Zufalls-Zitat

"Ich bin deines Wunsches wegen hier." erklang die sanfte Stimme, die aus der Ewigkeit ins Leben kam.
Eine feine Hand berührte seine Wange, zog sein Herz aus seiner Brust, legte es offen.
Dort lag es nun, zitternd im Mondlicht, tanzend in seine Brust, frierend weil es so allein war.
Das Sternenwesen betrachtete es voller Mitleid.

[Greif dir einen fernen Stern - Nika]

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Das Geheimnis: erstes Kapitel - Lain

Erstes Kapitel

Kaum hatte Charly ihr neues Zimmer betreten, spürte sie auch schon das nervöse Kribbeln in der Magengegend. Sie hatte es geschafft, das ewige lernen für die Aufnahmeprüfung hatte sich gelohnt.
Wie viele Monate hatte sie an ihrem Schreibtisch gesessen, sich nach der Schule noch die vielen Zahlen und Fakten hineingequält. Sie wusste es nicht mehr. Und all das in der Unwissenheit, ob man sie aufnehmen würde oder nicht. Das Problem war: Das Harris war ein Jungencollege doch Charlotte war alles andere als männlich. Und doch hatte es von Anfang an keine Alternative für sie gegeben...
Etwas unsicher stellte sie ihre Tasche neben dem Bett ab. Ihr Mitbewohner war anscheinend noch nicht angekommen, was einen großen Vorteil für sie bedeutete. Es würde schwierig werden, die Wahrheit vor ihm geheim zu halten. Und doch würde ihr nichts anderes übrig bleiben.
Ein kurzer Seufzer entfloh ihren Lippen, bevor sie sich entschlossen und dennoch mit etwas schlechtem Gewissen auf ihr Bett warf. /Ich gehöre nicht hier her!/ hörte sie sich in Gedanken sagen, rügte sich aber schon im nächsten Moment wieder dafür. /Du bist ein Schüler wie jeder andere und hast die Aufnahmeprüfung genau so bestanden. Also mach dir keine Gedanken./ An diesem Gedanken klammerte sie sich schließlich fest und ließ ihn auch nicht los, als sie sich schon kurze Zeit später wieder aufrichtete, um ihre Sachen auszupacken. Sie hatte fast ausschließlich lange, weite T-Shirts mitgenommen, damit man ihre zierliche Figur und vor allem ihre Oberweite nicht bemerkte. Diese hätte sie jedoch ohne eine Spezialanfertigung ihrer Mutter nicht verstecken können. Charlys Mutter war Schneiderin und hatte nach anfänglichem Zögern den Wunsch ihrer Tochter unterstützt. Und so hatte sie ihr auch eine Art Korsett genäht, welches die weiblichen Seiten von Charlys Figur unauffällig kaschierte. Doch um ihre Weiblichkeit zu vertuschen würde sie noch andere Dinge als ein Korsett benötigen...
Nach kurzem Wühlen fand sie das Foto ihrer Mutter in der Tasche. Es war in einen weinroten Rahmen eingefasst und würde von nun an Charlys Schreibtisch schmücken. Nachdenklich stellte sie es an seinen Platz und wandte sich weiter dem Inhalt der Tasche zu. Die typisch weiblichen Sachen, die sie darin fand (Tagebuch, Unterwäsche und Tampons) verstaute sie in einem gesonderten Fach. Sie würde mehr als nur ein wenig Glück brauchen, um hier nicht entdeckt zu werden.
Schließlich hatte Charly alles hinter sich gebracht und sich erneut auf ihr Bett geworfen, als plötzlich die Tür des Zimmers aufschwang und ein kräftiger, dunkelhaariger Junge hereintrat. Schon auf den ersten Blick fielen Charly seine stechend grünen Augen und die wunderbar gebräunte Haut auf. Zweifellos handelte es sich hier um einer unglaublich gut aussehenden jungen Kerl und Charly wusste, dass es unglaublich schwer werden würde, sich mit so einem das Zimmer zu teilen.
Verhalten beobachtete sie, wie der Junge die Tür hinter sich wieder zu fallen ließ und einen Packen Koffer anscheinend mühelos vor sich am Boden abstellte. Dieser Kerl musste wohl ein echter Kraftbrocken sein, vielleicht Athlet oder so etwas.
"Hey, ich bin Alexis." hörte sie ihn schließlich mit seiner tiefen und gleichzeitig kumpelhaften Stimme sagen. Wahrscheinlich hatte auch er großes Interesse daran, sich gleich vom ersten Moment an mit ihr zu verstehen. Und so schloss sich Charly diesem Vorhaben an und begrüßte ihn mit einem ebenso freundlichen und gespielt coolen: "Hi. Ich bin Charly. Ich hoffe es macht dir nicht aus, dass ich mir einfach so eins der Betten ausgesucht habe." Erschrocken bemerkte sie jedoch, wie hoch und piepsig ihre Stimme im Gegensatz zu seiner klang und nahm sich sogleich vor, beim nächsten Mal etwas tiefer zu sprechen. Doch sie war sich sicher, dass dies bestimmt albern klingen würde...
Alexis schien das jedoch nicht weiter zu stören, er lächelte sie nur ein wenig amüsiert an und warf sich, wie zur Begrüßung, voller Elan auf sein Bett.

Der Rest des Abends verging erstaunlich schnell. Nachdem Alexis seine Koffer ausgeräumt hatte (Charly hatte zum erstem Mal das Vergnügen zu sehen, wie ein Mann seine Sachen in einem Zug in ein Fach des Schrankes stopfte) hatten sich die beiden vorgenommen etwas das Haus und das umherliegende Gelände zu besichtigen. Dabei waren sie schon einigen anderen Bewohnern des Ganges begegnet, die ihnen erklärt hatten, dass man sie morgen noch einmal ausgiebig herumführen würde. Daraufhin verkürzten sie ihren Spaziergang um die Hälfte und vergnügten sich stattdessen in ihrem Zimmer mit Chips und Geschichten über ihre Vergangenheit. So erfuhr Charly zum Beispiel auch, dass Alexis erst kürzlich mit seiner Familie von Italien nach London gezogen war, weil sein Vater hier Arbeit gefunden hatte. Alexis hatte sich entschlossen das Harris zu besuchen, da dieses für seine gute Ausbildung bekannt war.
Für Charly war dies hingegen nicht der einzige Grund gewesen. Schon ihr Vater hatte dieses College besucht und hier eine wundervolle Zeit gehabt. Damals hatte er für seine Gruppe so manches Mal den Sieg im Fechten errungen. Immer hatte er sich gewünscht, dass sein Sohn eines Tages die Nachfolge an eben diesem College antreten würde. Doch diesen Sohn hatte er nie bekommen sollen. Nach Charlys Geburt wurde an der Gebärmutter ihrer Mum ein seltsames, bösartiges Gewächs entdeckt, so dass man sofort handeln musste und ein weiteres Kind daher nicht mehr möglich war.
Als Charly 10 war starb ihr Vater schließlich und noch immer hatte er den Wunsch nach einem Nachfolger verspürt. Schon damals hatte sich Charly in den Kopf gesetzt diesen Wunsch zu erfüllen, doch als sie dies ihrem sterbenden Vater sagte, erntete sie nur ein müdes und ungläubiges Lächeln.
Doch nun, 6 Jahre später, würde sie seinen Traum endlich wahr machen...
Am Abend stand Charly dann bereits vor ihrem ersten Problem. Es war bereits spät und schon seit circa einer halben Stunde hatte sie den Zeiger der Uhr mit den Augen verfolgt. Es war kurz vor 23 Uhr und sie wusste, dass es bald Zeit für´s Bett war. Doch wie zog man sich, gemeinsam mit einem Kerl im Zimmer um, ohne das dieser bemerkte, dass man eigentlich ein Mädchen war? Das konnte zu einem ernsthaften Problem werden.
Doch noch bevor Charly weiter darüber nachdenken konnte erhielt sie wie von selbst die Lösung. Kurz vor der Nachruhe sprang Alexis plötzlich vom Fußboden, auf dem er bis dahin gesessen hatte, auf und murmelte nur noch: "Ich geh schon mal ins Bad." bevor er Hals über Kopf aus dem Zimmer verschwand. Und so hatte Charly zumindest für diesen Abend ihre Chance und zog sich unbemerkt um.

Als Charly am nächsten Morgen erwachte, bemerkte sie nur noch das nervige schnarren ihres Weckers, bevor sie noch halb im Schlaf neben sich griff, und dem ein Ende machte. Daraufhin ließ sie sich noch einmal erleichtert in ihr Bett sinken, schloss die Augen nur für einen winzig kleinen Moment. Doch als sie diese zum nächsten Mal wieder öffnete, stand Alexis bereits fertig angekleidet im Zimmer und begrüßte sie mit einem: "Na? Aufgewacht?" Und verschwand sogleich mit seiner Zahnbürste ins Bad.
Schon war Charly hellwach, sprang wie besessen aus dem Bett, quetschte sich in ihr enges Korsett und zog sich so schnell wie möglich ihr Hemd für die Schuluniform über. Danach schlüpfte sie in ihre ziemlich weiten Hosen, die sie sogleich mit einem Gürtel festmachte, und war fertig.
Jetzt folgte der Gang ins Bad, vor dem ihr jedoch schon die ganze Zeit lang graute. Und tatsächlich, statt ein paar ordentlich angezogenen jungen Männern fand sie einen Haufen halbnackter Kerle; die, die gerade vom Duschen gekommen waren, hatten meist nicht mehr als ein Handtuch um die Hüften.
Ohne es zu wollen, spürte Charly, wie ihr langsam aber sicher die Hitze ins Gesicht stieg und sie machte sich um so schneller daran, sich an eines der Waschbecken zu stellen und ihre Zahnbürste mit Zahnpaste zu bestreichen. Danach konnte sie getrost die Augen schließen und spürte nur noch den minzigen Geschmack auf ihrer Zunge...

Der erste Schultag war der aufregendste und gleichzeitig schlimmste, den Charly je in ihrem Leben gehabt hatte. Überall waren neue Leute, die alle nichts von ihrer wahren Identität wussten, ja noch nicht mal etwas davon ahnten.
Nach dem Frühstück wurde zunächst die Anwesenheit der Schüler durch den Gruppenleiter Perryman überprüft, bevor eben dieser sie in der Schule und den umliegenden Gebäuden herumführte. Noch am Tag zuvor hätte Charly sich nie träumen lassen, wie riesig alles an dieser Schule war.
Danach begann der erste Unterricht bei Mrs Houston, der Lehrerin, welche Charly wohl am längsten im Gedächtnis bleiben sollte. Schon vor der ersten Stunde hatten sich Charly und Alexis, welcher ebenfalls Geschichte belegt hatte, einen Platz in der vorletzten Reihe in der Mitte des Raumes gesucht, nicht zuletzt daher, weil dieser einer der hintersten Plätze war, der noch zu ergattern war. Eins schienen alle hier wohl gemeinsam zu haben, Unterricht in der ersten Reihe war absolut Tabu.
Dann, nach beinahe einer Ewigkeit, klingelte es zur ersten Stunde. Charly befürchtete beinahe, ihr Herz würde in die Hose rutschen, doch sie bemerkte, dass es auch anderen Schülern der Klasse so ging. Alle wirkten seltsam angespannt, so als würden sie eine herannahende Lawine wittern. Charly sollte jedoch schon bald merken, dass sie mit diesen Gedanken keinesfalls so falsch gelegen hatte.
Bereits wenige Sekunden nach Stundenklingeln schwang die Tür, wie durch einen heftigen Windhauch erfasst, auf und eine ältere Frau, die wohl eher breit als hoch war, trat herein. Das erste was Charly auffiel, war ihr Gesicht, was unverwechselbar dem einer Bulldogge ähnelte. Dieser Eindruck wurde durch die wohl dauerhaft hinabhängenden Mundwinkel und den schlechtgelaunten Gesichtsausdruck nur noch mehr verstärkt.
"Guten Morgen meine Herren!" erklang sogleich ihre eher tiefe Stimme in den Klassenraum, nachdem sie sich eher gemächlich vor ihrem Pult platziert hatte. Und sogleich ertönte die monotone Antwort der Schüler: "Guten Morgen Mrs Houston."
Danach war für einen Moment alles still. Jeder schien auf eine Antwort von ihr zu warten, doch diese sollte zunächst nicht erfolgen. Stattdessen nahm die Frau einfach nur gemächlich auf ihrem Stuhl platz, setzte ihre Lesebrille auf um sogleich das mitgebrachte, grün eingeschlagene Buch aufzuschlagen. Danach schien sie zunächst in eine Art Trance zu fallen und Charly vermutete, dass sie sich dabei die Namen aller Schüler der Klasse durchlas. Diese Vermutung fand sie sogleich in der nächsten Reaktion der Lehrerin bestätigt.
"So, so. Sie wollen also alle im nächsten Jahr von mir in Geschichte unterrichtet werden. Sehr interessant. Nun, beginnen wir doch zunächst damit uns alle vorzustellen. Schließlich will ich doch informiert sein, wer mich durch die Oberstufe so alles begleiten wird."
Mit diesen Worten schlug sie ihr kleines Buch zu, erhob sich ganz überraschend von ihrem Stuhl und begann, die Hände auf dem Rücken verschränkt, durch die Klasse zu marschieren. "Also, beginnen wir doch mit den Neuankömmlingen, denn wie ich lesen konnte gibt es einige unter ihnen, die erst seit der Oberstufe auf dem Harris sind. Da ich jedoch noch keinen von ihnen kenne, sie hatten ja bisher das Glück hatten von Mr Ó Donnaill unterrichtet zu werden, bitte ich zunächst darum, dass die Neulinge unter ihnen einmal die Hand heben..."
/Auch das noch./ fluchte Charly bei diesen Worten in sich hinein, leistete jedoch wie befohlen gemeinsam mit 3 anderen Folge. Einer von ihnen war auch Alexis, welchen sich die Houston als erstes auserwählte.
"Also, wie heißt du?" vernahm Charly ihre bissige Stimme und gleich darauf die von Alexis.
"Mein Name ist Alexis Dellray, Ma'm."
"Gut, Dellray. Dann erzähl mir doch einmal warum du gerade das Fach Geschichte belegt hast und was du dir von meinem Unterricht bei mir versprichst."
"Ähm, nun ich habe Geschichte gewählt, weil ich denke, dass man aus der Vergangenheit viel für die Zukunft lernen kann und so das Handeln einiger Länder besser nachvollziehen kann." Das war eine gute Antwort, das wusste Charly. Und auch das Lächeln von Mrs Houston bestätigte dies. Vielleicht war sie ja doch nicht so bullbeißig, wie sie zunächst vermutet hatte?
Doch die Stimme der Lady riss Charly sogleich wieder aus ihren Gedanken. "Und jetzt sie neben Dellray bitte." Wie aus einem Kurzschlaf schreckte sie auf, wusste zunächst noch gar nicht so Recht, wer nun eigentlich gemeint war. Dann, nach einer ganzen Ewigkeit bemerkte sie jedoch, dass sie diejenige war, welche gerade ungesprochen wurde.
"Oh, entschuldigen sie bitte" Warf sie daher etwas durcheinander und sichtlich nervös ein. "Ich heiße Charly... Charly Hayes."
"Hayes also." hörte sie wiederum die Stimme der Lehrerin. "Nun gut. Und weiter?"
"Was? Achso." Sie überlegte kurz. "Nun, ich habe mich für Geschichte entschieden, weil..." /Ja warum eigentlich?/ Schoss es ihr dabei durch den Kopf. Und so fügte sie einfach nur noch hinzu: "... weil ich derselben Ansicht bin wie Alexis." Und erntete dafür nur einen amüsierten Gesichtsausdruck der Lehrerin.
"So, so. Sie wissen also nicht, warum sie diesen Kurs belegt haben, nein? Dann sollten sie vielleicht ein wenig darüber nachdenken. Daher denke ich, dass es nicht schaden sollte, wenn sie mir bis zur nächsten Stunde einen Aufsatz zu diesem Thema einreichen."
Charly schluckte. /WAS? Einen Aufsatz? Aber warum?/ Doch sie besaß keine Zeit mehr für einen Widerspruch, da Mrs Houston bereits die nächsten Schüler verhörte.
Die Doppelstunde verging für Charly nur unendlich langsam und die Houston setzte noch alles daran, um ihr jede Minute zur Hölle zu machen. Warum hatte sie sie plötzlich so auf dem Kieker? Sie hatte doch gar nichts Unrechtes getan. Doch ihre Lehrerin schien das ganz anders zu sehen.
Im Laufe der Stunde, sie behandelten gerade die Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert, wurde Charly mehr als drei mal vor die Klasse gerufen, um verschiedene Meinungen wie zum Beispiel zur Arbeit der Frau in der Fabrik zu äußern. Dabei legte Charly besonderen Wert darauf, dass nichts von dem bereits gesagten wiederholt wurde, denn dies wäre einem weiteren Aufsatz gleichgekommen.
Nach der Stunde fühlte sich Charly sichtlich erschöpft, als sie zur nächsten Stunde bei Mr Forster marschierte. Dabei hoffte sie nur, dass diese Stunde Physik wenigstens etwas Besserung zur vorherigen bringen würde. Schließlich war Physik eines ihrer Lieblingsfächer.
Wieder Erwarten verging diese Pause unangenehm schnell und so hatte sich Charly kaum versehen, als schon der Lehrer, ein äußerst schmaler knochiger Mann, vielleicht Mitte 40 hereintrat. Dieser hatte jedoch so ganz und gar nicht die Erscheinung eines Physiklehrers.
"Guten Morgen meine Herren." begrüßte auch er sie recht höflich, zog es aber im Gegensatz zu Mrs Houston vor, nach dieser Begrüßung stehen zu bleiben. Dem Buch mit allen Namen schenkte er nicht die geringste Aufmerksamkeit, sondern begann gleich damit zum Unterricht über zu gehen. Keine begrüßenden Worte, nichts!
Charly fiel auf, dass dieser Mann wohl unheimlich gerne erzählen musste, da er beinahe die ganze Stunde lang ununterbrochen redete und nur hin und wieder ein Stichwort oder eine Überschrift an die Tafel schrieb. Daher hatte sie allerhand damit zu tun mitzuschreiben und die Stunde verging unerwartet schnell. Eine Meinung von dem Lehrer hatte sie sich allerdings nicht bilden können.
Danach verging der Rest des Schultages mit erfreulicher Geschwindigkeit, und Charly fand sich nach 4 weiteren Stunden, bei denen sie aber nichts mehr auszustehen hatte, endlich in ihrem Internatszimmer wieder. Alexis, welcher den Tag und besondern die Stunde bei Mrs Houston genossen hatte, hatte hingegen beschlossen, sich ein wenig auf dem Gelände umzusehen. Dies war Charly jedoch umso lieber, da sie einfach nur noch erschöpft auf ihrem Bett liegen bleiben und schlafen wollte.

Sie musste wohl weggenickt sein, denn als sie sich das nächste Mal besann, war es bereits dunkel um sie herum lag alles noch genauso still da, wie noch vor etwa zwei Stunden. Nur langsam konnte sie sich erinnern, was zuvor geschehen war und warum sie hier lag. Dann endlich raffte sie sich auf, wechselte ihre Schuluniform gegen einen weiten Pulli und eine Jeans und machte sich auf, sich auch ein wenig die Beine zu vertreten.
Draußen war es ein wenig kühler geworden, so dass Charly sich ungewollt enger in ihren Pulli kuscheln musste, um nicht zu frieren.
Sie beschloss, ein wenig über das Gelände zu streifen, und so setzte sie sich als Ziel die Kapelle, welche beinahe am anderen Ende des Geländes lag und wählte dafür den Weg, welcher vor dem Hauptgebäude entlang führte. Schon bald hatte sie dieses erreicht, hörte von weitem bereits das Plätschern des Springbrunnens, als sie in etwa 10 Meter Entfernung ganz in eine Ecke gedrängt zwei Gestalten entdeckte, welche sich innig umarmten und küssten. Unweigerlich musste Charly schmunzeln und an ihre letzte Liebe, einen 18 jährigen Schotten, denken mit dem sie über 1 Jahr zusammen gewesen war. Doch in den Ferien, bevor sie zum Harris kam, hatten sie sich getrennt, weil beide keine Fernbeziehung gewollt hatten.
In Gedanken versunken ging sie weiter, musterte das Pärchen noch einmal mit einem verträumten Blick als sie plötzlich entdeckte, dass es sich hier um zwei Kerle handelte. Und schon auf den nächsten Blick erkannte sie, dass der eine von ihnen Alexis war..

Zweites Kapitel

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