Fall kannst du heute zum Fechten gehen, Des", ermahnte er.
Brian gniggerte leise. "Keine Sorge, Shaw, ich lasse ihn nicht. Und wenn ich ihn an den Waschmaschinen im Wäschehaus anketten muss." Die riesigen Geräte wogen mehr als sie alle drei zusammen. Des schnaubte, aber um seine Lippen spielte ein feines Grinsen.
"Danke Bri!" Beruhigter konnte Shaw nun wirklich seinen Aufgaben als Regisseur nachgehen - vor allem wollte er dieser Melanie die Idee, dass sie beide irgendetwas anderes als zufällige Bekannte waren, austreiben.

Also suchte er Mel als erstes auf. Diese zog sich gerade um, als er an die Tür der Damenumkleide klopfte. "Melanie, ich bin es Shaw. Können wir kurz miteinander reden?"
"Kleinen Moment", flötete sie, was Shaw die Augen rollen ließ. Während er wartete, kamen andere Mitglieder des Theaterclubs vorbei, die ihn grüßten oder nur wissend grinsten.
Meine Fresse, wem hat Mel denn alles von uns einen vorgeschwärmt?, fragte sich Shaw, als sich endlich die Tür öffnete. Zu seinem eigenen Verdruss musste er zugeben, dass Melanie in dem Anzug wirklich sehr ansprechend und vorteilhaft aussah. Daher begann er mit einem nicht sehr eloquenten: "Ähm, ja, ühm..."
"Was gibt es denn?" Melanie schenkte ihm einen intensiv aufreizenden Blick, der Shaw schnell zurückweichen ließ und ihm die Sprache zurückgab.
"Es geht um folgendes", begann er, dabei fischte er noch nach dem richtigen Ton - nicht zu hart und dennoch unnachgiebig. "Du bist eine Darstellerin, der ich eine Hauptrolle gegeben habe und ich bin ein Regisseur - mehr ist da nicht zwischen uns."
"Aber...du hast mich doch geküsst!"
"Hä?! Soweit ich mich erinnere, warst du das doch, die mich einfach so geküsst hat!" Missmutig kreuzte Shaw seine Arme vor der Brust. Die ganze Situation missfiel ihm und Melanie stieg nicht gerade in seiner Achtung, als sie begann zu schmollen.
"Alles was ich von dir möchte ist, dass du die Rolle vernünftig spielst, sonst nichts. Dieses Stück kann gut werden und damit auch ein wichtiger Punkt in deinem Lebenslauf, falls du einmal Schauspielerin werden möchtest."
"Du bist ein wirklicher Idiot!", schimpfte Melanie ohne jeglichen Bezug zum dem, was Shaw versucht hatte zu erklären. "Dann spiele ich halt die doofe Viola, aber nur wenn du Regie führst und nicht Quinn."
Shaw glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. "Was? Wenn du sie so doof findest, warum hast du dich dann für die Rolle beworben?"
Mit tränenerfüllten Augen schnaubte Melanie und stapfte ohne ein weiteres Wort davon. Verdattert blickte Shaw seiner Hauptdarstellerin hinterher. Da hörte er ein Kichern hinter sich. Er fuhr herum und erkannte Meg, die ja auf Mädchen stand. Sie grinste ihn an. "Typisch Kerl, versteht mal wieder gar nichts."
Erst wurde Shaw wütend, dann aber dachte er an die letzten Wochen und all seine Fehler. Dementsprechend seufzte er nur und hob die Schultern. "Ist nicht das erste Mal", gab er zu.
"Na ja, Mel ist auch ziemlich schwer zu verstehen. Sie will anscheinend eine Kunst aus dem 'du weißt nicht, was ich denke' machen."
"Mag sie die Rolle wirklich nicht?", erkundigte sich Shaw, nach einem Moment, in dem er das überdacht hatte.
"Hm, die Rolle war nicht ihre erste Priorität, um es mal so zu sagen."
"Hä?"
"Junge, Mel ist scharf auf dich. Seitdem du zu unserer Besprechung gekommen bist, hat sie sich überlegt, wie sie an dich rankommen könnte. Ich habe sie gewarnt, dass du nicht unbedingt...äh..." Meg hielt ein und sah sich nervös um.
"Was? Ich nicht was?", verlangte Shaw zu wissen.
"Nun...", druckste Meg herum, "Dass du nicht unbedingt auf Mädchen stehst."
Das verschlug Shaw endgültig die Sprache. Nach einigen Minuten wisperte er: "Ich bin nicht schwul."
Verlegen räusperte Meg sich. "Tschuldige, ich dachte, dass alle Jungen in einem reinen Jungeninternat irgendwie zum eigenen Geschlecht neigen würden. Meine Ma sagte das immer."
"Hm, zumindest ist das nicht der Grund, warum ich nicht an Mel interessiert bin."
Meg lachte. "Seltsam, jeder Junge ist an ihr interessiert. Vor allem wegen ihrer...äh...weiblichen Ausstattung." Das Mädchen zwinkerte ihm schelmisch zu, so dass Shaw grinsen musste.
"Sogar die ist mir gerade eben nicht mehr aufgefallen..."
Beide lachten und Shaw stellte fest, dass Meg nett und komisch war, was ihm gefiel. Allerdings blieb das Problem, was er mit dieser ganzen Misere anfangen sollte.
Immer wieder machten die Leute etwas, aber nie sagten sie ihm geradeheraus warum und was sie damit erreichen wollten. Sein Leben könnte so viel einfacher sein, wenn endlich jeder einmal sagte, was zum Teufel er eigentlich beabsichtigte.
"Sie hätte einfach sagen sollen, dass sie was von mir will, dann hätte sie sich dieses ganze Theater sparen können", murmelte er.
"So funktionieren Frauen nicht", erklärte Meg mit einem Lächeln, bevor sie ihn in dem engen Gang vor der Damenumkleide stehen ließ.
"Männer auch nicht", murmelte Shaw und schüttelte den Kopf. Auch wenn Meg ihm mit diesen Einsichten geholfen hatte, so fühlte er sich doch immer noch verwirrt. Allerdings gab ihm die Umwelt keine Zeit zum Nachdenken.
"Shaw!", rief Quinn ihn. "Wir haben hier ein paar Probleme."
"Komme!", antwortete er und schob alle Gedanken, außer denen an die Inszenierung, zur Seite.

Nachdem er die Kulissen inspiziert, Fragen zum Skript beantwortet hatte und Tausende kleinster Problemchen bedacht hatte, fühlte er sich erschöpfter als nach einem anstrengenden Rudertag. Und dabei hatten die eigentlichen Proben noch nicht einmal begonnen.
Schließlich ließ er sich in eine der Sitzreihen fallen und bemühte sich, den Lärm, der von der Bühne kam, aus seinem Kopf zu drängen.
"Hey", hörte er und sah auf. Es war Quinn, die ihn mit einem aufmunternden Lächeln ansah.
"Hey", erwiderte er lakonisch.
"Ich finde, es läuft ganz gut."
"Ja, das tut es."
Sie setzte sich. "Ich hab' von Meg gehört, dass du dich mit Melanie gezofft hast."
"Zoffen ist zuviel gesagt... Sie hat mir nur erklärt, dass sie an Shakespeare kein Interesse hat, sondern an mir."
Quinn lachte. "Das wussten alle Mädchen. Melanie hat sich erst zur Theatergruppe gemeldet, als sie gehört hat, dass wir mit den Jungen vom Harris zusammenarbeiten werden. Sie ist scharf auf Internatler."
"Na klasse...!" Shaw grollte kurz. "Ich bin aber nicht scharf auf sie."
"Das freut mich." Quinn legte ihren Kopf schief. "Wie war das Date gestern?"
"Hm...", murmelte Shaw und hatte sofort wieder das Bild von Des im Kopf, der Henry March küsste. Leidenschaftlich küsste.
"Oh, das klingt nach Problemen. Hatte Des deswegen eine Faust im Gesicht?"
Shaw sah sie erstaunt an, bevor er antwortete. "Fast - er hat nur versucht, jemanden zu schützen."
"Dich?", erkundigte sich Quinn sanft.
"Heh? Wie kommst du denn auf die Idee? Nee, es war der Junge, mit dem er aus war." Shaw lachte, aber es klang gekünstelt in seinen Ohren. "Außerdem musste ich immer Des beschützen."
Was nicht stimmte. Im Grunde konnte Des ganz erstklassig auf sich selbst aufpassen, doch ließ er es großmütig zu, dass Shaw sich aufplusterte und so tat, als sei er der Held des armen, verstoßenen Jungen. Solange sie zusammen gewesen waren, hatte es keiner ein zweites Mal gewagt sich mit ihnen anzulegen. Und dann kam Brian, der noch dazu eine gewisse körperliche Überlegenheit mitbrachte, dazu noch eine geduldige Art, die weder Des noch Shaw besaßen.
"Und nun, Herr Regisseur, solltest du deine Aufmerksamkeit dem Stück zuwenden." Quinn deutete mit ihrem Kinn auf die Bühne.
Viele neugierige Augenpaare starrten sie an. Nach einem Moment erhob sich Shaw und fragte: "Alles bereit?"
Es kamen zustimmende Kommentare und Kopfnicken.
"Okay, alle auf Position. Wir fangen an mit der ersten Szene, in der Viola sich zurechtfinden muss, verstanden?"
Alle murmelten wieder und begaben sich auf Position.
Shaw rief: "Jetzt kann's losgehen!" und setzte sich wieder. Während die ersten eher holprigen Zeilen gesprochen wurden, ergriff Quinn neben ihm seine Hand.
Erschrocken zog Shaw sie zurück, doch das Mädchen lächelte ihn an. "Ich bin wirklich froh, dass du Mel einen Laufpass gegeben hast."
Mit einem Mal steckte er schon in der nächsten Klemme. Klar, er mochte Quinn, er fand sie anziehend und hatte sicher auch nichts dagegen, mit ihr zu schlafen, aber nun, das sie seine zweite Regisseurin war, hatte er eigentlich nicht an so eine Beziehung gedacht.
"Quinn...", flüsterte er; es klang sehr nach dem Beginn einer Ausflucht, die er selbst nicht zu hören bekam, da sie die Finger ihrer anderen Hand auf seine Lippen legte.
"Jetzt nicht - konzentriere dich."
Damit hatte sie recht, doch ihre Berührung fuhr wie ein Blitz durch seinen Körper. Das half seinem inneren Tumult wenig, dem zu Folge war dann seine Aufmerksamkeit ebenso stockend wie die Dialoge war. Vor allem, weil Quinn weiter mit ihrer Hand an seiner spielte. Er beschloss, das nächste Mal Des' Videokamera mitzubringen, so dass er die Fehler noch einmal den Schauspielern vorführen konnte. Oder die Stellen zu wiederholen, die er wankend zwischen Erregung, Frust und völliger Verwirrung nicht mitbekommen hatte.
Und das waren ziemlich viele.

Später kam auch Mrs Foster, die sich zu Quinn und ihm setzte. Sehr zu Shaws Erleichterung, zog Quinn schnell ihre Hand weg, als sie die Lehrerin bemerkte.
Schnell erzählte Shaw von der Videokameraidee, die Mrs Foster gefiel. "Es ist immer gut, wenn man den Schauspielern anhand von Beispielen ihre Fehler erklären kann, dann sind sie meistens einsichtiger."
Nachdem sie zu dritt eine Weile zugesehen hatten, bemerkte die Lehrerin: "Ich habe gehört, dass Sie heute eine Auseinandersetzung im Esssaal hatten?"
Beteten nickte Shaw. "Mr Hopkins hat uns schon zurecht gewiesen."
"Ich hoffe, das kommt nicht wieder vor, Perryman. Immerhin sind Sie der Regisseur und damit ein Vorbild für alle anderen im Team. Sie sind der Leim, der dieses Stück zusammenhält, verstehen Sie?"
"Ja", hauchte Shaw. Natürlich verstand er das. Vor allem in diesem Haufen, in dem anscheinend die wenigsten seine eigene Leidenschaft für das Schauspiel teilten, musste er zwischen den Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und verschiedenen Schulgruppen vermitteln.
"Gut." Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, das Shaw gerne akzeptierte. In der Anwesenheit der Lehrerin gelang es ihm auch endlich, sich auf die Probe zu konzentrieren.
Alle waren saumäßig schlecht.
Es war, als ob keiner je einen Satz auf einer Bühne gesprochen hatte, sogar die alten Profis Adrian und James wirkten hölzern und freudlos, dabei lag eine untergründige Abscheu der einzelnen Schauspieler gegenüber den anderen in der Luft.
"Hört auf!"
Alle erstarrten und wandten ihren Blick Shaw zu, der aufgebracht wirkte. Der junge Regisseur drängte sich an Quinn und Mrs Foster vorbei, dann ging er zur Bühne.
"Was ist denn, Shaw?", erkundigte sich Adrian, der es nicht gewohnt war, mitten im Satz unterbrochen zu werden.
"So kann es nicht funktionieren. Ihr spielt nicht miteinander, sondern gegeneinander."
Leute auf der Bühne schienen ein plötzliches Interesse für den Fußboden entwickelt zu haben, denn alle sahen auf ihre Fußspitzen. Innerlich holte Shaw tief Luft. "Wir wollen ein gutes Stück abliefern, oder nicht?"
Allgemeines Nicken.
"Gut, zumindest darin sind wir uns einig. Um dieses Ziel zu erreichen kann nicht jeder hier seine persönlichen Belange vor alle anderen stellen. Wir müssen zusammenarbeiten."
Von den Schauspielern, vor allem Melanie, war ein deutliches Stöhne zu vernehmen. /Warum müssen immer gerade die Darsteller solche mimosenhaften Nöler sein?} fragte sich Shaw, während er mit sich um ein neutrales Gesicht kämpfte.
"Die Kulissen sehen gut aus, ebenso die Kostüme. Ich denke, es liegt wohl an den Darstellern." Er sah sich hilfesuchend nach hinter zu Mrs Foster um, die weise dazu nickte. "Gut, dann werden wir die Gruppen in Ruhe arbeiten lassen, bei denen es klappt und uns zurückziehen, bis die Situation geklärt ist. Was haltet ihr davon?"
"Wie soll das genau aussehen?", erkundigte sich James.
"Nehmt eure Texte und lernt sie gut. Das nächste Mal treffen wir uns in einem kleineren Rahmen, so dass das Bühnengefühl erst einmal wegfällt. Dann arbeiten wir an der Darstellung und den Problemen." Dieses Mal fragte Shaw nicht nach Zustimmung, sondern gab die Bedingungen einfach als Rahmen vor. "Wenn es jemanden nicht passt, dann kann er jederzeit seine Rolle abgeben. Wir haben nicht viel Zeit, aber ich bin zuversichtlich, dass ihr das schaffen könnt."
Der letzte Satz war vor allem dazu gedacht, nicht alle vollkommen zu entmutigen. Shaw blickte jedem der Jungen und Mädchen in die Augen; von manchen kamen hoffnungsvolle Blicke zurück, andere wirkten stur.
"Damit ist für heute Schluss", erklärte er dann und wandte sich ab. Etwas murrend gingen die Schauspieler ab, das hörte er hinter sich. Allerdings Mrs Foster schien sehr zufrieden. "Das war eine gute Entscheidung, Perryman. Sie haben gezeigt, dass Sie das Ruder in der Hand haben und keine schlechte Arbeit durchgehen lassen. Herzlichen Glückwunsch, das war ein großer Schritt."
Shaw spürte wie er rot wurde. "Vielen Dank."
Nachdem alle gegangen waren, außer Quinn, rief Shaw den Hausmeister an, damit der das Theater abschließen konnte. Als er auflegte, spürte er, dass Quinn ihre Arme um seiner Taille wand und ihr Kinn auf seine Schulter legte. "Du Superregisseur", neckte sie sanft.
"Quinn, was machst du?", fragte er. Nur weil er Mel mehr oder weniger abgewiesen hatte, meinte sie nun, sie wäre an der Reihe?
"Gefällt es dir nicht?"
"Na ja", druckste er herum und zog sich ein wenig aus ihrer Umarmung. "Wir sollten im Moment lieber daran denken, wie wir dieses Stück auf die Reihe bekommen."
"Oh je - bist du einer von diesen Männern, die ihren Beruf vor alles andere stellen?"
"Nein!", protestierte Shaw, aber dann fiel ihm ein, dass er Des an Henry verkauft hatte, um etwas für sich zu erreichen. Galt das? Er machte ein unwilliges Geräusch, entfernte sich weiter von Quinn und wartete an der Tür bis sie aus dem Theater getreten war.
"Begleitest du mich zur Bushaltestelle? Die anderen sind sicher schon weg...", bat sie.
"Okay. Nur damit du dich nicht langweilen musst."
"Vielen Dank, Mr. Perryman." Sie lächelte kokett und ergriff seine Hand, an der sie ihn in Richtung Bus zog.

Als sie am Byron Haus vorbeikamen, sah Shaw hoch zu seinem Zimmer, fragte sich, was Brian und Des wohl gerade taten und ob der Schotte es geschafft hatte, den blonden Trotzkopf vom Fechten abzuhalten.
Quinns Hand, die seine festhielt, schien ihm dabei sehr viel unwirklicher als die beiden jungen Männer dort oben. Ein leichter Ruck an seinem Handgelenk brachte ihn wieder zurück. Der Blick, den Quinn ihm schenkte, steckte voller ungestellter Fragen.
"Wie es wohl Des geht...", murmelte er und dachte dabei an dessen geschwollene Gesichtshälfte, was das Mädchen zum Schnauben brachte. "Er wird's sicher überleben."
Shaw wunderte sich, wie missgünstig Quinn dabei klang, während sie endlich die überdachte Haltestelle erreichten. Nach einem Blick auf den Fahrplan stellte Quinn fest, dass sie noch fast zwanzig Minuten auf den nächsten Bus warten musste.
"Ich wart' hier mit dir, okay?", bot Shaw an, sie lachte und zog ihn am Handgelenk zu sich.
"Ist es unverschämt wenn ich dir sage, dass ich dich hätte auch nicht gehen lassen?", fragte sie in einem tiefen Ton, bevor sie ihren freien Arm um seinen Hals wickelte.
"Ähhhmmm", wandte Shaw gedehnt ein.
"Ich möchte keine zweite Melanie sein, aber ich würde dich gern küssen."
"Oh."
"Oh ja oder oh nein?"
"Ich-ich glaube einfach nur oh...", stammelte Shaw reichlich verwirrt.
"Am besten, wie probieren es aus, dann kannst du dich immer noch entscheiden", schlug Quinn mit keckem Augenaufschlag vor. Noch bevor sich Shaw zu diesem Angebot äußern konnte, presste sie ihre Lippen gegen seine.
In einem Punkt musste Shaw Quinn recht geben - sie war keine Melanie. Ihr Kuss war sehr viel subtiler und köstlicher, er lockte ihn zur Teilnahme. Ihre Zunge fuhr kess über seine Lippen, gefolgt von zarten Bissen an seiner Unterlippe. Shaw stöhnte gedankenverloren, denn so mochte er es geküsst zu werden. Ohne darüber nachzudenken, schlang er seine Arme um Quinn, so dass sie sich besser begegnen konnten. Zuerst kostete er ihrem Mund mit der Zunge, dann ließ er seine Lippen bis zu ihrem Kinn wandern.
Dort hielt er abrupt an.
"Das-das wollte ich nicht", japste er, wieder zu Sinnen gekommen.
Quinn schüttelte mit dem Kopf und küsste ihn erneut flüchtig. "Mir hat es gefallen. Vielleicht machen wir so etwas noch mal?"
"Äh, i-ich weiß nicht." In seinem Kopf kämpfte die Lust gegen die Vernunft, ein Kampf, den Shaw schon kannte. Er wusste, dass der Gewinner solcher Gemetzel bis dato immer die Lust gewesen war. Seine Vernunft wurde vom einfahrenden Bus zum Gewinner gemacht, was Shaw einen erleichterten Seufzer und Quinn ein kleines Grummeln entlockte.
"Wir sehen uns Sonntag", sagte sie.
"Ja, Sonntag." Wenigstens ein paar Tage um seine Gedanken zu ordnen. Eine kleine Pause, die er dringend brauchte.
Sie winkte ihm zu und stieg in den Bus.
Wie betäubt sah Shaw hinterher, bis er die roten Rücklichter nicht mehr erkennen konnte, dann kehrte er ins Byron Haus zurück. Immer noch stumpf kam er in seinem Zimmer an, schloss die Tür hinter sich und atmete lang angehaltenen Luft aus.
Brian, der auf seinem Bett gelegen und ein Buch gelesen hatte, sah auf. "Was ist passiert? Du siehst aus, als hättest du Clive Sproul nackt gesehen."
"Qu-Quinn..."
"Ah, Mädchenprobleme." Brian nahm seine Brille ab, stand auf und kam auf Shaw zu. "Ich dachte, diese Mel sei dein Problem." Gutmütig legte er Shaw einen Arm um die Schultern und führte seinen Freund zum Bett, wo er ihn zum Hinsetzen bewegte.
"Magst du sie?", fragte der Schotte, nachdem er sich hatte neben Shaw fallen lassen.
"Schon...", gab Shaw zu, nachdem er an den erquicklichen Kuss gedacht hatte.
"Schon?"
"Ja, ich mag sie, Blödmann!", grummelte Shaw mit zusammengezogenen Augenbrauen. Und warum sollte er das nicht tun? Sie war hübsch, interessierte sich für Theater so wie er, konnte Drehbücher schreiben und... Vielleicht war der Rest des Sex ja ebenso erfreulich wie das unverbindliche Vorspiel?
"Nun, Perryman, ich sehe da ein riesiges 'Aber' auf deiner Stirn kauern", neckte Brian ihn.
"Weißt du, ich kann es gar nicht genau sagen - sie ist doch geradezu perfekt für mich, oder?"
"Korrekt."
"Warum fühle ich dann nicht mehr?"
Brians Lächeln sank wie die Titanic. Nach einer Weile sah er Shaw an, seine Augen befremdend hell und offen. "Warte es ab, Shaw. Vielleicht kommt das ja noch. Wenn nicht, dann sag es ihr, okay? Versau das nicht auch noch."
"Ja, ja... Ich mach doch, was immer du mir sagst, McTierney." Es klang etwas unwillig und scherzhaft. Alle beide grinsten in neuem Einvernehmen. Mit einem kleinen Schulterheben ging Brian zurück zu seinem Bett und sammelte das Buch auf. Erstaunt las Shaw den Titel: Recht für Anfänger. Als Brian merkte, dass sein Freund ihn fragend ansah, verstaute er das Buch schnell in seinem Rucksack.

"Recht, Brian?"
"Lese ich nur so nebenbei..." Brian fuhr durch sein Haar und verwuschelte es hoffnungslos. "Übrigens, dank entschlossener Kindermädchen hat Des den ganzen Nachmittag über ausgeruht."
"Kindermädchen?"
"Jep, zuerst war es Mikola, der Des nicht aus den Augen gelassen hat, später tauchte March hier auf. Ich glaube, er möchte zu Archer wechseln, na ja, wer würde das nicht wollen, wenn der Gruppenleiter einen bedroht? Zwischendurch kam Mrs. Firth-O'Neill und hat nach ihm gesehen. Nun schläft er."
"Henry March war hier?" Shaw war ziemlich fassungslos.
"Keine Sorge, Shaw. Zu mir hat er gesagt, dass er und Des nur dieses eine Date hatten ist ihm bewusst. Er mag ihn auch so und erstaunlicherweise toleriert unser Muffelkopf das."
Das war wirklich erstaunlich.
"Vielleicht lässt er langsam nach?", versuchte Shaw zu witzeln, aber es klang heiser und falsch. Brian lachte ungläubig und wandte sich dann seinen Hausaufgaben zu.
Im Grunde hätte Shaw Des gern noch einmal gesehen, aber wenn er schlief... Widerwillig setzte sich Shaw an seinen Schreibtisch und kramte seinen Englischaufsatz heraus.
Während er versuchte, die versteckte Kritik in den Geschichten von Swift an der damaligen Gesellschaft zu beschreiben, konnte er beinahe Lippen an seinen spüren. Immer wieder echoten in seinen Gedanken sein eigener Kuss und der von Des, so dass er nicht einmal hörte, wie Brian ihm miteilte, dass er nun zu Bett ginge.
Mit müden Augen kroch Shaw kurz darauf, als er festgestellt hatte, dass der Aufsatz keinerlei Sinn machte, auch in sein Bett und fiel in einen unruhigen Schlaf.

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gfgf
gf (72.54.56.xxx) 2012-01-12 04:26:44

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