Zufalls-Zitat

Ich ficke ihn gern, meinen Bruder.
In ihm ist es warm.
Und wenn er mich nimmt, dann ist er warm in mir.

[Kalte Hunde - Nika]

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So ein Theater! - Kapitel 3

 

Der vertrackte Freitagnachmittag

Zum Glück begann der nächste Morgen weniger chaotisch als der erste Schultag. Shaw fühlte sich sogar richtig gut, als er am Frühstückstisch mit seinen Freunden über die Chancen des Ruderteams redete. Schließlich fiel ihm auch der vertrackte Freitagnachmittag wieder ein.
"Verdammt!", rief er laut, so dass alle, die ihn hören konnten, zusammenzuckten.
"Was nun?", tadelte Desmond.
"Freitag!", fügte Shaw in ähnlich panischem Ton zu.
"Ja?" Desmonds Stimme wurde ungeduldiger.
"Ich muss mit in die Stadt mit Barnes zu einem Treffen in Nottingham. Es geht um die Theatersache."
Brian hob die Schultern, bevor er in sein Toast biss. "Und?"
"Der Ruderclub ist am Freitag! Chisholm soll doch ausgetestet werden." Shaw schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn.
"Na und? Frag' doch einen der anderen aus dem Boot, ob er für dich einspringt", murmelte Desmond, dabei schüttelte er ungeduldig den Kopf.
"Wen soll ich denn da fragen? Dann hat ja einer zwei Stimmen, das wäre doch unfair!" Shaw seufzte tief. "Würdest du für mich gehen, Des?"
Überrascht spuckte Desmond seinen Tee zurück in die Tasse, dann starrten er und Brian ihren Freund einige Herzschläge an, bevor der Blonde keuchte. "Ich?!"
Brian war genauso entgeistert. "Des?!"
Shaw nickte und hob die Schultern. "Warum nicht?"
"Weil ich vom Rudern soviel verstehe, wie du von französischer Lyrik." Verärgert wischte sich Desmond mit einer Serviette Tee vom Kinn.
"Er hat recht, Shaw. Des kommt ja noch nicht einmal freiwillig zu unseren Rennen, sondern wir müssen ihn bestechen", gab Brian zu bedenken.
"Bah, das macht nichts. Ich vertraue da voll auf dich, Des. Du machst das schon", erklärte Shaw unbeeindruckt und biss fröhlich in sein Eiersalatsandwich. Er vertraute vor allem auf Des spitze Zunge und seine gute Beobachtungsgabe. Zudem war Des ziemlich unbestechlich, zumindest ließ er sich selten von anderen Leuten außer von Shaw selbst und Brian bestechen. Und wer wusste schon, dass Desmonds absolute Schwäche Imperial Mints waren? Es war ja nun mal nicht gerade so, als ob sein Freund herum spazierte und diesen Faible jedermann auf die Nase band.
Brian hob eine skeptisch eine dunkle Augenbraue. "Seit du diesen Regisseurposten hast, bist du ein wenig seltsam, Shaw."
"Ist ja nur diesen einen Freitag", beruhigte er seine Freunde und grinste breit. "Danach stehe ich dem Ruderclub wieder voll zur Verfügung."
"Das meinst du", stellte Desmond leise fest. "Ist dir immer noch nicht klar, wie viel Zeit diese Aufgabe erfordern wird? Die Proben, die Treffen mit den Schauspielern, den Beleuchtern und den Bühnenbildnern. Hast du überhaupt schon welche?"
"Die Leute vom letzten Jahr. Ich habe sie schon gefragt, als ich mich um den Posten des Regisseurs beworben habe." Triumphierend strahlte er seine Freunde an. "Seht ihr, ich habe schon vorrausgeplant. Nun Des, du gehst zum Ruderclub und ich fahre mit dem ollen Barnes nach Nottingham. Alles klar soweit?"
"Ich hasse dich manchmal, Shaw", murmelte Desmond, stand auf, nahm sein Tablett und verließ den Tisch, ohne den beiden noch einen Blick zu schenken. Brian schnaubte zustimmend, blieb aber bei Shaw.
"Was habt ihr denn beide?" erkundigte sich Shaw verwirrt. "Ich dachte, wir stehen füreinander ein."
"Du hast Desmond nie gefragt, ob er Freitag Zeit hat, Idiot. Und nun lass uns schnell rüber ins Hauptgebäude." Brian klang ziemlich missgelaunt, aber sie gingen zusammen.


Nach dem Unterricht, wobei Shaw und Brian vergeblich während der Mittagspause auf Desmond gewartet hatten, versuchte Shaw seinen Freund auf dem Zimmer zu erwischen. Zu seinem Pech fand er nur Mikola, der gerade Französische Vokabeln lernte.
"Hallo", murmelte er ein wenig ernüchtert, während der Kroate ihn verwundert ansah.
"Suchst du Desmond?", fragte Mikola dann, weil Shaw bisher sich noch niemals für ihn interessiert hatte. "Den habe ich heute hier nicht gesehen. Was machst du eigentlich mit deinen Freunden, dass du sie ständig suchst und nicht weißt, wo sie sind?"
"Gar nichts!", grollte Shaw. Doch er wusste genau, dass er sich in den letzten Tagen meist wie ein Idiot aufgeführt hatte. Obwohl er Brian beistehen wollte, hatte er nur an seine Terminengpässe gedacht. Und er hatte Desmond nicht gefragt, ob dieser wirklich einmal für ihn einspringen würde.
"Vielleicht ist er schießen?", schlug Mikola vorsichtig vor.
Shaw nickte, dann verließ er das Byron Haus wieder. Mit großen Schritten eilte er zum Schießplatz, wobei er den Nebenfluss verfluchte, der das Grundstück der Schule durchzog, denn der zwang ihn, einen großen Umweg zu nehmen. Normalerweise störte es ihn wenig, denn das Gewässer war Übungsort für seinen Ruderclub, aber dieses Mal grummelte er und joggte über die kleine Brücke.

An den Schießständen fragte er nach Desmond, doch keiner schien den Blonden gesehen zu haben oder sich für Shaws Frage zu interessieren. Also ging er die Stände ab und stoppte beim Letzten, wo er Desmond fand. Sein Freund stand ruhig, die Bogensehne hinter das Ohr gezogen und visierte sein Ziel an. Sogar seine Brille hatte er gegen Kontaktlinsen eingetauscht, weil die Bügel ihn beim Zielen störten. Desmond wirkte bedacht, beherrscht und beinahe gefährlich.
Shaw hielt ein und wartete, bis Desmond seinen Schuss gemacht hatte. Der Pfeil traf in den roten Bereich, neben das Schwarz.
"Was willst du?" fragte Desmond ablehnend, ohne seine Haltung zu verändern oder Shaw anzusehen. Mit Routine griff er in den Köcher, der an seiner Hüfte hing und legte den nächsten Pfeil an.
"Mich entschuldigen", gab Shaw reuig zu, dabei verfolgte er die flüssige Reihenfolge von Anlegen, Zielen und Abschießen. Dieser Pfeil schlug weiter am Rand ein, was darauf zurückzuführen war, dass seine Anwesenheit Desmond ablenkte. "Es tut mir leid, dass ich dich nicht vorher nach deinen Plänen gefragt habe und so egoistisch war."
"So bist du halt", sagte Desmond, ohne die Spur von irgendeiner Emotion. Es war, als ob er sie abgeschaltet hatte, nur sein nachlassendes Zielvermögen gab Aufschluss darüber, ob er überhaupt die Anwesenheit seines Freundes bemerkte.
"Touché", versuchte Shaw die Situation zu lockern. Desmond erschien nicht belustigt, sondern mühte sich nicht einmal um Augenkontakt mit Shaw.
"Es tut mir wirklich leid, Des. Wenn es dir gar nicht passt, dass kannst du einfach ablehnen, okay? Ich nehme es dir nicht übel. Vielleicht sollte ich Chrys meine Stimme überlassen, die Mannschaft vertraut seinem Urteil." Weil keine Reaktion von Des kam, fuhr Shaw fort. "Aber du verstehst etwas von den Sachen, die sonst keiner sieht. Ich will doch auch wissen, ob Chisholm auch in die Mannschaft passt, verstehst du? Nicht nur ob er sich die Hände wund rudert oder den Takt halten kann, nein ich will wissen, ob er zu uns passt. Bitte, Des. Soll ich etwas betteln?"
"Etwas auf den Knien rutschen könnte dir nicht schaden, auch wenn das sicher deine Uniform ruinieren würde", bemerkte Des trocken und wandte sich das erste Mal an seinen Freund. Shaw nahm sich zusammen und blickte seinem Freund fest in die Augen, damit wollte er zeigen, dass er es ernst meinte, und dass er nicht total feige war. Desmonds Augen waren hellgrün mit einer Spur Grau, stechend, erkennend und schonungslos. Manchmal hatte Shaw das Gefühl, dass sein Freund alles durchbohrte mit diesem ruhigen, ein wenig verächtlichen Blick. Nervös leckte er seine Lippen, bevor Desmonds Blick etwas weicher wurde.
"Erwarte keine Gnade von mir bei der Beurteilung von diesem Chisholm", sagte er schließlich und wandte sich wieder dem Schiessen zu. Shaws Augen leuchteten auf und er atmete alle Anspannung aus. "Ich will dein Urteil, nichts anderes. Danke Des."
Beschwingt verließ er den Schießstand und kehrte ins Byron Haus zurück, wo Brian ihn mit einem eher ablehnenden Gesichtsausdruck empfing.
"Des macht es!" rief er fröhlich, doch seine Antwort war nur eine stumme, als Brian eine Augenbraue hochzog. "Ich habe ihn um Verzeihung gebeten, okay?"
"Du solltest wirklich öfter nachdenken bevor du einfach so Leute verplanst, Shaw." Brian schien aber erleichtert, dass seine besten Freunde sich wieder vertragen hatten.
"Du kennst mich doch, Bri." Shaw hob die Schultern und schmuggelte sein unwiderstehliches Grinsen auf die Lippen.
"Werd' ein wenig erwachsener, okay?", forderte Brian, der sich nicht mehr so leicht von dieser Waffe einlullen ließ. Shaw nickte unbestimmt und war überrascht wie sich Brian verhielt. Normalerweise war sein Zimmerkollege immer zu Späßen und Streichen aufgelegt, die man alle nicht gerade als erwachsen bezeichnen konnte, aber seitdem er wieder im Harris war, hatte sich das alles geändert. Lag das wirklich an den Familienproblemen oder war es das letzte Schuljahr?
"Werd' mich bemühen. Auch wenn ich immer dachte, ein Erwachsener wie Desmond würde ausreichen", brummelte Shaw dann, wobei er schon bedauerte, dass ausgerechnet sein letztes Jahr versprach so dröge zu werden. Zum Glück erinnerte er sich auch an seinen Vorsatz, Brian beizustehen und er fühlte sich gleich wieder schlecht.
Eine Mischung aus Wiederwillen und Ärger huschte über Brians Gesicht, bevor er einfach nur den Kopf schüttelte. "Ich muss zum Rugby. Wir sehen uns heute Abend beim Essen." Das war alles, was er sagte, bevor er seine Tasche nahm und ging.
Shaw stand ein wenig verwundert vor seinem Bett und sah Brian nach. "Was zum Teufel geht hier eigentlich vor sich?", fragte er sich selbst laut, bevor er voller Panik bemerkte, dass er noch sein Cello abholen musste, bevor er zum Musikunterricht konnte. Schnell hetzte er in den Instrumentenraum, denn auch wenn sein Lehrer, Jan Wollschlaeger, eigentlich nett war, Unpünktlichkeit konnte er sicher nicht leiden. Wahrscheinlich die einzig typisch deutsche Eigenschaft an ihm.


Nachdem die Frage mit dem Ruderclub geklärt war, vergingen die Tage bis zum Freitag in gewohnter Routine, wobei alle Schüler, die das letzte Jahr besuchten, unter den Hausaufgabenlasten stöhnten. Immer wieder wurde von den Lehrern, ob sie nun nett waren oder eher garstig, betont, wie wichtig diese Vorprüfungen für ihren Abschluss waren, so dass es keiner mehr hören konnte.
Als der Freitag da war und Shaw hin- und hergerissen zwischen Erwartung, Angst und Hysterie war, zog sich der Unterricht endlos in die Länge. Nervös hatte Shaw morgens seine Freunde noch einmal fast in den Wahnsinn getrieben, mit seinen Vermutungen, wie sehr eine fremde Schule seine phantastische Inszenierung in den Ruin treiben würde.
"Wenn du noch einmal darüber lamentierst, schütte ich morgen Kloreiniger in deinen Tee." Das war Desmonds ruhiger, aber bedrohlicher Kommentar. Brian lachte kurz auf.
"Beruhig dich endlich, Perryman. Ansonsten kann ich Des bei diesem Vorschlag nur unterstützen."

Etwas pikiert von den Bemerkungen seiner Freunde, ging Shaw am Nachmittag zum Lehrerparkplatz um sich dort mit Mr. Barnes zu treffen.
"Endlich, Perryman", mokierte sich sein Lehrer und dann stiegen sie ein und fuhren los.
Den Weg in die Stadt kannte Shaw nur zu gut, außerdem hatte er in der Nacht davor nicht so gut geschlafen, was dafür sorgte, dass er vor sich hin träumte während der Fahrt.
Daher zuckte er etwas zusammen, als sein Fahrer verkündete, dass sie angekommen waren. Sie stiegen aus und Shaw erkannte, dass es eine Schule war. Eben jene St Anthony Schule, die ihm schon seit ihrer Erwähnung wie Blei auf der Seele lag. Er schluckte und holte tief Luft, alles um sich auf die Konfrontation mit den Schülern dort vorzubereiten.
Empfangen wurden sie von einer Frau, die vielleicht um die fünfzig Jahre alt war, aber mit strahlenden blauen Augen den Sommerhimmel in Erinnerung brachte.
"Ich bin Colleen Woods, die Leiterin der Theatergruppe hier in St. Anthony", stellte sie sich vor.
Mr. Barnes stellte sich selbst und Shaw vor, dann brachte Mrs. Baxter sie zu einem kleinen Raum, in dem eine Gruppe von Schülerinnen wartete. Shaw erstarrte und glotzte die Mädchen an, die ihn wiederum interessiert betrachteten.
"Das hier ist unsere Theatergruppe", erklärte Mrs. Woods. "Mädchen, das hier ist Shaw Perryman."
"Hi", murmelte Shaw irritiert und unbegeistert.
Die Mädchen erwiderten ähnliches und Mr. Barnes bedeutete ihm, sich zu setzen.
"Als erstes möchte ich noch einmal ausdrücken, wie sehr wir die Zusammenarbeit mit einer so renommierten Schülertheatergruppe wie der des Harris College zu schätzen wissen." Mrs. Woods lächelte einnehmend, während Shaw sich wirklich vorkam wie der Hahn im Korb, weil ihn die Mädchen alle anstarrten. Und sie starrten nicht nur, nein sie starrten auf eben jene seltsam gierige Weise, die er oft bei weiblichen Personen erlebte, wenn sie hörten, dass er auf ein Internat ging.
/Ob die wohl denken, wir sind alle notgeil, weil keine Mädchen verfügbar sind? Oder liegt es an den Uniformen?/ fragte er sich und es war kein sehr erbaulicher Gedanke. Verlegen versteckte er seine Hände in den Hosentaschen, etwas abgelenkt von dem, was Mr. Barnes und Mrs. Woods besprachen. Deswegen kam er wie aus einem Tagtraum hervor, als er plötzlich seinen Namen hörte.
"...oder, Mr. Perryman?"
Shaw blinzelte verwirrt und hoffte, er konnte nachvollziehen, was gerade gesagt worden war, als eines der Mädchen scharf protestierte. "Entschuldigen Sie, aber wir hatten eher an 'Was Ihr wollt' gedacht."
Beide Lehrkräfte schnauften verdutzt.
Shaw setzte sich auf und sah das Mädchen an, welches gerade so stark protestiert hatte. Entschlossen hatte sie ihr kleines Kinn vorgestreckt und konfrontierte die Lehrer mit einem störrischen Blick. Ihre braunen Augen bargen ein gefährliches Glitzern in ihnen und unter dem tristen Neonlicht in dem kleinen Raum schienen ihre Haare wie rotes Feuerwerk zu leuchten.
"Ich finde, das ist eine gute Idee", stimmte er der Vorsprecherin ruhig zu. "Zur Hölle, alles ist besser als immer und immer wieder den Sommernachtstraum."
Nun wurden die vorwurfsvollen Blicke auf ihn gerichtet und Mr. Barnes zischte: "Ausdruck, Perryman!"
Shaw aber hatte inzwischen Blickkontakt mit der rothaarigen Widerständlerin aufgenommen, die ihm dankbar zulächelte. Unbewusst gab er ihr ein Halbgrinsen zurück, bevor beiden Lehrer anfingen durcheinander zu reden. Schließlich kristallisierten sich zwei Vorwürfe heraus,.
"Sie können doch nicht einfach selbst entscheiden, dass wir ein anderes Stück spielen, Ms. Yolen!" Das war Mrs. Woods.
"Der Sommernachtstraum ist eine Tradition zu Weihnachten am Harris-Schultheater. Die Eltern werden protestieren, wenn diese gebrochen wird." Das war wiederum Mr. Barnes.
Shaw faltete seine Arme vor der Brust und blickte in die entzürnten, blauen Augen seines Lehrers. "Bei allem Respekt, Sir, meinen Sie nicht, dass auch die Eltern gerne einmal etwas anderes sehen möchten als immer nur den Sommernachtstraum?"
"Genauso sehen wir das auch", unterstützte ihn die fremde Rothaarige. Shaw begann sie zu mögen. Das Schweigen, das den Wortausbrüchen folgte, war unbehaglich.
"Na schön, Perryman. Sie tragen diesen Vorschlag Mr. Hicks vor und wenn er diesem Unfug zustimmt, dann ändern wir das Programm."
Shaw jubelte innerlich. Mit Hicks hatte er noch nie wirkliche Probleme gehabt und sicher würde ihr Direktor einsehen, dass eine Abwechslung auch eine Herausforderung sein würde. Hicks mochte Herausforderungen, das wusste jeder Harrisianer.
"Unter einer Bedingung, wenn Sie erlauben, verehrter Mr. Barnes", wandte die Lehrerin der Mädchen ein. "Ich möchte, dass Ms. Yolen Ihren Schüler zu Mr. Hicks begleitet, schließlich ging der Vorschlag von meiner Gruppe aus."
Shaws Gehirn musste erst einmal verdauen, was da vorgeschlagen wurde, während Mr. Barnes langsam nickte. "Ich stimme Ihnen zu, ich werde Ihnen den Termin durchgeben und dann kann Ihre progressive Ms. Yolen ins Harris kommen."
Beide Lehrer grinsten sich triumphal an, während Shaw und seine Mitverurteilte gequält stöhnten. Auch dien anderen Mädchen schienen schockiert. bevor sie leise auf ihre Anführerin einredeten. Schließlich meinte eine von ihnen: "Das macht nichts. Demnächst müssen wir ja eh zum Harris fahren für die Proben und so, deshalb begleiten wir Quinn. Je früher wir uns daran gewöhnen umso besser. Außerdem könnte uns Mr. Perryman gleich die Örtlichkeiten zeigen, so dass wir so bald als möglich mit den Proben beginnen können."
Dagegen konnte keiner etwas sagen. In Shaws Kopf blinkten ein paar Warnzeichen auf, die zum größten Teil mit einem Haufen Mädchen in seinem Revier und seiner absoluten Autorität als Regisseur zu tun hatten. Dann stutzte er. Hieß das rothaarige Mädchen etwa 'Quinn'? Was war denn das für ein Name für ein Mädchen?
"Na schön, Mädchen, dann werde ich Mr. Hicks selbst anrufen und euch ankündigen. Ich melde mich dann bei Ihnen, Mr. Barnes wegen des Termins."
Shaws Lehrer hatte sich erhoben und reichte seiner Kollegin nickend die Hand, bevor er etwas unwirsch zu Shaw hisste: "Kommen Sie, Perryman!"
Mit dem vagen Gefühl einen kleinen Sieg über das verstaubte Schulsystem errungen zu haben, stolperte Shaw hinter seinem Lehrer her zum Auto. Als er einsteigen wollte, rief jemand: "Moment!"
Quinn erreichte ihn und rang nach Atem, in ihrer Hand hielt sie einen Zettel, den sie Shaw überreichte. "Das hier ist meine Nummer, falls du Fragen hast" , erklärte sie kurz, dann lachte sie. "Wir sehen uns ja dann. Ach, mein Name ist übrigens Quinn Yolen." Sie winkte, drehte sich um und verschwand im Schulgebäude.
"Ja, bis dann", murmelte Shaw, zu spät und zu verdattert, weswegen er sich auch den Kopf anschlug, als er schließlich ins Auto einstieg. Über die Beule reibend fluchte er unhörbar, während Mr. Barnes losfuhr.
"Schnallen Sie sich an!", murrte sein Lehrer und Shaw gehorchte. Innerlich musste er grinsen, weil er seinen Lehrer so aus der Fassung gebacht hatte.
"Sie denken sicher, dass Sie das gerade grandios hinbekommen haben, oder Mr. Perryman?" Mr. Barnes Stimme war tief aber man konnte die unterdrückte Wut darin vibrieren hören.
"Nein. Sir. Ich denke nur, dass auch der größte Shakespeare Anhänger einmal etwas anderes sehen möchte, als den Sommernachtstraum. Außerdem weiß ich ja auch noch nicht, was Mr. Hicks dazu sagen wird."
"Hmpf", grumpfte sein Lehrer und der Rest der Rückfahrt verging in eisigem Schweigen.

Als Shaw endlich wieder auf seinem Zimmer im Byron Haus angekommen war, fühlte er sich seltsam müde und ausgelaugt, so fiel er nur aufs Bett, nicht darauf achtend, dass Brian ihn mit einem amüsierten Lächeln beobachtete.
"Hi, du bist also zurück. Scheint alles gut gelaufen zu sein, wenn ich dich so anschaue", bemerkte sein Mitbewohner sarkastisch und Shaw ächzte.
"Ah, das sagt natürlich alles." Shaw stellte fest, dass Brians Stimme belustigt blieb. "Ich hole eben Des, dann darfst du uns alles haarklein berichten."
Shaw hörte, wie Brian aufstand und über den Flur ging, von wo er dann Klopfen und gemischte Stimmen vernahm. Schließlich kamen zwei Leute zurück. Die ganze Zeit rührte er sich keinen Zentimeter.
"Nun schwächel hier nicht herum und erzähl!" forderte Desmond ohne eine Begrüßung. Theatralisch richtete Shaw sich auf seinem Bett auf und setzte sich an die Kante. Langsam begann er zu berichten, vom Ankommen, von Colleen Woods, den Mädchen und dem schockierenden Protest.
Brian und Desmond waren beeindruckt.
"Das hat dieses Mädchen wirklich gemacht?", staunte Brian, wozu Shaw nur Nicken konnte.
"Barnes hat das sicher nicht gefallen", stellte Des fest und hob eine Augenbraue. "Soll er dich nicht bei deinem Stück unterstützen?"
Mit einem Mal erbleichte Shaw und glotzte seinen blonden Freund an. "Ach du Scheiße, verdammt ja!"
Des lächelte leicht, vielleicht hinterhältig, vielleicht auch nur aufmunternd. "Ich glaube, darauf solltest du nicht mehr zählen."
Statt einer Antwort rieb sich Shaw nur über die Augen, als ob er kapituliert hätte. "Scheint so", gab er schließlich zu. "Ich wollte aber nun mal endlich mal was anderes als den Sommernachtstraum. Ich hätte sogar Cats genommen, wenn es sein müsste."
Brian und Des hoben beide die Schultern.
"Du wirst es überstehen, Junge. Vielleicht kannst du Mrs. Foster ja dazu bringen, seine Aufgabe zu übernehmen", befand Des weich, so wie man ihn nur selten hörte.
"Du bist brillant, Des! Ha! Die wird sich sogar freuen!" Hoffnung blitzte in Shaws Augen auf. "Zumindest muss ich zuerst einmal Hicks von der ganzen Sache überzeugen und das auch noch zusammen mit dieser Quinn Yolen."
Brian lachte. "Hicks wird sicher zustimmen, also um den würde ich mir weniger Sorgen als um Barnes machen."
Shaw nickte und als er sich bewegte, raschelte es in seiner Jackentasche. Verwundert zog er Quinns Zettel heraus und hielt ihn vor sich.
"Was ist denn das?", fragte Brian.
"Die Telefonnummer von diesem Mädchen", antwortete Shaw unbedacht.
"Aha, aha..." Brian grinste breit. "Du gehst aber ran."
Shaw errötete und widersprach sofort. "Nein, die hat sie mir gegeben! Außerdem war sie gar nicht mein Typ!"
"Aber du anscheinend ihr Typ", stellte Des trocken fest und erhob sich.
"Warte Des!" Shaw sprang ebenfalls auf. "Ihr habt mir noch gar nichts von Chisholms Vorrudern erzählt. Ich habe aber auch einen Bärenhunger. Wie wär's wenn wir in die Cafete gehen?" Brian stimmte zu und so blieb Des nichts anderes als mitzukommen.
Ausgestattet mit einem Truthahn-Sandwich und Cola fühlte sich Shaw schon viel besser auf Ruder-Katastrophen vorbereitet. Brian aß einen Banane-Nuss Muffin und Des trank nur Tee, dabei hatte er aber eine Zeitung neben sich liegen.
"Also?", erkundigte sich Shaw mit vollem Mund.
Brian, der ja auch im Ruderteam war, fing an. "Also? Hier ist dein also: Er ist sicher etwas schneller ermüdet als die älteren im Team, aber er hat gutes Taktgefühl und einen kräftigen Zug. Ich habe für ihn gestimmt."
Des wartete einen Augenblick, bevor er seinen Standpunkt abgab. "Er ist hyperaktiv und kann sich selbst noch schlecht einschätzen. Entweder wird seine Mitgliedschaft im Team ihn dazu bringen, dass er seine eigenen Schwächen und die anderer besser akzeptieren kann oder er wird die Mannschaft in den Wahnsinn treiben. Ich habe ihm eine Chance gegeben." Er nahm einen Schluck Tee und blickte erst einmal in die Schlagzeilen, während Brian neugierig über seine Schultern linste.
Shaw wurde klar, was die beiden taten: sie ließen ihn schmoren.
"Jungs!", rief er ungeduldig.
"Was denn?" Des Stimme war frei von jeder Schelmerei.
"Was ist nun mit Chisholm?"
"Ach so, der ist drin."
Shaws Grinsen wurde breit und breiter. Nun hatte er seine Rudermannschaft erst einmal zusammen und den Schlagmann würden sie einfach von einem anderen Boot ausleihen. Oder jemanden fragen, der Clive Sproul auch nicht ausstehen konnte. Von diesen Jungs sollte es im Harris mehr als genug geben.
"Fantastisch!" Shaw freute sich und seine beiden Freunde sahen sich an, beide hatten ihren 'nun knallt er durch' Mienen aufgesetzt. Shaw bemerkte dies nicht, sondern rieb seine Hände. "Dieser Sproul wird sich noch umgucken!" Daran zweifelten zwar seine Freunde alle beide, aber sie wollten Shaws Triumphmoment nicht verderben.

 

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Randnotiz:
Was ihr wollt ist ebenfalls eine Shakespeare Komödie. Darum geht es:
Durch einen Schiffbruch wird Viola von ihrem Zwillingsbruder Sebastian, der ihr täuschend ähnlich sieht, getrennt. Um Gefahren zu entgehen, kleidet sie sich in Männertracht und nimmt unter dem Namen Cesario Dienste bei dem Herzog Orsino von Illyrien. Orsino hegt eine unerwiderte Liebe zu der schönen Gräfin Olivia. In Trauer um ihren Bruder hat sich Olivia von der Außenwelt abgeschlossen. Nur mit Mühe gelingt es Cesario-Viola, als Bote des Herzogs bei ihr vorgelassen zu werden. Olivia ist von Cesarios Anblick bewegt, ihr Herz beginnt für den Jüngling zu schlagen. Sie gesteht ihm auch ihre Liebe, die er - Viola - natürlich zurückweisen muss.

Während Olivias Zurückgezogenheit führt ihr Oheim Tobias im Hause das große Wort. Das ist ein Schlemmer, immer zu den tollsten Streichen aufgelegt. Er düpiert den geckenhaften, beschränkten Junker Christof von Bleichzwang, der sich mit seiner Bewerbung um Olivia an Tobias gewendet hat. Im Verein mit Olivias lustigem Kammermädchen Maria und dem witzigen Narren Feste führt Tobias mit dem aufgeblasenen Haushofmeister Malvolio eine ergätzliche Komödie auf, indem er diesem einen Brief in die Hände spielt, dem Malvolio entnehmen muss, dass Olivia ihn liebe. Der eitle Haushofmeister steckt sich darauf in eine Tracht, die ihn ganz der Lächerlichkeit preisgibt, sucht mit Mienen und Gesten Olivia seiner Liebe zu versichern und beträgt sich dabei so albern, dass man ihn schließlich für verrückt hält und einsperrt, was aber das Spiel der lustigen Kumpanei durchaus nicht beendet. - Zufällig stößt Olivia auf den ebenfalls aus dem Schiffbruch geretteten Sebastian, hält ihn durch seine Ähnlichkeit für den geliebten Cesario, findet hier Gegenliebe und lässt sich mit ihm trauen.

Hiervon unterrichtet, gibt sich Cesario zu erkennen, nachdem Olivias Hausgenossen durch die Verwechslung der Geschwister auch getäuscht worden sind, denn Christof von Bleichzwang, durch Tobias aufgehetzt, hat den vermeintlichen Nebenbuhler Cesario gefordert, bekommt Mut, als er dessen weibliches Zurückziehen für Schwäche hält, läuft dabei aber dem Sebastian in die Hände und wird von diesem bös zugerichtet.

Als Mädchen gekleidet, gewinnt dann Viola durch ihren Liebreiz das Herz und die Hand Orsinos.

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beats studio
beats studio (220.161.149.xxx) 2011-12-07 02:30:47

It was long assumed that printing was not a free t rade, but always to rema
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