Zufalls-Zitat

"Ist es nicht ungerecht, dass jemand seinen Vater verliert, den er liebt, während keiner sich dazu aufrafft, meinen umzulegen?", fragte er düster.

[Desmond in  So ein Theater - Nika]

BxB-Feed-Anzeige
BxB/GxG - Das Archiv fr homoerotische Geschichten & Bilder
  • Con molto sentimento _BY Tatheya [Ab 18]
    Statt in Bars und Clubs herumzuhngen sollte Claude lieber seine Freizeit nutzen um das Orchester des Genfer Konversatoriums auf die neue Konzerttournee vorzubereiten. Ganz zu schweigen von anhnglichen Exlovern und neuen Eroberungen. Doch wer wenn nicht sein alter Freund Federico knnte ihm ins Gewissen reden sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren? Claude hatte schon immer ein Problem damit sich fr eine Sache zu entscheiden, nicht nur bei Mnnern...
  • Angst vor der beschriebenen Seite _BY Yavia [Ab 16]
    Der Schriftsteller Chester Froud hat eine Schreibblockade. Die Idee seines Freundes lst dabei eine ungewollte Kette von Ereignissen aus.
  • Blinde Liebe _BY nicki [Ab 18]
    Len ist 19, sieht gut aus, hat Geld und hat einen liebevolle Familie :) Doch was ihm fehlt ist nicht nur sein Augenlicht, sondern auch ein Freund der ihn so liebt wie er ist ... vieleicht findet er in der neuen Stadt endlich seinen Traummann ???

So ein Theater! - Kapitel 2

Stress, Widrigkeiten und eine unglaubliche Geschichte

Schlimmer noch als der Abend davor gestaltete sich der erste richtige Schultag. Als erstes war Shaw total desorientiert und versuchte, auf der falschen Seite aus dem Bett aufzustehen, wobei er sich erst mal das Knie stieß. Als er schlaftrunken und grollend zum Bad hinkte, hatten alle anderen Schüler die Duschen besetzt und er musste warten. Allgemein war die Aufregung um ihn herum groß, denn alle waren nach der langen Zeit ohne Schule an langes Schlafen und eine freie Benutzung des Bades gewöhnt. Shaw beschloss, wenigstens schon einmal Rasur und Zähneputzen hinter sich zu bringen, als Mikola hereinkam. Dass der junge Kroate verwirrt und hilflos aussah, hatte nicht unbedingt mit dem Schulbeginn zu tun. Eigentlich sah Mikola immer aus wie ein geschlagener und ausgesetzter Hund, mit großen, wehmütigen Augen.
"Morgen, wo ist Des?" begrüßte Shaw ihn, denn gerade in dieser Situation konnte er ein paar sarkastische Kommentare gebrauchen.
Mikola sah seinen Gruppenleiter verschreckt an. Shaw seufzte kurz und formulierte seine Frage um.
"Hast du Des heute schon gesehen?"
Mikola hob eine Schulter.
"Schläft er noch?" Um zu verdeutlichen, was er meinte, bettete Shaw seinen Kopf auf seinem Handrücken und gab Schnarchlaute von sich.
Mikola schüttelte den Kopf.
"Wo ist er dann?" Dieses Mal fragte Shaw sich eher selbst als seinen Gesprächspartner.
Wenn man das überhaupt ein Gespräch nennen kann, wenn der eine die ganze Zeit stumm bleibt und den anderen anstarrt, als wolle der seine Eingeweide zum Mittag essen.
Nachdem Mikola ein paar mal seinen Mund auf und zu gemacht hatte, ohne einen Ton von sich zu geben so wie ein Fisch auf dem Trockenen, kam schließlich ein kleines "Bogenschießen" heraus.
"Um diese unchristliche Zeit?" platzte Shaw heraus, aber der junge Kroate lächelte entschuldigend und besetzte die nächste freie Dusche, noch bevor Shaw handeln konnte.
"Verdammt", fluchte er leise und fragte sich, warum er Gruppenleiter war, wenn ihn niemand genug respektierte, um ihm den Vortritt bei den Duschen zu lassen. Etwas knurrig kehrte er zum Zähneputzen und Rasieren zurück.

Es war schon zehn nach Acht, als er geduscht und uniformiert mit seiner Schultasche unter dem Arm zum Clairmont Haus hetzte, um wenigstens noch ein kleines Frühstück abzubekommen. Zum Glück tat sein Knie nicht mehr weh.
Im Clairmont war er schnell dabei ein Tablett mit Milchtee, Toast, Konfitüre und Butter zu bestücken, bevor er Desmond an ihrem üblichen Tisch entdeckte und sich etwas atemlos neben seinen Freund setzte.
"Zu spät aufgestanden", befand Des und trank gesittet einen kleinen Schluck von seinem Tee.
"Von wegen!", verteidigte sich Shaw. "Alle Duschen waren besetzt, deswegen bin ich ein wenig hinter den Zeitplan her. Ich schlaf nun mal gerne, im Gegensatz zu dir. Miko sagte, du warst heute Morgen schon schießen."
"Was Mikola so alles erzählt..."
"Stimmt das also nicht? Was hast du dann in aller Herrgottsfrühe gemacht?"
"Iss lieber, sind nur noch 10 Minuten Frühstückszeit."
Wie so häufig konnte Desmond mit einem beiläufigen Kommentar Shaw aus dem Konzept bringen. Der Gruppenleiter runzelte unbefriedigt die Stirn und dann verschlang er sich die restlichen Toasts und spülte mit Tee nach.
Zusammen gingen er und Desmond dann zur Ansprache des Schulleiters in die Aula, zu der von überall auch andere Schüler strömten. Mit einem triumphierenden Grinsen holte Shaw den Anwesenheitsbogen seiner Gruppe heraus und präsentierte ihn seinem Freund.
"Das ist das erste Mal", stellte der nur trocken fest, was wahr war. Im Trimester zuvor hatte Shaw den Bogen vergessen und musste erst zurück zum Byron-Haus laufen um das Papier zu holen. Das war eine ziemliche Blamage für die Maddox-Gruppe gewesen, nur dank Shaws sonstiger Beliebtheit war er nicht abgewählt worden.
"Blödmann", erwiderte Shaw gut gelaunt. Es war seine Pflicht als Gruppenleiter bei Versammlungen die Anwesenheit der Mitglieder seiner Gruppe festzustellen. Während des normalen Unterrichts machten das die Lehrer. Er sah sich die Liste an auf der auch 12 neue Schüler standen, die nachgerückt waren für die Maddoxler, die ihren Abschluss im Jahr davor gemacht hatten.
In der riesigen Aula hallten die Gespräche der aufgeregten Schüler, so dass eine riesige Geräuschwelle einen überflutete, wenn man die Halle betrat. Vor den Bankreihen erkannte Shaw die Gruppenleiter, die dabei waren ihre Listen abzuarbeiten und den neuen Schülern zu erklären, was auf sie zukommen würde.
Auch Shaw war bewusst, dass sein Tag mit dem Herumführen der neuen Schüler und Tausenden von Fragen ausgefüllt sein würde, genau wie im vorherigen Jahr. Da hatte er allerdings später Rückendeckung von Brian erhalten, der nach den Einführungsveranstaltungen in seine Kurse zu Shaw gestoßen war. Leider war Brian immer noch nicht angekommen und so holte Shaw tief Lust, setzte sein charmantestes Lächeln auf, das nebenbei auch seine beste Waffe war, und begrüßte die Maddoxgruppe.
"Guten Morgen, Maddoxler!"
Eine gemurmeltes "Morgen" war seine einzige Reaktion.
"Mein Name ist Shaw Perryman, ich bin euer Gruppenleiter. Ich werde nun eure Namen aufrufen und ihr meldet euch, okay?" Zustimmendes Brummeln war seine Antwort, die er mit dem ersten Namen quittierte.

Als seine Liste abgearbeitet war, fehlten drei Schüler, einer davon war Brian, ein zweiter war krank und der dritte, Martin Albert, schien gar nicht zu kommen, zumindest war es das, was Shaw der wirren Erklärung eines Schülers entnahm.
"Alles in Ordnung, Mr. Perryman?" hörte Shaw von hinter sich.
"Ja, soweit schon, Sir." Er drehte sich um und sah sich Raymond Hopkins gegenüber, dem Lehrer, der für die Maddox-Gruppe zuständig war, ihre Beratung und schulischen Belange. "Barter und McTierney fehlen. Albert scheint irgendwie nicht zu kommen, oder so."
Mr. Hopkins nickte gemächlich und nahm die Liste entgegen. "Schon gut. Sie führen die Neuen herum, nicht wahr?"
"Ja, Sir."
"Gut, danach bringen Sie die Gruppe zum Essen." Shaw nickte, auch wenn ihm der Ablauf durchaus bewusst war. Als der Lehrer sich entfernte, reihte er sich zwischen seine Gruppe und alle erhoben sich um das Schullied anzustimmen. Dabei stellte Shaw fest, dass er in der Aufregung am Tag davor vergessen hatte, seinen Stundenplan, die Zeiten für Theater- und Orchesterproben und die Ruderstunden abzuholen. Na ja, mit der Gruppe zusammen konnte er das immer noch machen, da er ihnen eh noch einmal das ganze Verfahren erklären musste.
Nach dem Lied setzten sich alle wieder und Schulleiter Hicks begrüßte die neuen Schüler, bevor er einen neuen Lehrer vorstellte. "Das hier ist Mr. Russo, der ab heute die Leitung des Chors übernehmen wird."
Shaw stutzte. Was ist denn aus Mrs. Baker geworden? Sie hat nichts davon gesagt, dass sie weggeht. Allgemeines Gemurmel zeigte ihm, dass die anderen Mitglieder des Chors ähnlich dachten.
Auch dem Schulleiter war bewusst, dass Mrs. Baker beliebt gewesen war. Also setzte er zu einer kurzen Erklärung an. "Mrs. Bakers Ehemann ist während der Ferien unerwartet schwer erkrankt, was sie zwingt, den Posten hier aufzugeben."
Das Gemurmel legte sich und Schweigen legte sich über die Schüler. Schließlich wünschte Hicks allen Schülern viel Glück im neuen Trimester und dass sie sich nicht übernehmen sollten mit Clubs und Pflichten. Shaw fühlte sich davon sofort angesprochen und sein Mund wurde trocken. Er hatte mit dem Orchester, Rudern, Chor und nun der Weihnachtsaufführung wirklich eine Menge Aktivitäten neben dem regulären Unterricht. Sicher würde Mr. Hopkins ihm raten, eine dieser außerschulischen Tätigkeiten aufzugeben, aber in ihm sträubte sich alles dagegen. Er warf aus den Augenwinkeln einen Blick auf Desmond, der aussah, als würde er mit offenen Augen schlafen. Doch er schien Shaws Unsicherheit zu bemerken und schenkte seinem Freund ein zynisches Halblächeln, welches Shaw nicht gerade aufmunterte.

Nach dem restlichen Blabla rief Shaw die neuen Maddoxler zusammen, hörte dabei wie die anderen Gruppenleiter das auch mit ihren Gruppen machten und zusammen begannen sie den Rundgang durch das Gelände.
Als erstes zeigte er das Clairmont Haus, in dem das Essen stattfand und das Medizinische Zentrum, das gleich nebenan war. Von dort aus begutachteten sie die Sporthallen und die Sportplätze.
Als sie bei den Bootshäusern angekommen waren, konnte Shaw es nicht lassen, das maddoxeigene Boot stolz zu präsentieren.
"Wir haben eine gute Rudermannschaft. Zur Zeit rudern wir in einem Vierer, doch wenn jemand von euch gern rudert, dann ist er herzlich willkommen im Team. Bis jetzt hat Maddox die meisten Ruderpokale gewonnen, auch in interschulischen Wettbewerben." Mit einem stolzen Lächeln führte er die neuen weiter zum Theater, seiner zweiten, aber größten, Leidenschaft.
"Das hier ist das Theater. Jedes Jahr gibt es einen Wettbewerb zwischen den Gruppen um den besten Regisseur, den besten Schauspieler und die beste Aufführung. Zu Weihnachten gibt es immer eine große Darstellung, die von den Eltern, den Lehrern und Schülern besucht wird, für die aber auch in Nottingham Karten verkauft werden. Das ist der Theater-Höhepunkt des Jahres."
Und ich werde dieses Jahr Regie führen, fügte er innerlich strahlend hinzu.
Die Gruppe schien allerdings weniger beeindruckt von dieser Tatsache als den Sportplätzen und etwas weniger enthusiastisch brachte Shaw sie zur Ausstellungshaus, in dem noch die Ausstellung der Plastiken, welche die Kunstklassen im Trimester zuvor geschaffen hatten, war. Danach kamen sie zur Bibliothek und als Letztes erklärte er noch die einzelnen Etagen im Hauptgebäude.
Gleichzeitig konnte er schon mal sehen, dass Montagsnachmittags das Orchester probte und Donnerstags der Chor. So konnte er vielleicht den Ruderclub am Freitag doch behalten, allerdings hieß das auch, dass er die restlichen Tage der Woche mit dem Theaterstück beschäftigt sein würde. Wann sollte er dann noch Cello üben? Sollte er seine Wochenenden dafür opfern? Es war zum Haareraufen!
Im musikalischen Stockwerk lief ihm zu allem Übel auch noch Mr. Barnes über den Weg, der Shaw natürlich gleich zur Seite winkte und fragte: "Na, Mr. Perryman, werden Sie die Regie dieses Jahr übernehmen?"
"Ja, das werde ich, Sir", bestätigte Shaw leise, während er die Blick der Neuen im Rücken spürte.
"Am Freitag treffen wir uns das erste Mal mit den Schülern und Lehrern der St-Anthonys Schule. Soll ich Sie nach Nottingham mitnehmen?"
"Freitag?" Shaw war wie gelähmt, während Mr. Barnes nickte. Mit dieser simplen Kopfbewegung brach alles zusammen, was Shaw sich für die Woche vorgenommen hatte.
"Wann?" brachte er hervor.
"Gleich nach Unterrichtsschluss." Der Lehrer erkannte nicht, dass Shaws gefrorenes Grinsen eher vom Schock als con Überwältigung stammten. "Wir treffen uns auf dem Parkplatz. Ich berichte Mr. Hicks von deiner Entscheidung, die Regie zu übernehmen."
"Danke", murmelte Shaw und war sich nicht sicher, ob er es auch so meinte. Doch zum Glück entfernte sich der Lehrer, so dass Shaw zu seiner kleinen Gruppe Maddoxler zurückkehren konnte.
"Was ist denn mit dir los?" erkundigte sich Thomas Chisholm und grinste. "Siehst ja aus, als wäre das Gebäude über dir zusammengebrochen."
"Ist nur wegen des Ruderclubs", erklärte Shaw schnell und beendete die Führung mit den Verwaltungsräumen und dem Zimmer von Raymond Hopkins. Immer wieder wünschte er sich, Brian wäre da oder zumindest Desmond. Einer von beiden hatte eigentlich immer eine gute Lösung für die meisten seiner Probleme.
Mit seiner Gruppe zusammen ging er dann zum Clairmont Haus, denn inzwischen war es Zeit für das Mittagessen geworden. Die neuen Jungs tauschten ihre Luchtickets gegen etwas zu Essen ein, dann setzten sie sich an einen Tisch, wo Shaw noch ein paar Worte zu allgemeinen Verhaltensregeln sagte.
"Sieh mal einer an, wenn das nicht der vorbildliche Maddox-Gruppenleiter ist!", rief jemand von hinten. Die Stimme erkannte Shaw sofort. Er drehte sich um und suchte nach seinem anderen besten Freund, den er schließlich neben Desmond in der Schlange entdeckte. Brians muskulöse, große Gestalt mit den dunklen Haaren und dem offenen Gesicht war auch kaum zu übersehen.
"Brian!", jauchzte Shaw und dieses Mal war sein Grinsen echt. Seine Freund gesellten sich zu der Gruppe der neuen Maddoxler und sofort überhäufte Shaw seinen lang vermissten Freund mit Fragen.
"Wo warst du denn? Ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr kommen. Ist was passiert?"
"Beruhige dich, Perryman", brummte Desmond und Brian nickte dazu.
"Ich erzähle es dir später."
Nun gut gelaunt, und seine Terminprobleme am Freitag erst einmal erfolgreich verdrängend, erzählte Shaw von den Pleiten bei der letzten Theateraufführung der Maddoxgruppe, die den Tisch zum Lachen brachte. Nach der Mittagspause trennte sich die Gruppe, um ihre ersten Unterrichtsstunden des Trimesters wahrzunehmen.
"Ich habe gar keine Ahnung, was ich jetzt für ein Fach habe", bemerkte Brian trocken, als er neben Shaw und Desmond hertrottete.
"Komm einfach mit zu Englisch. Das hast du doch nicht abgewählt oder, du angehender Journalist?", neckte Shaw ihn. Englisch war eigentlich das einzige Fach, dass sie alle drei zusammen besuchten.
"Nein, natürlich nicht."
Shaw lachte. "Bis vor ein paar Stunden ging es mir noch ganz ähnlich. Weißt du schon das Beste?"
"Nein, wie auch? Ich bin erst um elf Uhr angekommen."
"Dass du verwirrt bist, ist ja auch nichts Neues bei dir, Shaw", meldete sich Des leise. Shaw warf dem Blonden einen bösen Blick zu. Aber Brian amüsierte sich nicht über seine Freunde, wie er es sonst tat. Nicht im Geringsten wirkte er wie der selbstbewusste junge Mann, der er sonst immer war. Shaw beschloss, die melancholische Miene einfach zu ignorieren. Sicher war sein Freund nur müde von der langen Fahrt.
"Ich führe Regie beim Weihnachtsstück!" Endlich konnte er es jemandem erzählen, der sich so freute wie er selbst.
Die Wolken in Brians Augen klarten tatsächlich auf und er rief: "Echt?!"
"Ja!"
"Wow!"
Da erst bemerkten die Drei, dass ihr Ausbruch dazu geführt hatte, dass alle Schüler auf den Fluren sie anstarrten.
"Na toll. Nun weiß jeder, dass ich zu euch gehöre", beschwerte sich Desmond sarkastisch. Shaw und Brian hüstelten und beeilten sie sich, um zum Unterricht zu kommen.

Der Englisch Unterricht fand auch in diesem Jahr bei Mr. Fiennes statt und Shaw war froh, dass er während der Fahrten nach London schon die beiden Bücher zum Thema Satire gelesen hatte. Obwohl Brian neben ihm saß, wirkte er relativ geistesabwesend und wieder eher traurig. Als es um die Entdeckung Metaphern in Swifts Gullivers Reisen ging, wurde er auch nicht wacher, obwohl Brian darin sehr viel besser war als Shaw. Er konnte in jedem noch so kleinen, figurativen Strohalm einen Elefanten sehen. Shaw bewunderte diese Fähigkeit, die er schließlich selbst für seinen Traumjob brauchte. Also versuchte er wieder und wieder, mit Brian Texte durchzugehen und bestimmte Schlüsselsymbole zu erkennen. Er war besser geworden, sicher, aber manchmal las er einfach darüber hinweg. Er stieß Brian mit dem Ellenbogen an und grinste ihm zu. Desmond neben ihnen verdrehte die Augen. Prompt rief Mr. Fiennes ihn auf.
"Stainthorpe-Pickering, können Sie bitte erklären, warum Swift das Mittel der Satire gewählt hat." Des erhob sich und konnte das, selbstverständlich. Desmond konnte fast alles, wenn er denn wollte oder dazu gezwungen wurde.

Als der Unterricht vorbei war, brummte er seinen Freunden zu: "Kein Wunder, dass alle glauben, ihr beide hättet Nachts heißen Sex."
Shaw war besonders geschockt von diesem Vorwurf. "Ha, die sind ja nur neidisch, weil sie sich nachts nicht vergnügen können. Stimmt's Bri?"
Brians Augenbrauen senkten sich. "Sicher, Shaw."
Eigentlich hatte Shaw erwartet, dass Brian voll in den Witz miteinsteigen würde. Immer wieder hatten sie mit den Gerüchten zu kämpfen, dass zwischen ihnen etwas sexuelles lief, was aber nicht der Wahrheit entsprach. Sie hielten es dennoch so, dass keiner völlig sicher sein konnte, was ihre Beziehung anging.
Was ist denn mit Brian los?, fragte sich Shaw erneut, bevor er bemerkte, dass Desmond sich verabschiedet hatte, um zu Religionsstudien zu gehen. Brian und Shaw hatte es sehr verblüfft, als Desmond sich für dieses Fach entschieden hatte. Aber Des behauptete, es helfe ihm die besten Argumente gegen das Leben an sich zu finden. Seine Lehrer waren aber von seinen Leistungen recht angetan und mit seinem analytischen Verstand war er am Ende im Debattierclub gelandet. Natürlich hasste er ihn eigentlich und ging nur dahin, um seine Gegner fertig zu machen.
"Ich glaube, ich habe jetzt Desktop Publishing, aber bin mir nicht sicher. Ich gehe kurz noch zum schwarzen Brett", meinte Brian und schwenkte in eine andere Richtung ein. "Wir sehen uns nachher, okay?"
"Warte!", rief Shaw und sein Freund hielt ein.
"Was ist denn?"
"Ist was Schlimmes passiert?", platzte Shaw heraus. Um ihn herum eilten Schüler von einem Raum zu anderen, alle in den gleichen Uniformen, seltsam gehetzt und verwirrt, wie es der erste Schultag so mit sich brachte.
"Das kann ich hier nicht erzählen, Shaw. Mach' ich nachher, versprochen."
"Wirklich?", hakte Shaw nach. Er hatte Brian sehr gern und hasste es zu sehen, wie betrübt er zur Zeit war.
"Wirklich. Und nun verschwinde endlich, Perryman."

Für Shaw waren die letzten Stunden gefüllt mit Theaterstudien bei Mrs. Foster, einer zierlichen Freu, die mit verträumten Augen über Bühnenausstattungen reden konnte, oder knallhart über schlechte Inszenierungen. Shaw mochte sie, denn er erkannte in seiner Lehrerin das gleiche Feuer, das auch in ihm für das Theater brannte.
"Ich führe Regie beim Weihnachtsstück", erzählte er Mrs. Foster nach der Stunde.
"Großartig, Perryman", freut diese sich. "Ich hatte immer große Hoffnungen in Sie gesetzt und nach dem Sie mit ihrer Gruppe letztes Jahr auch noch die Preise für bestes Stück, bester Schauspieler und beste Regie gewonnen hatten, konnte ich mir schon gut vorstellen, dass Sie dieses Jahr zumindest ein heißer Kandidat für den Posten waren. Ich zumindest habe Mr. Hicks erklärt, dass ich Sie für sehr geeignet halte."
Shaws Herz hüpfte freudig. "Sie haben für mich gesprochen?"
"Sicher." Mrs. Foster lächelte. "Ich nehme an, auch dieses Jahr wird es wieder eine Shakespeare Aufführung sein?"
Shaw nickte, obwohl er es eigentlich noch nicht wusste. Doch bis jetzt war es noch jedes Jahr Shakespeare gewesen, immer und immer wieder.
"Hauptsache nicht wieder Ein Sommernachtstraum. Dieses Stück ist wirklich schon zu oft gezeigt worden", ereiferte sie sich, während sie zusammen das Klassenzimmer verließen. Dem konnte Shaw nur zustimmen, denn er hatte auch keine Lust, dieses Stück zu inszenieren.
"Wenn Sie Probleme haben, können sie jederzeit zu mir kommen", erbot sich Mrs. Foster. "Ich weiß, dass Mr. Barnes die Stücke betreut, aber er hat sicher nichts dagegen, wenn ich mit Rat und Tat zur Seite stehe."
"Das ist wirklich klasse von Ihnen!", freute sich Shaw und bedankte sich reichlich. Danach verabschiedete er sich und kehrte ins Byron Haus zurück, wo er in seinem Zimmer endlich den vertrauten Anblick von Brian vorfand. Der saß an seinem Schreibtisch und tippte etwas auf seinem Laptop, was verdächtig nach einem Artikel für die Schulzeitung aussah.
"Hallo, da bin ich wieder", rief Shaw, obwohl Brian das wohl schon bemerkt hatte, denn er nahm seine Lesebrille ab und rieb sich den Nasenrücken.
"Schreibst du was für die Schülerzeitung?", erkundigte sich Shaw fröhlich. Schon der Gedanke, nachts nicht mehr allein zu sein, sorgte bei ihm für gute Laune.
"Ja und das Layout machen wir auch. Sollen wir morgen vorstellen und dann wird entschieden, welches veröffentlicht wird." Brian streckte sich und grinste dann. "Noch mal herzlichen Glückwunsch zum Posten des Regisseurs. Was gibt es denn dieses Jahr zu sehen? Den Sommernachtstraum?"
"Hoffentlich nicht!" Shaw ließ sich auf sein Bett sinken und kratzte sich im Nacken, wo ihn die Waschanleitung für sein Hemd stach. "Die Krönung des Ganzen weißt du noch gar nicht. Die Aufführung wird zusammen mit der St-Anthony Schule aus der Stadt aufgeführt."
"Na und? Dann bekommen wir vielleicht endlich mal ein paar attraktive Mädchen zu sehen und müssen dazu nicht immer in die Stadt fahren."
Shaw begriff nicht, warum es keiner schlimm fand mit diesen außer-harris'schen Leuten zusammenzuarbeiten außer ihm. Er murrte unwillig: "Das heißt aber nicht, dass die auch spielen können."
Brian lachte. "Genauso wenig heißt das, dass sie es nicht können. Man, warte doch erst einmal ab. Shaw."
Doch Shaw brummelte weiter, er schnaubte und verzog verdrießlich seine Miene. "Dazu kommt noch, dass ich nicht weiß, wie ich die ganzen Proben mit dem Ruderclub und den Musikproben unter einen Hut bringen soll", beschwerte er sich.
Brian schüttelte den Kopf, gutmütig wie meistens.
"Wie immer musst du es mit deinen außerschulplanmäßigen Aktivitäten übertreiben. Vielleicht solltest du irgendetwas wenigstens dieses Trimester weglassen?"
Geschockt starrte Shaw seinen Mitbewohner an. Von jedem hatte er diesen Rat erwartet, aber nicht von Brian.
"Was?!", protestierte er. "Das geht nicht! Die Ruderer verlassen sich auf mich, das Orchester hat eine Aufführung Anfang Oktober, bei der ich mitspielen muss und wenn ich den Chor verlasse, geht Des sicher auch."
"Damit muss man rechnen, das stimmt", überlegte Brian. "Ich gehe für dich in den Chor, dann kann ich Des immer mit meinem Gesang einen Grund für die Zerstörung der Zivilisation liefern."
"Wenn du singst, dann hat nicht nur Des einen Grund, die Welt in die Luft jagen zu wollen. Aber Bri, du hast doch genauso wenig Zeit wie ich!", hielt Shaw seinem Freund entgegen. Das sorgte dafür, dass das Grinsen aus Brians Gesicht verschwand und er eher traurig aussah.
"Ich hab überlegt, ob ich nicht Rugby aufgebe...", gab er zu.
Mit zunehmender Ungläubigkeit starrte Shaw seinen Freund an. Was waren denn das für Anwandlungen? Was war mit Brian geschehen, dass er jetzt so redete?
"Rugby aufgeben...? Du? Du bist doch der Clubkapitän!" Shaw sah Brian fest an. "Das kann ich kaum glauben! Was kommt als nächstes? Das Rudern?"
"Shaw..." versuchte Brian zu beschwichtigen. "Das hier ist unser letztes Jahr, es stehen wichtige Prüfungen an und ich brauche auch mal Zeit zum Lernen. Rudern werde ich nicht aufgeben, damit du es weißt!"
Es klopfte an ihrer Tür und ihre Köpfe flogen herum. "Herein", riefen sie zusammen. Es trat Desmond ein, der leicht den Kopf schüttelte.
"Man kann euch bis auf den Flur hören", verkündete er.
Brian und Shaw lachten nur. Desmond setzte sich neben Shaw auf das Bett und musterte beide seiner Freunde. "Was ist nun? Kommt ihr mit ins Studienzimmer? Die Gruppe wartet schon auf ihren Leiter."
"Warum?", erkundigte sich Shaw verwundert.
"Ich glaube, du hattest angekündigt, dass die Ruderer auf jeden Fall die Archers schlagen wollten. Deshalb warten jetzt alle auf deinen genialen Plan." Desmond hob die Schultern und kramte aus einer Jacketttasche ein Dinner Mint heraus, das er in aller Ruhe in den Mund steckte.
"Scheiße, daran habe ich gar nicht mehr gedacht!", erkannte Shaw.
"Schöner Gruppenleiter bist du." Dabei lachte Brian und streckte seine Hand aus, um einen Bonbon von Desmond zu fordern. Zu Shaws Erstaunen gab Des freiwillig einen her.
"Mal wieder typisch für Shaw", brummte er dann und zeigte mit seinem Kopf in Richtung Flur. "Aber bei deinem wendigen Grips wird dir sicher was einfallen, Perryman."
Brian nickte. "Das glaube ich auch. Komm gehen wir und überlegen gemeinsam mit der Gruppe eine Strategie."
Mit einem riesigen Seufzer nickte Shaw und trottete mit seinen Freunden zusammen zum Studierzimmer der Etage. Als er das größere Zimmer betrat, waren da alle Maddox-Mitglieder, die im Byron Haus wohnten und dazu noch ein paar, die in der Stadt wohnten, aber im Ruderteam waren oder dieses unterstützten. Er wurde mit freundlichen Zurufen begrüßt, die drei setzten sich und dann begann die Diskussion.
Everard Williams erklärte zunächst die Situation.
"Es ist so: Das Archer Team hat während der Ferien bei Clive Sprouls Eltern ein Sondertraining erhalten. Außerdem ist in unserem Boot ein Platz leer, da Travis seinen Abschluss gemacht hat und der Schlagmann ist dieses Jahr nicht bereit, weiterzumachen, weil er sich auf die Prüfungen vorbereiten muss. Nun stellt sich die Frage, was sollen wir tun?"
Shaw erhob sich. "Ich glaube, das Extratraining können wir aufholen, wenn wir am Wochenende auch noch trainieren. Allerdings brauchen wir einen neuen Schlagmann und einen weiteren Ruderer für unser Boot, wenn wir wirklich gegen die Archers antreten wollen. "
Kurzes Schweigen folgte Shaws Feststellungen.
"Ich habe im Durwich gerudert", meldete sich Thomas Chisholm schließlich. Alle Augen richteten sich auf den neuen Schüler, der verlegen grinste. "Allerdings mehr in meiner Altersklasse."
Shaw tauscht einen Blick mit Everard und Brian, der auch in seinem Boot ruderte. Die Beiden sahen aus, als meinten sie, dass es zumindest einen Versucht wert war.
"Okay, Thomas, du kommst am Besten zum nächsten Training und wir testen dich mal aus", schlug Brian vor und hob anerkennend die Augenbrauen. Die restlichen Ruderer nickten auch zustimmend. Thomas grinste breit und schien kurz davor zu sein, durch den Raum zu springen.
"Was ist dann aber mit dem Steuermann?", erkundigte sich Everard.
"Gute Frage", gab Shaw zu. "Wenn gar nichts anders geht, dass frage ich Jenkins von den Eddings. Der hat sich angeboten auszuhelfen."
"Jemand von einer anderen Gruppe?", empörte sich Arthur Mirkin, der ein Schuljahr wiederholen musste.
"Besser als den Archers unterlegen zu sein!", protestierte ein anderer und schon brach ein allgemeiner Wortschwall aus, den Shaw mit einem lauten "Klappe!" beendete.
"Wir warten den Testlauf ab. Vielleicht findet sich ja noch jemand für den Steuermann." Damit beendete er das Thema und alle wandten sich ihren Hausaufgaben oder ihren außerschulischen Aktivitäten zu.
"Warum ausgerechnet ein Bot mit Steuermann?", fragte Desmond später leise seine Freunde, die beide ruderten.
"Weil Archer auch eins mit hat, was sonst?" Shaw schnaubte. Alle Anwesenden sahen auf und schienen an ihrem Gespräch interessiert, so dass Desmond arrogant eine Augenbrauen hob.
"Ist was?", horchte er spitz in den Raum. Allein sein Ton reichte, dass sich alle wieder abwandten.
"Später." Des nickte Shaw und Brian zu, stand auf und verließ das Studierzimmer.

Nachdem er weg war, seufzte Shaw. "Manchmal verstehe ich Des wirklich nicht."
"Vielleicht will er einfach nicht verstanden werden", gab Brian zu bedenken, dann erhob er sich auch und erklärte, dass er seinen Artikel noch zu Ende schreiben musste.

Als Shaw mit seinen Ausführungen über Swift fertig war, kehrte er auch in sein Zimmer zurück, doch Brian war nicht dort. Verwundert klopfte er bei Desmond und Mikola an, wo er zwar den Kroaten vorfand, aber keine Spur von Des oder von Brian. Als letztes sah er im Waschhaus nach, doch auch da waren seine Freund nicht, sondern nur ein paar Schüler, die ihre Wäsche beim Drehen in den Tonnen beobachteten.

Seltsam, dachte er. Wo können die Beiden nur hin sein?
Als nächstes suchte er die Fechthalle auf, wo er schon manches Mal die beiden bei einem Duell beobachtet hatte, aber auch dort waren sie nicht. Als er zurückging wurde es schon dämmrig und er fragte sich, ob Brian nur versuchte um die Erklärung herumzukommen, weshalb er erst so spät ins College gekommen war.
Vielleicht war die Begründung auch ganz einfach und Brian hatte bloß seinen Zug verpasst oder so, aber nachdem wie bedrückt sein Freund wirkte, schloss Shaw darauf, dass mehr dahinter steckte. Sinnierend schlenderte er zurück zum Byron Haus, als er die gedämpften Stimmen seiner Freunde vernahm. Erstaunt sah er sich nach ihnen um und fand die beiden neben dem Wäschehaus, wo sie auf dem Boden hockten und irgendetwas betrachteten, das Shaw nicht erkennen konnte. Er näherte sich den beiden, erst dann verstand er, dass es vier kleine Katzen waren. Seine Freunde spielten mit den rot-weißen Kätzchen, deren Mutter zufrieden zusah.
"Was macht ihr denn hier?", erkundigte er sich mit amüsierter Stimme. Beide schreckten auf.
"Shaw!", stellte Brian überflüssigerweise fest, und verzog dann das Gesicht, als eines der Kätzchen ihn in die Hand biss.
"Das hier ist der Nachwuchs einer der Schulkatzen", erklärte Desmond ohne jegliche Emotion. "Ich habe mal Rawn aus dem Wäschehaus befreit, wo sie eingeklemmt war. Manchmal bringe ich ihnen Abends das Essen."
"Und ich wollte die Viecher mal sehen und außerdem die weiche Seite unseres sentimentalen Blondschopfs kennen lernen." Brian grinste breit, so wehrte er Desmonds tödlichen Blick ab. Shaw hockte sich zu ihnen und musste fraglos zugeben, dass die Katzenkinder wirklich niedlich und unterhaltsam waren. Allerdings hatte Brian immer noch nichts gesagt und er fühlte sich uninformiert.
Mit der Dunkelheit wurde es kühler und die drei Freunde kehrten ins Haus zurück, wo sie zuerst im Gemeinschaftsraum ein wenig fernsahen, bevor sich Desmond genervt von den ganzen Menschen um ihn herum zurückzog.

"Du hast gesagt, du würdest mir erklären, warum du erst heute hier angekommen bist", warf Shaw Brian vor, als sie gewaschen und in Pyjamas in ihrem Zimmer hockten, kurz vorm 'Licht aus'.
Erst lachte Brian auf, dann schnaubte er amüsiert. "Soll das heißen, Des hat wirklich nichts gesagt?"
"Des?!", empörte sich Shaw. "Der hat nicht einen Ton gesagt. Nur, dass er nichts wüsste."
Da erst verstand Shaw. "Soll das etwa heißen, dass er die ganze Zeit Bescheid gewusst hat?"
"Reg dich ab! Ich hatte ihn gebeten, nichts zu sagen, nicht einmal zu dir." Brian legte sich hin und ignorierte Shaws vorwurfsvollen Blick. "Mach das Licht aus und ich erzähle es dir."
Das ließ sich der Gruppenleiter nicht zwei Mal sagen. Er löschte das Licht und legte sich hin.
Als Brian begann, wirkte seine Stimme traurig.
"Weißt du, es begann alles vor drei Tagen." In der Pause rief sich Brian die Ereignisse und Gefühle wieder ins Gedächtnis. "Meine Mum erzählte morgens, dass sie einen Liebhaber hätte und noch am Nachmittag zu ihm ziehen wollte."
Schockiert sog Shaw den Atem ein.
"Mein Pa ist völlig ausgerastet, wie du dir sicher vorstellen kannst."
Sicher konnte Shaw sich das vorstellen. "Du meine Güte...", hauchte er.
"Mum sagte nur, da ich ja nun erwachsen sei, könnte sie ja endlich mal an sich denken. Sei ließ Pa einfach stehen und er begann zu schreien. Dass sie eine alte Nutte sei und total verantwortungslos. Ich glaube, das sagt schon alles, oder?"
Auch wenn man es im Dunkeln nicht sehen konnte, nickte Shaw.
"Ich versuchte zu vermitteln, die beiden zu beruhigen, aber es war nichts zu machen. Mum packte nur früher und Pa verschwand auch einfach, ich dachte, er geht was Trinken. Ich habe erst einmal herumgesessen und mich gefragt, was ich tun soll. Und dann habe ich meine Tante Georgina angerufen und ihr alles erzählt. Sie war super geschockt, versuchte dann Mum zu erreichen, während ich nach Pa suchte. In alle seinen Kneipen war er nicht und ich habe mir Abends verdammte Sorgen um ihn gemacht."
"Oh je...", wimmerte Shaw.
"Mum ist dann doch noch mal gekommen und hat mir gesagt, dass es zuerst hart für uns alle sei, doch sie mich immer noch liebe und all so einen Scheiß. Sie hatte ihren neuen Freund mitgebracht, der war total eklig und hat versucht sich bei mir einzuschleimen. Ob ich denn gut im Rugby sei und dass er früher auch gespielt hat. Bah!"
Brian hielt kurz ein, ließ seinen Ekel wirken und verebben.
"Pa tauchte nicht wieder auf. Mum sagte, ich solle einfach zum Harris zurückfahren, aber ich wollte nicht, ohne zu wissen, wo mein Vater war."
"Das kann ich gut verstehen", stimmte Shaw empört zu.
"Ich rief also hier an und schilderte kurz, dass mein Vater verschwunden ist und dass ich eventuell einen Tag später komme. Na ja, ich habe zumindest irgendwann am nächsten Tag bei der Polizei angerufen und wollte ne Suchanzeige nach Pa aufgeben. Nach der Beschreibung dauerte es ne Weile und dann meinte der Polizist, wie hätten so einen Mann in Verwahrung."
Emotional fuhr Brian fort. "Georgina fuhr mich hin. Pa hatte Streit angefangen und sich geprügelt, dabei hatte er einen ziemlichen Schaden angerichtet. Er konnte nur gegen Kaution raus."
"Was?!" Shaw war schockiert. Nun verstand er, warum Brian die ganze Zeit so deprimiert gewesen war. "Was habt ihr gemacht?"
"Unsere Familie hatte das Geld nicht, sogar Mum war bereit zu zahlen, also steckte ich in einem ziemlichen Dilemma. Ich konnte Pa doch nicht im Knast verrotten lassen und einfach abhauen. Da fiel mit jemand ein, der viel Geld hat: Des. Ich habe ihn angerufen und er hat mir ohne großes Nachfragen das Geld zur Verfügung gestellt. Leider habe ich bei all dem Trubel meinen Zug verpasst und deshalb bin ich erst jetzt hier."
Shaw verdaute eine Weile die Geschichte und dann stockte er. "Warte mal. Des?! Der biestige Kerl, der die Menschheit für eine Flohplage hält?"
Brian lachte leise. "Ja, genau der."
"Wieso?", wunderte sich Shaw.
"Weil er es konnte. Er hat kaum Fragen gestellt, ich habe nur gesagt ich brauche das Geld und er hat es mir gegeben. Vielleicht auch, weil seine Familie es sicher verabscheut, dass er einem Proleten wie mir hilft. Oder weil es so unkonventionell ist?"
Shaw überlegte einen Moment. "Manchmal ist er auch ein guter Freund."
"Ja, manchmal." Brian schluckte. "Ich weiß nicht so genau, wie es weitergehen soll in meiner Familie, aber Pa wollte auch, dass ich meinen Abschluss mache."
"Keine Sorge, Bri. Wir helfen dir da durch, das verspreche ich."
"Danke Shaw. Gute Nacht."
Shaw hörte, wie Brian sich umdrehte und spürte, dass er selbst noch völlig aufgebracht von Brians Erzählung war. Er schloss die Augen und versuchte zu schlafen, dabei ging ihm im Kopf herum, dass seine eigene Familie zwar klein war, aber immerhin gab es dort auch weniger Dramen.
Armer Brian. Es wird sicher hart für ihn werden. Er beschloss, seinem Freund so gut wie es ging zur Seite zu stehen und mit diesem Vorsatz schlief er ein.

weiterlesen...

Kommentare
Neuer Kommentar Suche
coach online outlet
coach online outlet (220.161.149.xxx) 2011-12-01 02:12:06

I like this page. I have read it carefully and wow  really awesome.coach online outlet,michael kors shoes,beats by dr dre
Kommentar schreiben
Name:
Email:
 
Titel:
UBBCode:
[b] [i] [u] [url] [quote] [code] [img] 
 
:angry::0:confused::cheer:
B):evil::silly::dry:
:lol::kiss::D:pinch:
:(:shock::X:side:
:):P:unsure::woohoo:
:huh::whistle:;):s
:!::?::idea::arrow:
Please input the anti-spam code that you can read in the image.

!joomlacomment 4.0 Copyright (C) 2009 Compojoom.com . All rights reserved."